AKH/Christoph Rau

Grüne Nachkriegsmoderne: Treppenstraße Kassel

Die Ver­an­stal­tung widmet sich einer aktuell brisanten Thematik und einem bisher eher unbeachteten Aspekt in der Bauforschung – Über das Verschwinden des öffentlichen Raums und städtischen Grüns aus der Zeit der Nachkriegsmoderne.

Thema

Die Stadt Kassel zählt mit dem Stadtumbau zur „autoge­rech­ten Stadt“ und seinen baulichen Zeugnissen des Wiederaufbaus zu dem bundesweit einzigartigen baukulturellem Erbe der Fünfziger- und Sechzigerjahre, welches bis heute nahezu erhalten blieb. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Planung und Gestaltung der Treppenstraße ein, welche als „erste“ Fußgängerzone in der damals jungen Bundesrepublik bereits kurz nach Fertigstellung zur Bundesgartenschau 1955 inter­nationale Beachtung fand. Als wichtiges städtebauliches Gelenk verbindet sie, räumlich wie visuell, die Innenstadt mit der Parklandschaft der Karlsaue. Seit 1984 steht die „Sachgesamtheit“ Treppenstraße unter Denkmal­schutz.

Die Umlenkung von Verkehrs- und Konsumströmen, der Leerstand der Einzel­handelsgeschäfte, die Frage nach Mobilitätsgerechtigkeit oder neue Leitbilder der Stadt stellen eine große Heraus­forderung zum Erhalt dieses Fünfzigerjahre-Ensembles aus flankierender Stufenbebauung und kaskadenförmiger Freiraumskulptur mit grünen Ruheinseln dar.

An vielen Stellen der Stadt, wie der Oberen und Unteren Königsstraße, hat bereits die Umgestaltung des Stadtraums an heutige funktionale und ästhetische Bedürfnisse begonnen. Eine Überformung des Brüder-Grimm-Platzes könnte in nächster Zeit folgen.

Die Ver­an­stal­tung möchte nach Qualitäten, Eigenheiten und typischen Gestaltungselementen (Raumstruktur, Formensprache, Materialien, Ausstattung und Pflanzensorten) dieser öffentlichen Räume und Grünanlagen fragen, die Sensibilisierung und Wertschätzung dieses gartenkulturellen Erbes der Fünfziger- und Sechzigerjahre fördern sowie Kriterien zur Inventarisierung, Erforschung, zum Schutz und zum langfristigen Erhalt einer „Grünen Nachkriegsmoderne“ formulieren.

Eindrücke vor Ort

AKH/Christoph Rau
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Programm

Begrüßung  und Einführung

Peter Bitsch, Vize-Präsident, Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen

 

Einführung „Ungeliebte Moderne? Stiefkind Öffentlicher Raum und Städtisches Grün"

Heinz Wionski, Landeskonservator, Landesamt für Denkmal­pflege Hessen

 

Die Kasseler Treppenstraße – Leitbilder für eine städtebauliche Ikone 1944 bis 1954

Dr. Folckert Lüken-Isberner, Stadt- und Regionalplaner, Kassel

                                              

Grüne Nachkriegsmoderne in Kassel

Dr. Frank Lorberg, Fachgebiet Landschaftsbau, Landschaftsmanagement, Vegetationstechnik, Univer­sität Kassel

 

Spaziergangswissenschaft: Stadt anders sehen

Prof. Martin Schmitz, Lucius & Annemarie Burckhardt Professur, Kunsthochschule Kassel

 

Picknick  auf der Treppenstraße

 

Rundgänge auf der Treppenstraße (1948, 1951-57, Architekt: Werner Hasper, Grünkonzept: Oswald Sauer)

STATION 01: Gestaltung Scheidemannplatz „Eingang Treppenstraße“

Tobias Mann, Mann Land­schafts­architektur, Fulda

 

STATION 02: Denkmaltopografie „Gesamtanlage Treppenstraße“ (Ensemble Treppenstraße/Neue Fahrt; Zeitschichten Grünkonzept)

Marie Heinemann, Stadt­planung, Bauaufsicht und Denkmal­schutz, Stadt Kassel & Jasmin Sanchez Lux, Stadt­planung, Bauaufsicht und Denkmal­schutz, Stadt Kassel, (beratend in der Gruppe Christine Schneider, Botanischer Garten, Stadt Kassel)

                                              

STATION 03: Anschluss Treppenstraße und Neu­ge­staltung Untere/Obere Königsstraße

Anne Kirschbaum, Stadt­planung, Bauaufsicht und Denkmal­schutz, Stadt Kassel

 

Gestaltungs- und Sanierungsleitfaden „Die Modernen 50er“ am Beispiel der Eisenbahnstraße in Saarbrücken

Dr. Rena Wandel-Hoefer, Architekt­in, Baudezernentin a.D. Stadt Saarbrücken, Gestaltungs- und Denkmalbeirat Stadt Wies­ba­den

 

Gartendenkmalpflege am Beispiel Hansabücherei und Akademie der Künste im Hansaviertel Berlin

Fiona Laudamus, Landschafts­architektin, Büro HORTEC, Berlin

 

Diskussion: Bestand braucht Haltung zwischen erhaltenswerter Bausubstanz und einer Charta für Bau­kultur

Ann-Catherine Krauss, Raum­ordnung und Stadtentwicklung, IHK Kassel-Marburg, Kassel

Fiona Laudamus, Landschafts­architektin, Büro HORTEC, Berlin

Christof Nolda, Stadtbaurat, Bündnis 90/Die Grünen, Stadt Kassel

Dr. Rena Wandel-Hoefer, Architekt­in, Baudezernentin a.D. Stadt Saarbrücken, Gestaltungs- und Denkmalbeirat Stadt Wies­ba­den

Dr. Tobias Wolf, Städtebauliche Denkmal­pflege, LfD Hessen, Außenstelle Marburg

 

Moderation: Florian Dreher, Referent für Bau­kultur, Wirtschaft und Hochschulwesen, AKH

 

Ver­an­stal­tungsort

Jugendamt der Stadt Kassel (ehemals Elektrizitäts- und Aktiengesellschaft Mitteldeutschland, 1955, Architekten: Fleischmann und Seidel), Scheidemannplatz 1, 34117 Kassel

Downloads zur Ungeliebten Moderne? 2019