Sandra Hauer/Vorbildliche Bauten 2011

Ressource Bestand weiterentwickeln: für eine neue Umbaukultur!

Die Altbausubstanz beträgt ca. 90 Prozent des gesamten Gebäudebestands. Daher ist in Anbetracht der gegenwärtigen Heraus­forderungen die Haltung aller beteiligten Akteure im Umgang mit dem Gebäudebestand, zwischen Erhalt, Abriss, Sanierung und Weiter­entwicklung, entscheidend – Bestand braucht Haltung.

Heraus­forderungen für das Bauen im Bestand

Gesellschaftliche Veränderungen

Der prosperierenden Entwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain seht die Bevölkerungsabnahme vor allem in den ländlichen Regionen Nord- und Mittelhessens gegenüber. In der Metropolregion sind Wohnraum und Bauflächen knapp, Infrastrukturen kommen an ihre Kapazitätsgrenzen. In den übrigen Landesteilen werden trotz schwindender Bevölkerung an den Orträndern neue Wohn und Gewerbegebiete ausgewiesen, die Ortskerne fallen dagegen brach.

Gleichzeitig gilt es den Gebäudebestand an Veränderungen und Tendenzen in der Bevölkerungsentwicklung vorzubereiten, um Allen eine Teilhabe am öffentlichen und kulturellen Leben zu ermöglichen.

AKH/Quandel Staudt
Bevölkerungsentwickulng Prognose für das Jahr 2030 (Stand 2014) Wahlprüfsteine – Architekten- und Stadplanerkammer Hessen zur Landtagswahl Hessen 2018

Etwa drei Prozent des Gebäudebestandes steht unter Denkmalschutz. Die mit ca. 30 Prozent aller Bauten volumenreichsten Bauepoche der 1960er / 70er Jahre sind denkmalpflegerisch jedoch noch kaum erfasst. Es mangelt jedoch an dem für die Inventarisierung erforderlichen Personalbestand. Es droht der Verlust wertvoller Bausubstanz.

Gleichzeitig bedarf es zukunftsfähiger Nutzungskonzepte, um Leerstand zu vermeiden und eine wirtschaftliche Grundlage für den Erhalt und die Pflege des Gebäudes zu schaffen. In ländliche Gemeinden fällt dies schwerer als in Städten.

Bedrohte Denkmale auf dem Land Stadt-Land-Vergleich am Beispiel Sachsen Grafik: Bundesstiftung Baukultur, Design: Heimann + Schwantes Datenquelle: Leipziger Denkmalstiftung 2016

Der Klimawandel ist in Hessen angekommen. Seit der Mitte des letzten Jahrtausends steigen die Temperaturen kontinuierlich an. Extremwetterereignisse, wie Starkregen und Stürme, nehmen in Häufigkeit und Stärke zu. Die Städte und Gemeinden müssen an diese sich ändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden.

Darüber hinaus gilt es das Fortschreiten des Klimawandels zu begrenzen. Hierfür muss eine energetische Ertüchtigung der bestehenden Bauten erfolgen und mit einer nachhaltigen Planung für einen Schutz von Ressourcen und Flächen gesorgt werden. Die Bestandgebäude sorgen für ca. 35 Prozent des gesamten Energieverbauchs und sind daher eine wichtiger Hebel zu Erreichen der Klimaschutzziele.

Mittlere Lufttemperatur in Hessen - Farbskala von 6.68°C in 1940 (dunkelblau) bis 10.52°C in 2018 (dunkelrot). Darstellung: Fraunhofer ISW Datenquelle: Deutscher Wetterdienst DWD, Climate Data Center (CDC)

Kultur ermöglicht und fördert wirtschaftliche, soziale und ökologische Nachhaltigkeit. Sie formt unsere Identität und bestimmt, was wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Sie muss daher im Zentrum politischer Entwicklungsstrategien stehen, und ihr Beitrag für das Gemeinwohl muss hervorgehoben werden. Es gibt keine demokratische, friedliche und nachhaltige Entwicklung ohne Kultur.

Artikel 1, Deklaration von Davos zur Baukultur, 2018

Die AKH plädiert für ...

  • eine dreifache Innentwicklung von Städten, die Nachverdichtung mit der Sicherung und Qualifizierung von Freiräumen sowie der Entwicklung intelligenter Mobilitätskonzepte verknüpft.
  • eine Innen- vor Außenentwicklung von schürfenden Gemeinden, um Ortskerne zu stärken und zu vitalisieren.
  • eine Umbaukultur zu etablieren, die bestehende Qualitäten erkennt und wertschätzt und so die Weiter­entwicklung des Bestandes ermöglicht.
  • die Bereitstellung geeigneter Förderinstrumente, um baukulturelles Erbe zu erhalten und zu pflegen.
  • Ressourcenschutz durch die Einbeziehung der grauen Energie in die energetische Gebäudebewertung (Ökobilanzierung).
  • mehr energetische Ertüchtigung von Bestandsgebäuden, zum Schutz unseres Klimas und für mehr Wohnkomfort.
Best Practice

Eine Aufgabe für den gesamten Berufstand

Das Bauen im Bestand ist eine Querschnittsaufgabe über alle Berufssparten – Innen­architekt*innen, Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschafts­architekt*innen.

Publikationen zum Thema Bauen im Bestand

Vorbildliche Bauten im Bestand – Prämierte Beispiele aus Hessen
Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen / Martin Sommer (Hrsg.)
Junius: Hamburg 2007Zum Inhalt

Mehr als nur parken – Parkhäuser weiterdenken
Akademie der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen in Kooperation mit Deutsches Architektur Museum, Quantum AG und Unternehmensgruppe NH (Hrsg.)
Jovis: Berlin 2014

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