
dgj228 Wohngruppe Gemeinsam Suffizient Leben, Frankfurt am Main
| Objekt | dgj228 Wohngruppe, Friedberger Landstraße 34, 60316 Frankfurt am Main |
|---|---|
| Bauvorhaben | Neubau, Holzbau |
| Typologie | Wohnen |
| Architekten | DGJ Architektur GmbH, Frankfurt am Main, https://dgj.eu |
| Bauherrin | Wohnbaugenossenschaft in Frankfurt am Main eG, Frankfurt am Main |
| Fertigstellung | 2023 |
| Auszeichnungen | Anerkennung in der Preiskategorie Architektur, Auszeichnung Vorbildlicher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen |
Beurteilung der Jury
Die Anerkennung würdigt ein Projekt, dessen Qualität weniger im Spektakulären als in der Stringenz des Prozesses liegt. Auf einem engen städtischen Restgrundstück an einer stark befahrenen Straße, das im Konzeptverfahren vergeben wurde, entsteht ein mehrgeschossiger Wohnbau, der aus den Zwängen des Ortes eine überzeugende räumliche und soziale Haltung entwickelt.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich der Prozess während der Planung grundlegend veränderte, ohne dass die gemeinschaftliche Idee verloren ging. Eine Genossenschaft übernahm das Projekt von einer Baugruppe, die als ursprüngliche Bauherrin weiter beteiligt blieb. Aus bisherigen Eigentümer*innen wurden Mieter*innen, die dennoch weiterhin an der Entwicklung ihrer Wohnform mitwirken konnten. Gerade in dieser Kontinuität trotz Wechsel liegt eine Stärke, die für genossenschaftlich getragene Projekte beispielhaft ist.
Planerisch antwortet das Haus mit konsequenter Suffizienz auf die Frage nach bezahlbarem Wohnen. Die Wohnflächen sind auf ein Minimum reduziert, gemeinschaftlich genutzte Räume wie der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss oder das Jokerzimmer kompensieren diese Reduktion räumlich und sozial. So entsteht keine Verknappung, sondern eine neue Balance zwischen Privatheit und Gemeinschaft, zwischen Kostenbewusstsein und Lebensqualität.
Auch konstruktiv überzeugt das Projekt durch eine Haltung des Weiterdenkens. Der vorgefertigte Holzbau ist mit Holz-Holz-Verbindungen weitgehend reversibel geplant und ausgeführt. Grundrisse bleiben veränderbar und selbst die vorgehängte Fassade aus Industrieglaselementen folgt dem Gedanken der Demontierbarkeit. Damit entsteht ein Gebäude, das nicht auf starre Dauerhaftigkeit setzt, sondern auf Anpassungsfähigkeit über die Zeit.
Die Jury erkennt darin ein vorbildliches Projekt des gemeinschaftlichen Bauens im Wandel. Es zeigt, wie Bauherr*innen, Nutzer*innen und Planer*innen auch unter veränderten Rahmenbedingungen eine robuste, zukunftsfähige Wohnform entwickeln können, die soziale, ökologische und wirtschaftliche Ziele überzeugend zusammenführt.
Prof. Sebastian Kofink, Architekt, Buero Kofink Schels Architekten PartG mbB / Jurymitglied


