
Kindertagesstätte St. Pius, Fulda
| Objekt | Kindertagesstätte St. Pius, Dr.-Dietz-Straße 17 a, 36043 Fulda |
|---|---|
| Bauvorhaben | Neubau |
| Typologie | Bildungsbau |
| Architekten | Reith Wehner Storch Architekten BDA PartG mbB, Fulda, www.reith-wehner-storch.de |
| Bauherr | Magistrat der Stadt Fulda |
| Fertigstellung | 2023 |
| Auszeichnungen | Anerkennung in der Preiskategorie Architektur, Auszeichnung Vorbildlicher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen |
Beurteilung der Jury
Der Entwurf begegnet der Herausforderung eines heterogenen städtebaulichen Umfelds – geprägt von Wohnbebauung, dem gegenüberliegenden Klinikum und der prägenden Kirche – mit großer Souveränität. Auf dem ehemaligen Parkplatz von St. Pius entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Katholischen Kirchengemeinde St. Pius, der Stadt Fulda und dem Architekturbüro Reith Werner Stroh ein ambitionierter, zweigeschossiger Neubau für fünf Kitagruppen. Das Gebäude fügt sich selbstbewusst in sein Umfeld ein und schafft zugleich einen eigenständigen Ort für Bildung, Begegnung und gemeinschaftliches Leben.
Die polygonal gefaltete, zweifach geknickte Kubatur erzeugt eine spannungsvolle Dynamik. Sie nimmt direkten Bezug auf die Geometrie der Kirche, respektiert deren städtebauliche Dominanz und setzt dennoch einen selbstbewussten baukulturellen Akzent.
Geschickt nutzt der Entwurf das Motiv der Mauer: Sie fungiert als schützende Einfriedung zur westlichen Straße und geht fließend in die Hausfassade über. Die Setzung des Gebäudevolumens zoniert das Areal in unterschiedliche Bereiche. Im Norden bildet ein öffentlicher Hof das gemeinsame Entree für die Kita und das Gemeindezentrum St. Pius. Auf der Südseite entsteht ein geschützter, ruhiger Freibereich für die Kinder.
Die Materialkomposition aus hellem Klinker und Holz im Innen- und Außenbereich strahlt Wärme und Helligkeit aus. Ein Spielhügel, der zum Herumtollen einlädt, verzahnt die Architektur fließend mit der Landschaft. Gestalterisch klug gesetzte Fensteröffnungen erzeugen angenehm belichtete Innenräume. Das Innere überzeugt durch ein offenes Foyer, Spiellandschaften sowie attraktive Sport- und Mehrzweckflächen. Dank nichttragender Innenwände bleibt das Gebäude für zukünftige Nutzungsanpassungen flexibel.
Die Entscheidung für einen Massivbau aus Stahlbeton und Mauerwerk mit Klinkerfassade wurde von der Jury insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte differenziert und durchaus kontrovers diskutiert.
Insgesamt werden in der Kita über 100 Kinder in der Altersgruppe von einem Jahr bis sechs Jahren (U3 und Ü3) betreut. Der Anspruch, den Raum an das Kind anzupassen und nicht umgekehrt, wird sowohl im Innen- als auch im Außenraum konsequent spürbar.
Das Projekt überzeugt durch seine städtebauliche Setzung und Einbindung in Topografie und Landschaft. Die Jury honoriert das Projekt als gelungenes Beispiel für eine qualitätvolle Nachverdichtung mit einer Anerkennung.
Elmar Damm, Abteilungsleiter, Hessisches Ministerium der Finanzen / Jurymitglied



