
Kunstraum Kassel
| Objekt | Kunstraum Kassel, Menzelstraße 13, 34121 Kassel |
|---|---|
| Bauvorhaben | Neubau, Holzbau |
| Typologie | Hochschulbau, Kulturbau |
| Architekten | Innauer Matt Architekten ZT GmbH, Bezau, www.innauer-matt.com |
| Bauherrin | Universität Kassel, Abteilung V, Bau, Technik und Liegenschaften |
| Fertigstellung | 2022 |
| Auszeichnungen | Staatspreis in der Preiskategorie Architektur, Auszeichnung Vorbildlicher Bauten im Land Hessen 2026, verliehen vom Land Hessen und der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen |
Beurteilung der Jury
Eine rund 450 Quadratmeter große Ausstellungshalle in einen unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex einzufügen, ist eine Aufgabe, die hohe Sensibilität erfordert. Die Herausforderung wird umso anspruchsvoller, wenn es sich beim Bestand um den Gartenhof eines Einzeldenkmals der Nachkriegsmoderne handelt, einer Kunsthochschule zudem, die der Architekt Paul Friedrich Posenenske in den 1960er-Jahren am Rand der Kasseler Südstadt transparent und klar in die Fuldaaue einwebte, als offenes Stahltragwerk mit Sichtbetonausfachungen und großflächigen Verglasungen. Mit Laubengängen, die Einblicke in die Ateliers zulassen und im ganzen Gebäude die Verbindung zur grünen Aue herstellen.
Der Kunstraum ist anders. Anders als die lichten Werkstätten dient er der Ausstellung der in den Ateliers entstandenen Kunstwerke. Seine Fassade ist überwiegend geschlossen. Die vom Tragwerk sichtbar klar gegliederte Gebäudestruktur nimmt Bezug auf den denkmalgeschützten Bestand. Grafisch angeordnete Glaskugeln im oberen Fassadenbereich lassen Tageslicht diffus eindringen, ohne stark vom Inneren und von den Exponaten abzulenken.
Gegenüber dem in die Jahre gekommenen Posenenske‘schen Hochschulbau wirkt der Kunstraum perfekt, hochwertig und sauber detailliert. Er erfüllt mit seinen im Inneren hellen, holzsichtigen und zu Ausstellungszwecken verschieblichen Wänden, einer Konstruktion aus nachwachsenden Baustoffen, alle Anforderungen an Nutzung und zeitgemäßes Bauen.
Fügt sich der außen schwarz lasierte Holzbau in Klarheit, Proportion und Farbgebung ins Bestandsensemble der den Hof umschließenden Gebäude, bildet seine aufgeräumte Perfektion im Innern einen starken Kontrast zum Altbau, dem das Morbide, die Gebrauchsspuren aus vielen Jahren Kunststudium nichts anzuhaben scheinen. Im Gegenteil, ihm steht das verrucht daherkommend Abgefuckte nicht nur gut, er vermag auch mit jedem zusätzlichen Farbklecks seine Nutzung als Ateliers für Kreative anzuregen.
Ob der Neubau gut altern kann, ob seine feinen Oberflächen Gebrauchsspuren (wie zum Beispiel Nagellöcher der Ausstellungen) verzeihen werden, wird sich zeigen. Vielleicht wirkt der Neubau trotz holzsichtig angenehmer Oberflächen im direkten Nebeneinander mit dem Bestehenden eine Nuance zu perfekt, eine Spur zu steril – das aber wäre sein einziger Makel.
Gerhard Greiner, Präsident der AKH / Jurymitglied



