© sichauwalter, Fulda
Anerkennung / Preiskategorie Bauen im Bestand

UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch Zehntscheune, Werklager

Objekt UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch Zehntscheune, Werklager, Nibelungenstraße 36, 64653 Lorsch
Bauvorhaben Bauen im Bestand
Typologie Kulturbau
Architekten Sichau & Walter Architekten GmbH, Fulda, www.sichau-walter.de
Bauherren Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Bad Homburg v.d.H.
Fertigstellung 2015
Aus­zeich­nungen Anerkennung auf dem Gebiet des nach­haltigen Planens und Bauens, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2020, verliehen durch das Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen
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Beurteilung der Jury

Die „Zehntscheune“ aus dem 15. Jahrhundert dient der Lagerung, Bearbeitung und Präsentation der zahlreichen kunstgeschichtlich wertvollen Baureste, Spolien und steinernen Ausstattungsgegenstände des ehemaligen Klosterareals. Der Umbau und die Sanierung dieser Scheune beschränkten sich auf die minimal erforderlichen baulichen und technischen Interventionen. Dieser minimalistische Lowtech-Ansatz ist in sich und mit dem Bestand atmosphärisch stimmig. Es wird bewusst auf gewisse Komfortansprüche verzichtet. Der Einsatz neuer Elemente ist wohlüberlegt, die neuen Materialien sind wertig verbaut. Nichts wird zurückgebaut – auch Spuren der jüngeren Geschichte bleiben sichtbar. Die Patina ist nicht geschönt, sondern wahrhaftig. So behält der Ort etwas Authentisches und wird nicht museal eingefroren. Die neue Intervention ist ein weiterer Beitrag in dieser langen Geschichte des Ortes. So kann Zeit und Vergänglichkeit erlebbar gemacht werden. Auch die Nutzung bleibt bis zu einem gewissen Punkt offen interpretierbar und ermöglicht die Aneignung durch Kuratoren*innen und Besucher*innen. In diesem Sinne ist das Projekt auf vielen Ebenen nachhaltig: einerseits im minimalen Einsatz neuer, verbauter Mittel, andererseits aber auch in der Vorstellung der möglichen Nutzungen. Die historischen Bauten werden durch die neuen Interventionen nicht überdeterminiert beziehungsweise die Artefakte nicht museal inszeniert – sondern die Räume werden „nur“ nutzbar gemacht und bieten einen Interpretationsspielraum für die zukünftigen Nutzer*innen. Mit dieser Haltung im Umgang mit dem Bestand können die Bauten und die Geschichte lebendig, frisch und zeitgemäß bleiben.

Raoul Sigl, Büropartner Conen Sigl Architekten GmbH und Jurymitglied

 

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