Anerkennung

DELTA-Forum, Technische Univer­sität Darm­stadt, Campus Lichtwiese

Objekt DELTA-Forum, Technische Univer­sität Darm­stadt, Campus Lichtwiese, Eugen-Kogon-Straße, 64287 Darm­stadt
Bauvorhaben Neu­bau, Holz­bau, Temporär / Mobil
Typologie Hochschulbau, Infrastruktur, Kulturbau
Architekten

Technische Univer­sität Darm­stadt, Fachgebiet Entwerfen und Raumgestaltung & Dezernat V, Baumanagement und Technischer Betrieb, Referat Grundsatzfragen Bau, www.raum.architektur.tu-darmstadt.de, www.intern.tu-darmstadt.de/verwaltung/dez_v

Bauherrin Technische Univer­sität Darm­stadt, Dezernat V, Baumanagement und Technischer Betrieb
Fertigstellung 2024
Aus­zeich­nungen Anerkennung in der Preiskategorie Archi­tektur, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

Beurteilung der Jury

Die großen Heraus­forderungen unserer Zeit verlangen nach neuen Antworten – und nach Orten, an denen diese Antworten erprobt werden können. Reallabore schaf­fen genau diesen Raum: Sie verbinden Forschung und Praxis, Experiment und Anwendung. Das DELTA-Forum zeigt auf beispielhafte Weise, wie aus wissenschaftlicher Erkenntnis gebaute Wirklichkeit wird. Es demonstriert, dass technische Lösungen für Energieeffizienz, Res­sour­cen­schonung und die Flexibilisierung urbaner Quar­tie­re nicht nur theoretisch funktionieren, sondern wirtschaftlich und gesellschaftlich anwendbar werden können.

Gleichzeitig öffnet sich das Gebäude weit über den Hochschulbetrieb hinaus. Als modular nutzbarer Veranstaltungs- und Begegnungsort bietet es Raum für Vorträge und Workshops ebenso wie für Märkte, Filmabende oder Tauschbörsen. Forschung wird damit Teil des öffentlichen Lebens und die Energiewende zu einem gesell­schaft­lichen Projekt.

Diese Haltung prägt auch die architektonische Umsetzung. Mit großer Konsequenz werden Materialien eingesetzt, die im konventionellen Bauwesen bislang kaum Verwendung finden. Tragende Konst­ruk­tionen aus regio­nalem, durch Borkenkäfer geschädigtem Holz zeigen, welches Potenzial in bislang unterschätzten Res­sour­cen steckt. Ergänzt wird dies durch wiederverwendete Bauteile – von Montageblechen ehemaliger Photovoltaikanlagen über deformierte Sandwichelemente bis hin zu aussortierten Schaltafeln und textilen Bespannungen. Was andernorts als Abfall gilt, wird hier zum Bestandteil eines architektonischen Gesamtkonzepts.

Bemerkenswert ist dabei, dass nicht nur das Gebäude selbst zum Forschungsgegenstand wird, sondern auch sein Entstehungsprozess. Neue Konstruktionsprinzipien werden entwickelt, im Maßstab 1:1 getestet und gemeinsam mit den Ausführenden weiterentwickelt. Das DELTA-Forum versteht Planung als lernenden Prozess und macht deutlich, dass In­no­vation dort entsteht, wo Entwurf, Handwerk, Wissenschaft und Praxis zusammenarbeiten.

Archi­tektur und Innen­architektur müssen heute mehr leisten, als Räume zu schaf­fen. Sie müssen Wissen erzeugen, Res­sour­cen verantwortungsvoll einsetzen und gesellschaftliche Veränderungen er­mög­lichen. Das DELTA-Forum macht genau das und deshalb ist dieses Projekt als Reallabor ein würdiger Preisträger in der Kategorie Archi­tektur.

 

Prof. Carsten Wiewiorra, Präsident bdia, Innen­architekt, Architekt, Wiewiorra Studio / Jurymitglied