Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Unsere Fortbildungsangebote

Ungeliebte Moderne? - Treppenstraße Kassel

Akademie, Tagungen, Kennziffer: 119-TA2
Referenten

Referententeam, Kassel

Termin Samstag, 18.05.2019, 10:30 Uhr – 16:00 Uhr
Anmeldung bis: Freitag, 10.05.2019
Zur Anmeldung
Veranstaltungsort Jugendamt der Stadt Kassel, Kassel
Teilnahmegebühr
Für Mitglieder der AKH
65,00 €

Für Gäste
65,00 €
6 Fortbildungspunkte

Über das Verschwinden des öffentlichen Raums und städtischen Grüns aus der Zeit der Nachkriegsmoderne am Beispiel Treppenstraße Kassel

Die Arbeitsgruppe „Architekten in der Denkmalpflege und Bauen im Bestand“ der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen setzt auch 2019 ihre erfolgreiche Reihe „Ungeliebte Moderne?“, mit der Wahl der Stadt Kassel in Nordhessen als diesjährigen Tagungsort, fort. Die Veranstaltung widmet sich einer aktuell brisanten Thematik und einem bisher eher unbeachteten Aspekt in der Bauforschung – die des „öffentlichen Raums“ und des „städtischen Grüns“ aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren.

Die Stadt Kassel zählt mit dem Stadtumbau zur „Autogerechten Stadt“ und seinen baulichen Zeugnissen des Wiederaufbaus zu dem bundesweit einzigartigen baukulturellem Erbe der Fünfziger- und Sechzigerjahre, welches bis heute nahezu erhalten blieb. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Planung und Gestaltung der Treppenstraße ein, welche als „erste“ Fußgängerzone in der damals jungen Bundesrepublik bereits kurz nach Fertigstellung zur Bundesgartenschau 1955 internationale Beachtung fand. Als wichtiges städtebauliches Gelenk verbindet sie, räumlich wie visuell, die Innenstadt mit der Parklandschaft der Karlsaue. Seit 1984 steht die „Sachgesamtheit“ Treppenstraße unter Denkmalschutz.

Die Umlenkung von Verkehrs- und Konsumströmen, der Leerstand der Einzelhandelsgeschäfte, die Frage nach Mobilitätsgerechtigkeit oder neue Leitbilder der Stadt stellen eine große Herausforderung zum Erhalt dieses Fünfzigerjahre-Ensembles aus flankierender Stufenbebauung und kaskadenförmiger Freiraumskulptur mit grünen Ruheinseln dar.

An vielen Stellen der Stadt, wie der Oberen und Unteren Königsstraße, hat bereits die Umgestaltung des Stadtraums an heutige funktionale und ästhetische Bedürfnisse begonnen. Eine Überformung des Brüder-Grimm-Platzes könnte in nächster Zeit folgen.

Die Veranstaltung möchte nach Qualitäten, Eigenheiten und typischen Gestaltungselementen (Raumstruktur, Formensprache, Materialien, Ausstattung und Pflanzensorten) dieser öffentlichen Räume und Grünanlagen fragen, die Sensibilisierung und Wertschätzung dieses gartenkulturellen Erbes der Fünfziger- und Sechzigerjahre fördern sowie Kriterien zur Inventarisierung, Erforschung, zum Schutz und zum langfristigen Erhalt einer „Grünen Nachkriegsmoderne“ formulieren.

PROGRAMM:

Begrüßung und Einführung
Peter Bitsch, Vize-Präsident, Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen

Begrüßung und Einführung
Ungeliebte Moderne? Stiefkind Öffentlicher Raum und Städtisches Grün
Heinz Wionski, Landeskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Die Kasseler Treppenstraße – Leitbilder für eine städtebauliche Ikone 1944 bis 1954
Dr. Folckert Lüken-Isberner, Stadt- und Regionalplaner, Kassel

Grüne Nachkriegsmoderne in Kassel
Dr. Frank Lorberg, Fachgebiet Landschaftsbau, Landschaftsmanagement, Vegetationstechnik, Universität Kassel

Spaziergangswissenschaft: Stadt anders sehen
Prof. Martin Schmitz, Lucius & Annemarie Burckhardt Professur, Kunsthochschule Kassel

Treppenstraße konkret
Rundgänge mit drei Teilnehmergruppen auf der Treppenstraße (1947-57, Architekt: Werner Hasper, Grünkonzept: Oswald Sauer) 

  • Gestaltung Scheidemannplatz „Eingang Treppenstraße“
    Tobias Mann, Mann Landschaftsarchitektur, Fulda
  • Denkmaltopografie „Gesamtanlage Treppenstraße“ (Ensemble Treppenstraße/Neue Fahrt; Zeitschichten Grünkonzept)
    Marie Heinemann und Jasmin Sanchez Lux, Stadtplanung, Bauaufsicht und Denkmalschutz, Stadt Kassel;
    Christine Schneider, Botanischer Garten, Stadt Kassel
  • Anschluss Treppenstraße und Neugestaltung Untere/Obere Königsstraße
    Anne Kirschbaum, Stadterneuerung, städtebauliche Projekte, Entwicklungsplanung, Bauleitplanung, Stadtteilplanung Innenstadt, Stadt Kassel

Baukultur in der Praxis I: Gestaltungs- und Sanierungsleitfaden „Die Modernen 50er“ am Beispiel der Eisenbahnstraße in Saarbrücken
Dr. Rena Wandel-Hoefer, Architektin, Baudezernentin a.D. Stadt Saarbrücken, Gestaltungs- und Denkmalbeirat Stadt Wiesbaden

Baukultur in der Praxis II: Gartendenkmalpflege am Beispiel Hansabücherei und Akademie der Künste im Hansaviertel Berlin
Fiona Laudamus, Landschaftsarchitektin, Büro HORTEC, Berlin

Diskussion:

Bestand braucht Haltung zwischen erhaltenswerter Bausubstanz und einer Charta für Baukultur
Dr. Markus Harzenetter, Präsident LfDH, Wiesbaden
Ann-Catherine Krauss, Raumordnung und Stadtentwicklung, IHK Kassel-Marburg, Kassel
Fiona Laudamus, Landschaftsarchitektin, Büro HORTEC, Berlin
Christof Nolda, Stadtbaurat, Bündnis 90/Die Grünen, Stadt Kassel
Dr. Rena Wandel-Hoefer, Architektin, Baudezernentin a.D. Stadt Saarbrücken, Gestaltungs- und Denkmalbeirat Stadt Wiesbaden

Moderation:
Astrid Wuttke, Architektin, Vorsitzende AG Architekten in der Denkmalpflege und Bauen im Bestand, AKH

ZIELGRUPPEN:

Architekten aller Fachrichtungen, Stadtplaner und Denkmalpfleger, Absolventen und alle an jüngerer Baugeschichte interessierten Fachleute.

Die Reihe „Ungeliebte Moderne?“ wird seit 2006 jährlich in Kooperation zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, mit der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen und der Akademie der AKH organisiert und durchgeführt. Im Rahmen des Symposiums werden Zielsetzungen der architektonischen, stadt- und freiraumplanerischen Konzeption, die Qualität und Materialität dieses besonderen baukulturellen Erbes sowie Strategien für deren Akzeptanz und Weiterentwicklung in unsere heutige Zeit und für die nachfolgenden Generationen diskutiert.

 HINWEISE:

Mit Ihrer Teilnahme an der Veranstaltung erklären Sie sich einverstanden, dass Bild- und Filmaufnahmen Ihrer Person erstellt und vom Veranstalter in einer Dokumentation, für die eigene Berichterstattung sowie im Internet verwendet und veröffentlicht werden können. Falls Sie nicht damit einverstanden sind, bitten wir Sie, uns dies ausdrücklich mitzuteilen.

Aus Gründen der Lesbarkeit, z. B. bei der Nennung von Berufsbezeichnungen („Architekt“), wurde ausschließlich die männliche Form verwendet. Gemeint sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.