AKH/Christoph Rau

RÄUMLICHE REFLEXION I REFLEXIVE RÄUME

Anlässlich des Jubiläums „50 Jahre AKH" und der Zukunfts­werk­statt 2040 veranstaltete die AKH am 19. Januar 2019 ein inter­nationales Symposium im RheinMainCongressCenter in Wiesbaden. Vor einem ausgebuchten Festsaal mit über 400 Gästen sprachen inter­nationale Experten*innen zu Fragen und Themen einer zukünftigen Landes­ent­wicklung sowie über die Chancen des Berufsstandes.

Die Ergebnisse der Zukunfts­werk­statt  „Wie wollen wir 2040 in Hessen leben?" und die Ausstellung „Stadt Land Zukunft Hessen 2040" bildeten den Ausgangspunkt und das Hintergrundbild für das inter­nationale Symposium. In dem skizzierten Hessenporträt wurde der vom Gegensatz geprägte Befindlichkeitszustand des Landes in den Blickpunkt genommen. Das Symposium gliedert sich in drei Diskussionsforen. Ihre Themen orientierten sich an den vielseitigen Zukunftsfeldern, welche im Hessenportrait beziehungsweise in der Zukunfts­werk­statt analysiert worden sind. Die Foren sollten im Gegensatz zum lokalfokussierten Hessenportrait die Themenfelder in einem übergeordneten Diskurs  mit­ein­ander verhandeln.

Forum 01 Netzwerk und Region

Die Begriffe Heimat, Identität und Region genießen zurzeit einen hohen Grad an Aufmerksamkeit und Beliebtheit. Kann die sogenannte "Landlust" dem demografischen Wandel und Schrumpfungsprozess entgegenwirken? Wird „die" Region zur neuen bezugsgröße? geben die neuen bündnisse einer netzwerkgesellschaft Auskunft über mögliche po­li­ti­sche wie räumliche ordnungen? Welche Chancen bietet die Digitalisierung?

  • Europa der Regionen oder Europa der Metropolen?: Julien Deroin, European Democracy Lab, Berlin
  • A tale of two countrysides: Stephan Petermann, OMA, Rotterdam
  • Smart Rural Areas und Digitale Dörfer: Gerald Swarat, Fraunhofer Institut IESE, Berlin
  • Region, Bau­kultur und Identität: Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin BAK, Berlin
  • Region als Handlungsraum: Rainer Danielzyk, Akademie für Raumforschung und Landes­planung, Hannover
AKH/Christoph Rau

Für eine Aufwertung der regionalen Ebene in den Mitgliedstaaten und der EU sprechen u.a. wirtschaftliche und demokratietheoretische Gründe. Das „Europa der Regionen" stellt somit einen Versuch dar, die Vorzüge kleinerer po­li­ti­scher Einheiten mit der Stärke großer po­li­ti­scher Gebilde zu vereinen.

Julien Deroin, European Democracy Lab, Berlin

Stadt und Land sind vom Dualismus stark geprägt. Wir wissen sehr wenig über die Landschaft im Vergleich zur Stadtforschung... obwohl die Welt nur aus zwei Prozent Stadt und 98 Prozent Landschaft besteht. Deshalb ist es erstaunlich, dass man nicht mehr über die Landschaft nachdenkt und versucht bessere Visionen zu realiseren, u.a. wegen dem Klimawandel, welcher sich gravierend für die Landschaft auswirken wird.

Stephan Petermann, Office for Metropolitan Architecture OMA, Rotterdam

Es gilt die Frage zu beantworten: Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit Jung und Alt auch außerhalb der Großstädte glücklich leben und arbeiten können? Gerade hier ist die anwednungsorientierte Forschung gefragt, technische Lösungen, soziale In­no­vationen und innovative Szenarien aufzuzeigen und gemeinsam mit dem Menschen vor Ort zu entwickeln. Nur so können wir sicherstellen, dass auch im Zeitalter der Digitalisierung die BRD ein heterogenes und resilientes Land bleibt, das sowohl wirtschaftlich als auch kulturell von Stadt und Land lebt.

Gerald Swarat, Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, Berlin

Aber die Idee der autochthonen Baustile ist nicht völlig vergessen... Mir scheint es daher wichtig, dieses Interesse an lokalen und regionalen Besonderheiten für die Planung von Gebäuden, von Stadtquartieren, von Straßenräumen, von Infrastruktur und den sich um dieses Interesse herum gebildeten Vernetzungen ernst zu nehmen und es zugleich zur Grundlage für alle Strategien, die Zentren zu entlasten und das Umland zu förden, zu machen.

Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundes­architekten­kammer, Berlin

Städte und Ländliche Räume sind gerade in strategischer Hinsicht, zusammenzudenken. Ein Stadt-Land-Gegensatz wird gerne aus po­li­ti­schen/lobbyistischen und medialen Gründen konstruiert, ist aber nicht sachgerecht... Eine Weiter­entwicklung der planerischen Instrumentarien durch Verknüpfung von Raum­ordnung und Raumentwicklung sowie Diskussion von Szenarien/Visionen für die Regionen sind dringend geboten!

Rainer Danielzyk, Akademie für Raumforschung und Landes­planung, Hannover

Forum 02 Boden und Spekulation

In den wachsenden Metropolregionen verschwimmen die Übergänge von Stadt und Land. Vielfach entstehen zersiedelte Zwischenräume. bieten diese "Unorte" Raum für eine positiv besetzte Spekulation? Welche räumlichen und ökonomischen Eigenschaften können sie entfalten? befindet sich der traditionelle Stadt-Land-Gegensatz in Auflösung? Wie sind Wachstumsdrang und die Begrenztheit der Ressource Boden in einklang zu bringen?

  • Landscape as Urbanism: Charles Waldheim, Harvard Graduate School of Design, Cambridge/Mass.
  • Strategic growth and new communities: Katy Lock, Town and Country Planning Association, London
  • Wiener Modell: Gabu Heindl, GABU Heindl Architektur I Städtebau, Wien
  • Großbaustellen der Bodenpolitik: Franziska Eichstädt-Bohlig, MdB a.D. BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
AKH/Christoph Rau

Agrarian, Logistical, and Ecological Models for Urban Form proposes a general theory for thinking the city through the medium of landscape... In this context, landscape practices accelerated ecological thinking across the urban arts, and landscape urbanism emerged to occupy a void created by urban planning's shift away from design culture in favoiur of social science, as urban design committed to neotraditional models of town planning.

Charles Waldheim, Harvard Graduate School of Design, Cambridge/Mass.

Well-planned new communities provide an opportunity to create high-quality sustainable places, allowing for the highest sustainability standards, economies of scale, and better use of infrastructure, preventing the 'urban sprawl' of existing places. Poorly planned and delivered, new communities can result in high car usage and 'dormitory' suburbs... But today, new communities, which draw from the social justice and place-making principles of the Garden City movement, updated for the C21st, combined with the effective delivery mechanisms of the post-war New Towns, provide an important part of a portfolio of solutions to address Britain's housing crisis.

Katy Lock, Town and Country Planning Association, London

In Wien wird wieder sehr viel privater Wohnbau realisiert, zum Teil in einem Dichteverhältnis wie zur Gründerzeit des 19. Jahrhunderts. Es gibt diverse Studien, die den Umfang von privat finanziertem Wohnbau in keinem Verhältnis mehr zur dafür notwendigen öffentlichen Infrastruktur, zum nötigen Grünraum, etc. sehen. Das sind Kämpfe und Konflikte um Stadtraum, die längst nicht ausgetragen sind.

Gabu Heindl, GABU Heindl Architektur I Städtebau, Wien

Die globalen Finanzmärkte sind die Taktgeber der Immobilienspekulationen in den deutschen Großstädten geworden und treiben Mieten und Wohnkosten in unerträgliche Höhen. Darauf darf die Politik nicht nur mit „BauenBauenBauen" reagieren. Dringend notwendig ist grundlegendes Umdenken in der Wohnungs-, Mieten- und Bodenpolitik.

Franziska Eichstädt-Bohlig, MdB a.D., BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

Forum 03 Natur und Ökonomie

Die Ressource Natur ist Begehrlichkeiten ausgesetzt. Energiewende, Tourismus, Gesundheitsindustrie und Roh­stoffausschöpfung stellen Ansprüche. Wie kann Natur erlebbar bleiben? Kann Natur sich selbst überlassen werden oder können neue Technologien helfen, neuartige „Öko-Systeme" zu erschließen? Wer gestaltet neue grüne Infrastrukturen?

  • Landschaft erleben: Knut Wold, Künstler und Kurator, Stange
  • Wilde Landschaft: Günther vogt, Vogt Landschafts­architekten, Zürich
  • terra0: prototyping a decentralized eco-commons: Max Hampshire, BlockLab, Rotterdam
  • Waldbewirtschaft als Wirtschaftszweig: Knut Sturm, Naturwald Akademie Lübeck
AKH/Christoph Rau

Sie kennen wahrscheinlich Peter Zumthor und seine Arbeiten... Für ihn ist auch die Proportion der Landschaft wichtig. Erstaunlicherweise hat er gesagt, dass er in Norwegen für unser Projekt der Nationalen Touristenwege mit ganz anderen Proportionen arbeiten muss als vergleichsweise in der Schweiz... es war für ihn ganz klar, das die Proportionen der Bauten hier ganz anders sein müssten.

Knut Wold, Künstler und Kurator, Stange

Die urbane Konzentration umfasst einen weiteren Aspekt, der in der Diskussion oft außer Acht gelassen wird: die Landschaft. Einerseits werden immer mehr Nutzungen im großen Maßstab, wie zum Beispiel die Produktion von Energie, der Anbau von Lebensmitteln oder die Ausübung von Freizeitaktivitäten in die Landschaft ausgelagert. Andererseits führt der "Rückzug" des Menschen aus bewohnten oder bebauten Gebieten zur Verbrachung... Im Zuge dieser Entwicklungen entstehen neue Landschaften, die den bekannten Maßstab in der Architektur, dem Städtebau und der Land­schafts­architektur zu sprengen und aufzulösen beginnen.

Günther Vogt, Vogt Landschafts­architekten, Zürich

Sustainable and resilient ecosystems are fundamental to a healthy global ecosystem and therefore important actors in the fight against climate change. The diversity of ecosystems as a contributor to climate protection and nature preservation makes it difficult to quantify these impacts. We believe that technologies like DAO's, tokens, and remote sensing give us the opportunity to rethink existing and ineffective governance and regulatory structures. Further to this, these technologies will play a crucial role in creating a sustainable, resilient, and biodiverse future.

Max Hampshire, Blocklab, Rotterdam

Die Waldbewirtschaftung als Wirtschaftszweig hat in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr an Einfluss in unserer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft verloren, obwohl gleichzeitig die Anforderungen an den „Wald" aufseiten der nicht wirtschaftlich motivierten Funktionen verstärkt wurden.

Knut Sturm, Naturwald Akademie Lübeck