Anerkennung

Uferpark, Uferstraße und Klosterumfeld, Frankenberg (Eder)

Objekt Uferpark, Uferstraße und Klosterumfeld, Bahnhofstraße 8-12 / Uferstraße, 35066 Frankenberg (Eder)
Bauvorhaben Landschaftsplanung, Stadterneuerung
Typologie Freiraum und Landschaft, Stadtraum und öffentlicher Raum
Architekten

GTL Land­schafts­architektur Triebswetter Mauer Bruns Partner mbB, Kassel, https://gtl-landschaftsarchitektur.de

Bauherr Magistrat der Stadt Frankenberg (Eder)
Fertigstellung 2024
Aus­zeich­nungen Anerkennung in der Preiskategorie Freiraum- und Landschaftsplanung, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

Beurteilung der Jury

Die Wiedergewinnung des Landschaftsraumes der Eder ist ein zukunftsweisendes und vielgestaltiges Projekt, mit dem es der Stadt Frankenberg gelungen ist, städte­bau­liche Wunden der Vergangenheit zu heilen und völlig neue urbane Qualitäten zu entwickeln. Mit der Verlegung der Bundesstraße ergab sich die Chance, auf einer Länge von fast einem Kilometer städtische Strukturen neu zu denken und verlorene Potenziale zu reaktivieren. Diese Gelegenheit wurde konsequent genutzt, um verschiedene Teilräume entlang der Gewässer neu zu gestalten und die Barrierewirkung der Verkehrsachsen zu reduzieren.

Ein Schwer­punkt des Projektes ist die Revitalisierung der Nemphe, die nunmehr als offen mäandrierender Bachlauf wertvolle ökologische Qualitäten entfaltet und sich als öffentlicher Grünraum in das Freiraumsystem der Stadt einfügt. Abgeflachte Böschungen, ein strukturreiches Gewässer und die Initiierung einer standortge­rech­ten Vegetation tragen dazu bei, die Nemphe entsprechend der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu entwickeln. Dies war nur möglich, indem der bisher hier vorhandene Parkplatz auf ein verträgliches Maß reduziert wurde. Die verbleibenden Stellplätze sind neu gestaltet und gut in das städte­bau­liche Umfeld integriert worden.

Auch entlang der Eder wurden die Uferbereiche aufgewertet, strukturreicher gestaltet und teilweise zugänglich gemacht. Mit den hölzernen Pontons auf dem Fluss wird beispielhaft gezeigt, wie das Wasser erlebbar wird, ohne die wertvollen Habitate am Gewässerrand zu stören.

Voraussetzung dafür war die Reduzierung des Verkehrsraumes der ehemaligen Bundesstraße und die konsequente Nutzung dieser Flächen für die strategische Freiraumentwicklung. Die überregio­nale Edertal-Radroute wird hier parallel zum Fußweg geführt, wodurch mit der gebotenen Distanz wenig Störungen in den Bereich der Uferauen getragen werden. Die Reduzierung des Verkehrs wirkt sich jedoch nicht nur positiv auf die Ent­wick­lung des Landschaftsraumes aus. Bereits jetzt ist er­kenn­bar, dass die Anlieger der Straße die neuen Potenziale erkennen und aus der bisherigen Abschirmung eine neue Hinwendung zur Eder entsteht.

Besonders gelungen ist die Neu­ge­staltung des Kloster­gartens, der durch den Abriss eines Verwaltungsgebäudes vergrößert und in Anlehnung an das historische Vorbild neu gestaltet werden konnte. Im Gegensatz zur offenen Flusslandschaft wurde hier ein introvertierter Grünraum konzipiert, der eine ganz eigene Atmosphäre besitzt. Mit der Einbeziehung von Klosterverein und interessierten Bürger*innen bei der Bepflanzung des Gartens kann sich dieser zu einem dauerhaften Ort des bürgerschaftlichen Engagements entwickeln.

 

Till Rehwaldt, Landschafts­architekt, Rehwaldt Landschafts­architekten / Juryvorsitzender