
Otto-Hahn-Schule - Revitalisierung eines Lernhauses, Nieder-Eschbach
| Objekt | Lernhaus Otto-Hahn-Schule, Urseler Weg 27, Nieder-Eschbach |
|---|---|
| Bauvorhaben | Bauen im Bestand, Sanierung |
| Typologie | Bildungsbau |
| Architekten | o5 Architekten BDA Raab Hafke Lang PartG mbB, Frankfurt am Main, www.o5-architekten.de |
| Bauherr | Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Amt für Bau und Immobilien |
| Fertigstellung | 2024 |
| Auszeichnungen | Staatspreis in der Preiskategorie Architektur, Auszeichnung Vorbildlicher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen |
Beurteilung der Jury
Das Lernhaus der Otto-Hahn-Schule überzeugt als vorbildlicher Beitrag zum Weiterbauen im Bestand. Nicht das Denkmalrecht, sondern die architektonische Qualität und die Haltung des Bauherrn gaben den Ausschlag, das Gebäude nicht abzureißen, sondern behutsam zu sanieren. Gerade bei diesem typischen Schulbau der 1970er-Jahre zeigt das Projekt, wie viel Zukunft in einem vermeintlich unspektakulären Bestand steckt, wenn man ihn mit Respekt, Maß und Sachverstand behandelt.
Der Bauherr hat den räumlichen und gestalterischen Wert der Schule erkannt und gemeinsam mit den Nutzer*innen und Planer*innen einen Prozess angestoßen, der auf Akzeptanz, Mitwirkung und Präzision beruht. Die Schule war bereits vorher als funktionierender Ort etabliert. Statt diese Qualitäten durch einen Ersatzneubau zu verlieren, werden sie nun weiterentwickelt und räumlich wie energetisch ertüchtigt.
Besonders überzeugend ist der differenzierte Umgang mit dem Bestand. Dort, wo Eingriffe notwendig sind, werden sie konsequent und wirksam gesetzt. Dort, wo prägende Elemente die Identität des Hauses tragen, bleiben sie bewusst erhalten. Die charakteristische Sichtbetonarchitektur in rauer Bretterschalungsoptik bleibt lesbar und wird nicht geglättet, sondern sorgfältig repariert und bewahrt.
Auch energetisch folgt das Projekt einer klugen Logik der Zonierung statt einer pauschalen Überformung. Nicht jeder Bereich wird gleichbehandelt. Vielmehr werden die Maßnahmen dort konzentriert, wo sie den größten Effekt für Nutzung, Klima und Zukunftsfähigkeit erzielen. Genau darin liegt die Stärke dieser Sanierung. Sie ist nachhaltig, weil sie den Bestand nicht als Hindernis, sondern als Ressource versteht.
Die Jury würdigt das Projekt als beispielhafte Haltung gegenüber einem nicht denkmalgeschützten Bestand. Es zeigt, dass wir heute die Denkmäler von morgen bauen beziehungsweise sanieren, indem wir vorhandene Qualität erkennen, bewahren und intelligent weiterentwickeln. Gerade im öffentlichen Bauen ist das gute Zusammenspiel von Bauherr*innen, Nutzer*innen und Planer*innen entscheidend, und genau diese Konstellation ist hier in überzeugender Weise gelungen.
Prof. Sebastian Kofink, Architekt, Buero Kofink Schels Architekten PartG mbB / Jurymitglied



