
Architekturkooperative ARKO in Wiesbaden gegründet
Neue berufsständische Genossenschaft soll digitale Selbstbestimmung von Architekt*innen und Ingenieur*innen stärken
Wiesbaden, 24. Juni 2026. Mit ihrer Gründungsveranstaltung in Wiesbaden hat die Architekturkooperative ARKO heute den entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Genossenschaft vollzogen. Mit der ARKO wollen Architekt*innen und Ingenieur*innen gemeinsam Antworten auf die wachsenden digitalen Anforderungen im Planen und Bauen geben. Ziel der Genossenschaft ist es, eine unabhängige, berufsständisch getragene und treuhänderische Dateninfrastruktur aufzubauen, die Urheberrechte und Datensouveränität der Planenden schützt und zugleich gemeinsame Standards für digitales Planen und Bauen ermöglicht.
Im Rahmen der Gründungsversammlung in der Wiesbadener Casino-Gesellschaft beschlossen die Gründungsmitglieder die Satzung und erklärten ihren Beitritt zur Genossenschaft. Insgesamt traten 84 Gründungsmitglieder der ARKO bei, zusammen mit dreizehn investierenden Mitgliedern.
In der ersten Generalversammlung wurde der Aufsichtsrat gewählt. Ihm gehören an:
- Fabian P. Dahinten, Architekt und Partner bei Lengfeld & Wilisch Architekten
- Thomas Eckert, Architekt und Stadtplaner, Mitglied der Vertreterversammlung der Bayerischen Architektenkammer
- Eva Holdenried, Innenarchitektin und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Rheinland-Pfalz
- Dr. Martin Kraushaar, Hauptgeschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
- Carsten Nielsen, Architekt und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern
- Manfred Sautter, Architekt und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Baden-Württemberg
- Christoph Schild, Architekt und Vizepräsident der Architektenkammer Niedersachsen
- Magdalena Schwalke, Architektin und Mitglied der BIM-Allianz e.V.
In seiner konstituierenden Sitzung wählte der Aufsichtsrat Dr. Martin Kraushaar zum Vorsitzenden, Eva Holdenried und Carsten Nielsen sind die stellvertretenden Vorsitzenden. Manfred Sautter wurde zum Schriftführer gewählt.
Holger Zimmer, Vizepräsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, betonte den gemeinschaftlichen Charakter des Vorhabens: „Mit der ARKO setzen wir auf das genossenschaftliche Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Wir wollen die DATEV der Baukultur werden – und dies beginnt genau hier und heute.“
„Die ARKO soll die digitale Selbstbestimmung des Berufsstands sichern und durch transparente, standardisierte Datenstrukturen die Qualität des digitalen Planens und Bauens stärken“, sagte Dr. Martin Kraushaar, Hauptgeschäftsführer der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und neugewählter Aufsichtsratsvorsitzender der ARKO. „Gerade kleine und mittlere Büros stehen unter erheblichem Druck: Daten entstehen dezentral, Standards fehlen, rechtliche Anforderungen steigen und proprietäre Plattformen können zu Abhängigkeiten und Kontrollverlust führen.“
Die ARKO versteht sich als Antwort auf diese fragmentierte Datenlandschaft. Sie soll die Planenden in die Lage versetzen, ihre digitale Zukunft selbst zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Datenstandards, die Pflege hochwertiger Bauwerksdatensätze, Datengüte, Datenkuratierungskompetenz sowie digitale Schnittstellen im Geschäfts- und Behördenverkehr. Die Genossenschaft verfolgt dabei nicht in erster Linie gewerbliche oder datenwirtschaftliche Interessen, sondern richtet ihre Arbeit an den Bedürfnissen der Berufsstände der Architekt*innen und Ingenieur*innen aus.
Die Gründung wurde von sechs Landesarchitektenkammern vorbereitet und von allen Kammern unterstützt. Vertreter*innen aller 16 Landesarchitektenkammern nahmen an der Veranstaltung teil. Auch die Bundesarchitektenkammer bringt sich aktiv in die weitere Entwicklung ein. Ihr Vizepräsident Stephan Weber wird sich für die Leitung des ARKO-Fachbeirats zur Verfügung stellen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gründungstags war die Frage, wie Urheberrechte, Datensouveränität und faire Verwertungssysteme im digitalen Zeitalter gesichert werden können. Dazu diskutierten die Teilnehmenden mit Axel Voss, Mitglied des Europäischen Parlaments, über Urheberrecht im digitalen Zeitalter mit Schwerpunkt künstliche Intelligenz. Axel Voss ist Berichterstatter eines bedeutenden Initiativantrags zum Reformbedarf des europäischen Urheber- und Lizenzrechts und tritt sehr engagiert für faire Geschäftspraktiken in der Kreativbranche, zu der die Architektenschaft zählt, ein.
Nach der Gründung beginnt nun der schrittweise Aufbau der ARKO. Bis zum ersten Quartalswechsel 2027 sollen die organisatorischen, technischen und fachlichen Grundlagen weiterentwickelt werden. Es ist geplant, die ARKO gemeinsam mit fachlichen und technischen Entwicklungspartnern so aufzustellen, dass sie künftig als treuhänderische Plattform für den Berufsstand wirken kann.
Pressekontakt:
Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen
Marion Mugrabi
Leiterin Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
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