Aus­zeich­nung

SCHIRN x Dondorf-Druckerei, Frank­furt am Main

Objekt SCHIRN x Dondorf-Druckerei, Gabriel-Rieser-Weg 3, 60487 Frank­furt am Main
Bauvorhaben Bauen im Bestand, Sanierung
Typologie Kulturbau
Architekten

Bjoern Schmidt Archi­tektur, Frank­furt am Main & raumlabor Bader Gerstenberg Hofmann GbR, Berlin, www.bjdt.de, www.raumlabor.net

Bauherrin Schirn Kunsthalle Frank­furt, Frank­furt am Main
Fertigstellung 2025
Aus­zeich­nungen Staats­preis in der Preiskategorie Innen­architektur, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

Beurteilung der Jury

Die Trans­formation der ehemaligen Druckerei Dondorf beginnt lange vor dem eigentlichen Entwurf. Dass dieses bedeutende Zeugnis der Bockenheimer Industriekultur heute überhaupt noch existiert, ist dem Engagement einer Bürgerinitiative zu verdanken, die sich erfolgreich gegen den Abriss eingesetzt hat. Diese Haltung des Bewahrens setzt das Projekt konsequent fort: Der Bestand wird nicht als Last, sondern als Chance verstanden und mit großer gestalterischer Sensibilität zu einem offenen Ort für Kunst, Kultur und Begegnung weiterentwickelt.
Der Umgang mit der historischen Substanz ist dabei bemerkenswert zurückhaltend. Rückbauten erfolgen nur dort, wo sie unvermeidbar sind. Wo immer möglich, bleiben Bauteile erhalten, werden sie weiterverwendet oder neu interpretiert. Stahlträger, gusseiserne Stützen und Mauerwerksverbände werden freigelegt und farblich inszeniert. Abbruchziegel, Türen und weitere Materialien finden an anderer Stelle neue Verwendung. Nachhaltigkeit ist hier kein Zusatz, sondern Grundlage des Entwurfs.
Besonders überzeugend ist die Gestaltung im Inneren. Das Farbkonzept bildet eine neue Schicht über dem Vorhandenen, ohne dessen Geschichte zu überdecken. Die farbig gefassten Stahlbauteile setzen sich in der flexiblen Möblierung fort und schaf­fen einen selbstverständlichen Dialog zwischen Bestand und zeit­ge­nös­sischer Gestaltung. Auch die vollständig erneuerte Gebäudetechnik fügt sich wie selbstverständlich in das historische Gefüge ein, ohne dessen Charakter zu überformen.
Die historischen Fassaden bleiben nahezu unverändert. Nur notwendige Ergänzungen wie Aufzug, Rampen oder Vordächer machen die neue Nutzung sichtbar. Großzügige Schwellenräume verbinden Innen und Außen und öffnen das Haus zum Stadtraum.
Besonders beeindruckend ist, dass hier nicht nur ein Gebäude erhalten wurde, sondern ein Ort mit Identität. Selbst die Graffiti des Widerstands gegen den Abriss bleiben als sichtbare Zeitschicht bestehen. Gemeinsam mit den neuen Nutzungen entsteht ein lebendiger Treffpunkt für Kunst, Kultur und gesell­schaft­lichen Austausch.
Dieses Projekt zeigt beispielhaft, dass Innen­architektur Geschichte bewahren, Bestehendes weiter­entwickeln und Räume schaf­fen kann, die Identität stiften und gesellschaftliches Leben er­mög­lichen. Gerade diese Verbindung aus Respekt vor dem Bestand, gestalterischer Präzision und kultureller Ver­ant­wor­tung macht diese Trans­formation zu einer herausragenden Leistung.


Prof. Carsten Wiewiorra, Präsident bdia, Innen­architekt, Architekt, Wiewiorra Studio / Jurymitglied