Anerkennung

Agentur des städtischen Wandels, Frank­furt am Main

Objekt Agentur des städtischen Wandels, Braubachstraße 7, 60311 Frank­furt am Main
Bauvorhaben Bauen im Bestand, Temporär
Typologie Kulturbau
Architekten

HGP Architekten Leben Kilian PartG mbB, Frank­furt am Main, www.hgp-architekten.de

Bauherrin Stadt Frank­furt am Main, Stadt­planungsamt
Fertigstellung 2023
Aus­zeich­nungen Anerkennung in der Preiskategorie Quar­tiersplanung und Stadtentwicklung, Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

Beurteilung der Jury

Die Agentur des städtischen Wandels (AdsW) in Frank­furt ist ein multikodierter, urbaner Ort im Zentrum von Frank­furt, an dem „Stadt” nicht nur geplant, sondern gemeinsam gedacht, erprobt und gestaltet wird. Hier entstand ein öffentliches Labor und eine Ideenschmiede für die Zukunft der Frank­furter Innenstadt. Als zentraler Treffpunkt können Bürger, Verwaltung und Initiativen hier gemeinsam Stadtentwicklungsprojekte planen, sich austauschen und Ideen für den Stadtraum entwickeln.
Die Agentur des städtischen Wandels ist ein Dritter Ort im besten Sinne: ein konsumfreier, offener Treffpunkt zwischen Arbeit, Verwaltung und privatem Leben. Gleichzeitig ist sie ein Möglichkeitsort, der unterschiedliche Akteur*innen zusammenführt und vielfältige Nutzungen zulässt. Diese Offenheit der Nutzung und seine Multikodierung machen den Raum lebendig: Ausstellung, Werkstatt, Reallabor, Co-Working, Nachbarschaftstreff, Diskussionsforum oder Planungswerkstatt – all diese Funktionen existieren hier nebeneinander, ohne sich gegenseitig auszuschließen. 
Aus einem ehemaligen Geschäft für Autobedarf ist ein Raum entstanden, der sich bewusst einer eindeutigen Festlegung entzieht. Gerade darin liegt seine besondere Qualität. Als Zwischennutzungsprojekt nutzt das Stadt­planungsamt Frank­furt die Räume als hybride Plattform zwischen Verwaltung, Stadtgesellschaft und lokalen Akteur*innen. Zwischennutzungsprojekte machen in der Regel das „Unfertige” zum Programm und verstehen es als Potenzial – als Einladung zur Beteiligung, zum Experiment und zur ge­meinsamen Ent­wick­lung.
Bemerkenswert ist dabei die Haltung, die diesem Projekt zugrunde liegt. Im Mittelpunkt steht nicht das fertige Ergebnis, sondern der Prozess. Stadt­planung wird hier gelebt und als kontinuierlicher, gemeinschaftlicher Aushandlungsprozess verstanden. Die Archi­tektur mit den minimalen Interventionen schafft die räumlichen Voraussetzungen dafür, dass neue Ideen entstehen, ausprobiert und weiterentwickelt werden können. Sie wird zum Brutkasten des Dialogs und der Trans­formation.
Die Jury würdigt deshalb nicht nur eine gelungene räumliche Trans­formation, sondern vor allem eine neue Kultur des Planens im Bestand. Die Agentur des städtischen Wandels versteht den Wandel nicht als Ausnahmezustand, sondern als dauerhafte Qualität urbanen Lebens. Sie macht den Prozess selbst sichtbar und öffnet ihn für die Stadtgesellschaft. Mit ihrer Offenheit, ihrer Experimentierfreude und ihrem Vertrauen in die Kraft gemeinsamer Gestaltung ist die Agentur des städtischen Wandels weit mehr als eine gelungene Zwischennutzung. Sie ist ein Modell für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung – ein Ort der Möglichkeiten, an dem Archi­tektur, Verwaltung und Zivilgesellschaft gemeinsam Zukunft entwerfen. Genau dafür verdient dieses Projekt die Anerkennung zum Hessischen Staats­preis für Archi­tektur und Städtebau 2026.


Roland Krebs, Stadt­planer, superwien architecture urbanism ZT gmbh / Jurymitglied