
Naturnahe Parkanlagengestaltung auf der UNESCO-Welterbestätte
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Grünflächenamt) lobt einen nichtoffenen freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil gemäß den Richtlinien der RPW 2013 aus.
Gegenstand des Wettbewerbs
Seit Sommer 2021 befindet sich die „Mathildenhöhe Darmstadt“ auf der UNESCO-Welterbeliste. Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt beabsichtigt, für diese UNESCO-Welterbestätte die Freiflächen am Osthang neu zu gestalten. Die zu beplanende Fläche ist Teil der denkmalgeschützten Gesamtanlage Mathildenhöhe und gehört zum Teil zur UNESCO-Welterbestätte bzw. zu deren Pufferzone. Gestaltet werden soll ein zusammenhängender Freiraum in dem das Informationszentrum, der denkmalgeschützte Ateliergarten und die bewaldete Grünfläche in eine überzeugende Gesamtkonzeption eingebunden werden.
Die Mathildenhöhe wurde bereits im 19. Jahrhundert als Garten des großherzoglichen Hofes angelegt und nach Mathilde Karoline von Bayern, der Gemahlin Großherzogs Ludwig III., benannt. Großherzog Ernst Ludwig gründete 1899 die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe, die Darmstadt zu einem Mittelpunkt der europäischen Kunst-, Design- und Architekturentwicklungen machte. Geschaffen mit dem Ziel einer Reform, die Kunst und Leben zusammenführt, drückt sich im Wirken der Künstlerkolonie der Aufbruch in die Moderne durch eine experimentelle Architektur, eine neue Raumkunst und zukunftsweisendes Design aus.
In der Folge von vier Ausstellungen (1901, 1904, 1908 und 1914) entstanden auf der Mathildenhöhe eine Reihe progressiver Bauten mit Ausstattungen vom Mobiliar bis zum Geschirr, eingebettet in eine Parkanlage mit Skulpturen, Brunnen und Gartenpavillons. Die Ausstellungen zeigten experimentelle wie funktionale Architektur, innovativ möblierte Räume und eine zweckmäßige Freiraumgestaltung, die eine große Zahl von Besuchern begeisterte. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wirkten auf der Mathildenhöhe insgesamt 23 Künstler, darunter so namhafte Persönlichkeiten wie Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens, Albin Müller oder Hans Christiansen.
UNESCO-Welterbestätten sind Wahrzeichen und Gebiete, die aufgrund ihrer kulturellen, historischen oder wissenschaftlichen Bedeutung durch einen internationalen Vertrag der UNESCO geschützt sind. Seit 2021 gehört die „Mathildenhöhe Darmstadt“ zum UNESCO-Welterbe. Damit wurde ihr außergewöhnlicher universeller Wert (outstanding universal value - OUV) anerkannt. Sie gilt als Prototyp der Moderne und ist ein kompaktes und außergewöhnliches Zeugnis für die Entstehung der modernen Architektur, Stadtplanung und Freiraumgestaltung. Ihre epochale funktionale und ästhetische Qualität prägte den Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert mit den künstlerischen und sozialen Reformen dieser Zeit und verkörpert einen entscheidenden Schnittpunkt in der Entwicklung von Architektur und Design, Stadtplanung, Freiraumgestaltung und moderner Ausstellungskultur.
Im Februar 2026 ist das Preisgericht zusammengekommen, und hat drei Preise sowie zwei Anerkennungen verliehen:
- Ein 1. Preis (24.500 Euro): TDB LANDSCHAFT GmbH, Berlin
- Ein 1. Preis (24.500 Euro): capattistaubach urbane landschaften, Berlin
- 3. Preis (11.000 Euro): Planorama GmbH, Berlin
- Anerkennung (7.500 Euro): A24 LANDSCHAFT, Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin
- Anerkennung (7.500 Euro): GTL Landschaftsarchitektur Triebswetter Mauer Bruns Partner mbB, Kassel
Preisträger in der Übersicht
Ein 1. Preis

Anerkennung
A24 LANDSCHAFT Landschaftsarchitektur GmbHEin 1. Preis
capattistaubach urbane landschaftenAnerkennung
GTL Landschaftsarchitektur Triebswetter Mauer Bruns Partner mbB3. Preis

Ein 1. Preis
Die gezeigten Aufenthaltsangebote mit Holzlounges werden als am Bestand orientiert gesehen und positiv bewertet. Die zurückhaltende und eigenständige Formensprache schafft einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bereichen des Planungsgebietes und eine angemessene Integration in den Kontext des Welterbes. Insgesamt wird der Beitrag durch seine klare und angemessene Gestaltung sehr positiv und als passend zum Ort bewertet.
Auszug aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung zu einem 1. Preisträger
Ein 1. Preis
An der Bushaltestelle beginnt eine interessante, annähernd stufenfreie Raumabfolge von Ankunftsort zu Verbindungsort und schließlich zum Aufenthaltsort. Dieser greift den historischen Hof unterhalb des Ateliersgartens mit zeitgemäßen Mitteln auf und stellt eine selbstverständliche Verbindung zum Informationszentrum her. Das Müllerplateau bietet als Holzdeck einen attraktiven Aufenthaltsbereich mit minimaler Belastung der Wurzelbereiche.
Auszug aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung zu einem 1. Preisträger
3. Preis
Anerkennung
Anerkennung
Steckbrief
| Wettbewerbstitel | Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil Informationszentrum Mathildenhöhe, Wissenschaftsstadt Darmstadt |
|---|---|
| Auslober | Wissenschaftsstadt Darmstadt, Der Magistrat - Grünflächenamt, Hilpertstraße 31, Darmstadt Koordination: Darmstädter Stadtentwicklungs GmbH & Co. KG (DSE), Mina-Rees-Straße 10, Darmstadt |
| Wettbewerbsmanagement | THIELE³ ARCHITEKTEN UND INGENIEURE, Thomas Thiele, Dipl.-Ing., Freier Architekt, Langgässerweg 26a, Darmstadt |
| Teilnehmer | Landschaftsarchitekt*innen |
| Beteiligung | 13 Arbeiten |
| Fachpreisrichter | Prof. Dr. Constanze Petrow, Landschaftsarchitektin, Geisenheim (Vorsitz) Elke Berger, Landschaftsarchitektin, München Anke Bosch, Landschaftsarchitektin, Amtsleiterin Grünflächenamt, Wissenschaftsstadt Darmstadt Teresa Burmester, Landschaftsarchitektin, Frankfurt am Main Tobias Mann, Landschaftsarchitekt, Fulda Christina Schehle-Frey, Landschaftsarchitektin, Abteilungsleitung Planung und Neubau Grünflächenamt (Stellvertretung) Thomas Wirth, Landschaftsarchitekt, Kitzingen (Stellvertretung) |
| Sachpreisrichter | Hanno Benz, Oberbürgermeister, Wissenschaftsstadt Darmstadt Michael Kolmer, Stadtrat, Dezernat III, Wissenschaftsstadt Darmstadt Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Vorsitzender Welterbebeirat, Wiesbaden Prof. Mike Richter, Dekan FB Gestaltung, Hochschule Darmstadt Dr. Philipp Gutbrod, Kulturreferent, Direktor Institut Mathildenhöhe und Site Manager, Wissenschaftsstadt Darmstadt (Stellvertretung) Wenzel Bratner, Gartendenkmalpfleger, Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Stellvertretung) Annette Laute, Amtsleiterin Stadtplanungsamt, Wissenschaftsstadt Darmstadt (Stellvertretung) Olaf Köhler, Amtsleiter Untere Denkmalpflegebehörde, Wissenschaftsstadt Darmstadt (Stellvertretung) Sven Kling, Geschäftsführer DSE (Stellvertretung) Britt Baumann, Kulturamtsleiterin, Wissenschaftsstadt Darmstadt (Stellvertretung) |
| Sachverständige | Dr. Gerd Pichler, Welterbebeirat Prof. Dr. Werner Durth, Welterbebeirat Klaus Lingenauber, ICOMOS Frank Aulbach, Bezirkskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden Dr. Jennifer Verhoeven, Koordinatorin UNESCO-Welterbestätten, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden Barbara Henrich, Bauabteilung, Hochschule Darmstadt Stefan Marte, Marte.Marte Architekten, Architekt Informationszentrum Annette Hennemann, Abteilung Planung und Neubau, Grünflächenamt Caroline Dornhöffer, Abteilung Planung und Neubau, Grünflächenamt Michael Beutel, Abteilung Mobilität, Mobilitäts- und Tiefbauamt Anja Herdel, Geschäftsführerin Darmstadt Marketing GmbH Mareike Rüsseler, OHA e. V. Nikolaus Heiss, Freunde der Mathildenhöhe Katharina Bach, Site- und Projektmanagement Mathildenhöhe Darmstadt Celine Grieb, Site- und Projektmanagement Mathildenhöhe Darmstadt Georg Gemmel, Darmstädter Stadtentwicklungs GmbH & Co.KG (DSE) |


























