Netzwerkveranstaltung 2026

Die AKH lud gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) zum dritten Netzwerktreffen der Holz­bau­offensive Hessen ein.

Die Holz­bau­offensive ist Teil des Klimaplans Hessen, ein wichtiger Bau­stein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Sie wird unter der Federführung des HMLU gemeinsam mit pro holzbau hessen und der LEA LandesEnergieAgentur Hessen umgesetzt und geht dieses Jahr in die dritte Runde. 

Das HMLU empfing das Netzwerk der Holz­bau­offensive am 16. April 2026 in Wies­ba­den, um sich über die Fortschritte, aber auch die Heraus­forderungen des hes­si­schen Holz­baus auszutauschen. Um das Ziel der Offensive zu erreichen – die Holz­bauquoten im Wohnungs- und Nicht-Wohnungs­bau zu steigern – liegen die Aufgaben der Akteur*innen der Wertschöpfungskette Holz vor allem darin, die Akzeptanz für den Holz­bau zu steigern. Hierzu sind weiterhin die drei Handlungsfelder Holz­baukompetenz sichern, Rahmen­bedingungen gestalten und Regionale Wertschöpfung steigern von zentraler Be­deutung. Diese wurde nach zwei Impulsvorträgen in der Podiumsdiskussion mit Vertreter*innen verschiedener Akteursgruppen vertieft besprochen. 

Stellvertretende Haupt­geschäfts­führerin der AKH, Gertrudis Peters, führte als Moderatorin durch die Veranstaltung. 

Holz­bau als Teil der Lösung

Die Holz­bau­offensive vereint drei Pfeiler: Klima­schutz, nach­haltige Forstwirtschaft und Regionalität.

Ich bin froh, dass hier ein Kreis ist, der Überzeugungsarbeit leistet, dass Holz­bau aktiver Klima­schutz ist. Wir möchten den Roh­stoff Holz in Hessen verbauen und dafür sind die unsere Försterinnen und Förster wichtige Verbündete. Sie bauen den Wald klimaresilient um und sorgen dafür, dass der nachwachsende Baustoff auch noch in Zukunft zur Verfügung steht.

Regionalität ist uns dabei als Landwirtschafts- und Umweltministerium ein besonderes Anliegen, damit Wertschöpfung in Hessen bleibt. Die Wohnungswirtschaft sind als Auftraggeber von Bauvorhaben gefragt, Holz­bauten als Teil der Lösung der Wohnungsnotlage zu erkennen. Weiterhin spielen Bildung und Lehre eine wichtige Rolle, um den Holz­bau voranzutreiben. Wir brauchen Menschen, die verinnerlichen, dass Holz ein toller Baustoff ist und diesen qualifiziert einsetzen können.

Alexander Stute, Komm. Leiter Abteilung VI Forsten, Jagd und Naturschutz

In einer Zeit tiefgreifender Trans­formation steht der Bausektor im Spannungsfeld zwischen Klima­schutz, Res­sour­cenknappheit, Flächenverbrauch und wachsendem Wohnraumbedarf. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Geschwindigkeit und Wirtschaftlichkeit. Der Holz­bau bietet als nachwachsender Roh­stoff auf viele dieser Fragen überzeugende Antworten. Die Vorteile allein reichen allerdings nicht aus, um eine breite Umsetzung zu erreichen. Denn Bauen ist immer auch eine Frage von Vertrauen, von Routinen und etablierten Strukturen.

Genau hier setzt die Holz­bau­offensive Hessen an. Ihr eigentlicher Mehrwert liegt nicht nur in Projekten oder Studien, sondern vor allem im Dialog. Die Zukunft des Bauens entsteht nicht in einzelnen Disziplinen, sondern an ihren Schnitt­stellen.

Als Architekten- und Stadt­planer­kammer sehen wir uns in einer besonderen Ver­ant­wor­tung Planungskultur mitzugestalten und früh grundlegende Entscheidungen über Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en, Materialauswahl und Bauweise zu treffen. Besonders bedeutend für qualitätvollen Holz­bau ist die integrale Planung mit frühzeitiger Beteiligung aller Akteure und eine materialge­rech­te Konstruktion. Wir müssen unsere Prozesse weiter­entwickeln - weg von linearen Abläufen, hin zu kooperativen Arbeitsweisen.

Konkret heißt dies für uns Wissen zu verbreiten, Pilotprojekte fördern und Zusammen­arbeit stärken.

Holger Zimmer, Vizepräsident AKH

„Vorbehalte abbauen heißt gleichzeitig Vertrauen aufbauen - die Aufgabe des Netzwerks ist weiterhin die Holz­bauquoten im Wohnungs- und Nicht-Wohnungs­bau zu erhöhen, das heißt auch nach wie vor die Akzeptanz für den Holz­bau zu steigern.“

Gertrudis Peters

Impulsvorträge

Vielfalt in Serie

Im ersten Impulsvortrag wurde die Studie „Elementiertes Bauen mit Holz im Wohnungs­bau“ mit dem Ergebnis Vielfalt in Serie ist möglich vorgestellt. Die Studie ist im Jahr 2025 im Auftrag des HMLU von der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen gemeinsam mit werk.um architekten aus Darm­stadt und im Austausch mit Auftraggebenden sowie Holz­bauunternehmen erarbeitet worden. Sie untersucht die Rahmen­bedingungen des elementierten Bauens vor dem Hintergrund konkreter Anforderungen der Wohnungswirtschaft, aber auch der Spezifika der Vorfabrikation. Architekt Oliver Steinebach präsentierte die Erkenntnisse anschaulich als Kurzzusammenfassung der Studie.

Studie
werk.um architekten
Oliver Steinebach, werk.um architekten, Darm­stadt
Sandra Hauer

Vergabemodelle im Holz­bau

Im Impulsvortrag zu Vergabemodellen im Holz­bau stellte Wissenschaftlerin der TU München – Dr. Sandra Schuster – die Planung der Planung vor. Hierbei hat sie unter anderem Forschungsergebnisse des TUM-Projektes leanWOOD präsentiert, welches seit fast zehn Jahren immer wieder zitiert wird und weiter an Relevanz gewinnt. Besonders wichtig im Holz­bau ist das Verständnis der Planungsphasen: der Holz­bau benötigt eine komplett abgeschlossene Planung in frühen Leistungsphasen, um den reibungslosen Ablauf der Vorfertigung und Montage auf der Baustelle zu gewährleisten. Wenn die spezielle Holz­baukompetenz nicht im Planungsteam vorhanden ist, muss diese Expertise schon früh ins Projekt mit einbezogen werden. Oft ist es sinnvoll bei der Ausschreibung Gewerke zusammenzufassen; für den öffentlichen Auftraggeber bedeutet das eine gesonderte Begründung für die Vergabestelle. Dies ist aber aus Sicht der technischen Begründung mit dem Prinzip der Vorfertigung und der dichten Hülle rechtlich unproblematisch. Hierfür ist eine integrale Planung, aber auch der Wissenstransfer und die Holz­baukompetenz bis in die Vergabestellen unabdingbar. Auch die Funktionale Ausschreibung kann eine Chance darstellen: die Gestaltung wird durch Architekt*innen sowie die Bauphysik und das Tragwerk durch Bauingenieur*innen vorgegeben, der Rest bleibt dem Holz­baubetrieb überlassen. Das ermöglicht den Bauunternehmen wirtschaftlich zu optimieren, wie das Projekt auf deren Fertigungsstraße umsetzbar ist. 

Dr. Sandra Schuster, Technische Univer­sität München
Sandra Hauer

„Holz­bau ist nach­haltig, digital, leise und schnell - er ist aber auch nur schnell, wenn wir die Planung von Beginn an richtig angehen.“

Dr. Sandra Schuster

Podiumsdiskussion

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auch in diesem Jahr bei der Podiumsdiskussion mit ausgewählten Expert*innen. 

Moderiert von Gertrudis Peters, Stv. Haupt­geschäfts­führerin der AKH diskutierten:

  • Volker Diefenbach, Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod
  • Steve Tustain, Vertriebsleiter MDL module, Bischofsheim
  • Dr. Sandra Schuster, Technische Univer­sität München
  • Christian Roth, werk.um architekten baugewerbliche PartG mbB, Darm­stadt
  • Prof. Helmut Zeitter, Frank­furt University of Applied Sciences, Vorstand bei pro holzbau hessen e.V., Kassel

Fokusthemen

Holz­baukompetenz entwickeln

Dass der Holz­bau unter anderem auf­grund des hohen Vorfertigungsgrades eine spezifische Holz­baukompetenz voraussetzt, ist innerhalb des Netzwerks bekannt. Die Be­deutung einer konstruktionsge­rech­ten Planung wurde sowohl durch die Impulse als auch in der Diskussion deutlich hervorgehoben. Dennoch fehlt das nötige Know-How an bedeutenden Stellen. 

Ein großes Defizit, welches sowohl im vergangenen Jahr während des Hochschuldialoges als auch im Podium angesprochen wurde, ist die Sicherung des Holz­baus in der hochschulischen Lehre. Der Hochschulpakt 2026 – 2031 sieht starke personelle und finanzielle Kürzungen vor und schränkt somit die Lehre erheblich ein. Es müssen Mittel bereitgestellt werden, die eine qualitative Ausbildung zukünftiger Absolvent*innen gewährleisten und einen holzbauge­rech­ten Kompetenzaufbau er­mög­lichen. 

Dieser Wissensaufbau gilt aber nicht nur für Studierende der Archi­tektur und des Bauingenieurwesens, sondern auch für die weiteren Beteiligten im Planungs- und Bauprozess der Holz­bauten. Die Entscheidungsträger und Auftraggeberseite sowie die Verwaltungsbehörden müssten entsprechend geschult sein, um Prozesse zu optimieren und qualitative Projekte umzusetzen. Auch für den Grundgedanken der Suffizienz und den Umgang mit dem Bestand muss Bewusstsein aufgebaut werden. 

Rahmen­bedingungen gestalten

Die hohe Be­deutung einer Sicherung der Holz­baukompetenz im gesamten Projektverlauf ist sehr deutlich geworden – von der Bauherrschaft über die (Fach)Planenden bis hin zu den Vergabestellen. Sei die benötigte Kompetenz nicht im Prozessteam vorhanden, müsse die Expertise zugekauft werden. Was entweder bedeuten könne das Team weiterzubilden oder es müsse eine Beteiligung entsprechender Planungs- aber auch Ausführungskompetenz in frühen Projektphasen ermöglicht werden, nicht zuletzt, um einen Holz­bau wirtschaftlich zu realisieren. Die HOAI sei flexibel und gebe ein holzbauge­rech­tes Leistungsbild her, so Dr. Sandra Schuster. Ebenso ermögliche das Vergaberecht die Anforderungen des Holz­baus auch in der Ausschreibung abzubilden und beispielweise von der funktionalen Ausschreibungsform Gebrauch zu machen oder an Teil-GUs zu vergeben, um notwendige Gewerke zusammenzufassen. Es bedürfe also weniger einer Anpassung an Gesetzmäßigkeiten, sondern viel mehr einer passenden Umsetzung innerhalb der gegebenen Rahmen­bedingungen.  

Förderungen durch Bund oder Land wurden kritisch diskutiert. Besonders für kleine Kommunen ziehe das Einwerben und Verwalten von Fördermitteln einen enormen administrativen Aufwand mit sich, der wichtige Kapazitäten bündele.

Regionale Wertschöpfung steigern

Regionale Werte zu schöpfen, bedeute auch anzuerkennen, dass der Wald von Morgen ein anderer sein wird, als er die letzten Jahrzehnte erlebbar war. Der Wald wird derzeit klimaangepasst umgebaut, was eine große Heraus­forderung für die Forstwirtschaft bedeute. Die Baumarten in den zukünftigen Wäldern werden stark durchmischt, was zur Risikominimierung beitrage. Außerdem werde man künftig Bäume bereits viel jünger entnehmen, als bisher, was das gewohnte Bild des Waldes verändern werde. Die daraus resultierenden Hölzer werden andere Baustoffe hervorbringen als in der Vergangenheit. 

Regionalität müsse laut der Podiumsdiskutanten praktikabel und gekonnt sein. Um lokale Wertschöpfungsketten zu sichern und Potentiale nutzen zu können, müssten also alle beteiligten Akteursgruppen gemeinsam diese Heraus­forderung angehen und voneinander lernen. Dies bedeute auch die Produktpalette so zu erweitern, dass das nach­haltige Forsten wirtschaftlich bleiben könne.

„Die Sehnsucht nach dem Bauen mit Holz fördern.“...*

… mit der Qualitäts­sicherung durch Kompetenzaufbau und Kooperation, beginnend mit der finanziellen Sicherung qualitativer Hochschullehre bis hin zu Bildungsprogrammen für Planer*innen in der Praxis und die Auftraggeberseite.

… durch Erfahrungsaustausche, um voneinander zu lernen.

… mit dem Sichtbarmachen von guten Beispielen bei Exkursionen und durch die Prämierung mit Holz­bau-Preisen.

… durch das Zusammenbringen der Multiplikatoren der Wertschöpfungskette Holz.

 

* Die Antwort auf die Frage, was die Mitwirkenden sich von der Holz­bau­offensive Hessen wünschen

Vorhaben der AKH

Ausblick

Gertrudis Peters gab mit großem Dank an die Partnergemeinschaft sowie das gesamte Netzwerk der Holz­bau­offensive und in gespannter Erwartung auf geplante Maßnahmen einen Ausblick für das Jahr 2026: 

Studie „Elementiertes Bauen in Holz im Wohnungs­bau“

Dieses Jahr werden die Ergebnisse der Studie „Vielfalt in Serie“ aufbereitet und mit verschiedenen Akteursgruppen geteilt, um die Chancen des systemischen Bauens für die Wohnungsnot aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Wirtschaftlichkeit. Die Baukosten steigen derzeit ins Unermessliche, deshalb sollen die Ergebnisse noch durch eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erweitert werden und die Frage stellen: ab wann kann die Vorfertigung Skaleneffekte erzielen und somit nicht die alleinige, aber eine kleine Stellschraube der Wirtschaftlichkeit darstellen?

Hochschulkonferenz

Nach den ersten beiden Jahren des Austausches mit den Holz­baulehrenden, wird auch 2026 der Hochschuldialog weitergeführt. Die Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen wird dieses Jahr eine Hochschulkonferenz mit allen hes­si­schen Univer­sitäten und Hochschulen durchführen. Dabei wird unter anderem erörtert, wie der Holz­bau besser in die grundständige Lehre verankert werden kann und ob es einer Schwerpunktsetzung im weiterführenden Studium oder Fortbildung im Bereich Holz­bau bedarf. 

Fachberatung

Der Austausch mit Auftraggeber*innen und der Bauherrschaft ist besonders wichtig, um Vorbehalte zu erkennen und abzubauen. Die AKH bietet in Zusammen­arbeit mit der LEA und pro holzbau hessen eine zielgruppenspezifische Fachberatung an. Über die An­ge­bote können Sie sich auf der Website der Holz­bau­offensive Hessen informieren. 

„Die Öffentlichkeits­arbeit muss massiv verstärkt werden, um den Holz­bau in die Breite zu tragen. Dabei sollte das Land Hessen selbst als gutes Beispiel vorangehen.“

Volker Diefenbach

Impressionen der Veranstaltung

Sandra Hauer
Sandra Hauer
Sandra Hauer
Sandra Hauer
Sandra Hauer
Sandra Hauer
Sandra Hauer

Holz­baupreis Hessen 2026

Der Holz­baupreis wird alle zwei Jahre von pro holzbau hessen vergeben. In verschiedenen Kategorien werden Bauwerke ge­sucht, die als zukunftsweisende Beispiele für das Bauen mit Holz in Hessen gelten können.

Projekte können bis zum 29. Juni 2026 eingereicht werden. Die Preisverleihung findet am am 18. November auf dem Deutschen Holzkongress 2026 statt. Weitere In­for­ma­tio­nen finden Sie hier.

Allgemeine In­for­ma­tio­nen zur Holz­bau­offensive Hessen finden Sie auf der offiziellen Website.