Anerkennung

Gymnasium Nord, Frank­furt am Main

Objekt Gymnasium Nord, Muckermannstraße 1, 60488 Frank­furt am Main
Bauvorhaben Neu­bau, Holz­bau
Typologie Bildungsbau, Sport, Stadt und Quar­tier
Architekten

ARGE raumwerk Gesellschaft für Archi­tektur und Stadt­planung mbH, Frank­furt am Main & SPREEN ARCHITEKTEN Part mbB, München, https://raumwerk.net, www.spreen-architekten.de

Bauherr Magistrat der Stadt Frank­furt am Main, Amt für Bau und Immobilien
Fertigstellung 2022
Aus­zeich­nungen Anerkennung in der Preiskategorie Archi­tektur, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

Beurteilung der Jury

Wie gelingt zukunftsfähiger Schulbau unter hohem Zeitdruck? Die als modularer Holz-Beton-Hybrid errichteten Unterrichtsgebäude des Gymnasiums Nord in Frank­furt verdeutlichen, dass eine effiziente Bauweise und hohe architektonische Qualität keinen Gegensatz bilden. Vielmehr verbinden sie kurze Realisierungszeiten mit einem überzeugenden gestalterischen und räumlichen Anspruch.
Die Schule ist als „50-jähriges Provisorium“ konzipiert: Nach der Erstnutzung durch das Gymnasium Nord können die Gebäude als vielseitiges Ausweichquartier für andere Schulen dienen, zum Beispiel während Sanierungsarbeiten.
Die Jury würdigt die architektonische Qualität, die das Projekt deutlich über konventionelle temporäre Containerschulen hinaushebt. Der hohe Vorfertigungsgrad und die Modulgröße haben wesentlich zur zügigen baulichen Umsetzung beigetragen. Unterrichtsgebäude, Mensa und Sporthalle bilden ein stimmiges Campusensemble mit einer eleganten Weißtannenfassade als verbindendem Gestaltungselement.
Besonders hervorzuheben ist das Innenraumkonzept der Unterrichtsgebäude. Das lichtdurchflutete, dreigeschossige Entree und begrünte Atrien brechen starre Flurstrukturen auf und schaf­fen eine hohe Aufenthaltsqualität. Im zweiten Bauabschnitt er­mög­lichen offen gestaltete Mittelzonen zeitgemäße, flexible Lernformen.
Auch mit Blick auf Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en setzt das Projekt Maßstäbe. Durch den Einsatz von 356 Holz-Hybrid-Modulen wurden graue Emissionen minimiert. Die Decke aus Holz-Beton-Verbundelementen mit Bauteilaktivierung fungiert durch die thermisch aktivierte Masse als Klimakomponente. Gleichzeitig werden Brand­schutzauflagen erfüllt und der akustische Komfort gesteigert. Vorbildlich gelöst ist auch die Kreislauffähigkeit – die Bauteile sind nicht vergossen, sondern verschraubt und können so auseinander- und an einem anderen Ort wieder aufgebaut oder in Einzelteile zerlegt und am Ende des Lebenszyklus weitestgehend recycelt werden.
Der Campus entstand auf einer ehemaligen Bauschuttdeponie und aktiviert damit ein Areal, das lange Zeit als schwierig zu bebauen galt. Ein besonderer Gewinn für das gesamte Quar­tier liegt in der klugen Mehrfachnutzung. Sowohl die Sporthalle als auch die Mensa stehen den örtlichen Vereinen und der Nachbarschaft offen.
Der Entwurf fügt sich harmonisch in die Umgebung zwischen Wohnquartier und Landschaft ein. Als konstruktiven Impuls regt die Jury an, die Freiraumbegrünung weiter zu intensivieren und langfristig durch den Verzicht auf Einfriedungen die Quar­tiersverbindung zusätzlich zu stärken.
Das Projekt ist ein gutes Beispiel für zirkuläres, schnelles und wirtschaftliches Bauen ohne gestalterische Kompromisse – mit dem Potenzial, auch dauerhaft am Ort zu bestehen. Die Jury vergibt dafür eine verdiente Anerkennung.

 

Elmar Damm, Abteilungsleiter, Hessisches Ministerium der Finanzen / Jurymitglied