Lisa Farkas/Vor­bild­liche Bauten 2011

Fachliteratur

Hier finden Sie In­for­ma­tio­nen zu Neuerscheinungen anderer Herausgeber aus den vergangenen drei Monaten, die für Ihre Tätigkeit als Architekt oder Stadt­planer von Interesse sein könnten:

Innenputz

Innenputze weisen neben ästhetischen Qualitäten auch bauphysikalische Vorteile auf, da sie Feuchtigkeit und Gerüche absorbieren und die Raumakustik verbessern können. Mit der in den letzten Jahren zu beobachtenden wachsenden Nachfrage nach natürlichen Baustoffen nimmt auch das Interesse an traditionellen Putztechniken, die oft nur noch wenigen darauf spezialisierten Handwerkern geläufig sind, wieder zu. Aus diesem Anlass hat das Autorenteam der vorliegenden Neuerscheinung ein umfassendes und praxisorientiertes Handbuch zu unter­schiedlichen Gestaltungstechniken und handwerklichen Möglichkeiten von Innenputz als Planungshilfe für Ar­chi­tekt*in­nen und Innen­architekt*innen zusammengestellt.

In drei Kapiteln – zur Tradition, zum Material und zum Handwerk – wird ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten dargestellt, die weit über die heute üblichen Standardtechniken hinaus gehen. Die historischen Betrachtungen  zum Putz und die Darstellung traditioneller Techniken im Kapitel Tradition wird durch mehrere Beispiele zum Umgang mit besonderen Innenputzen im Bestand in Zusammen­hang mit zeitgenössischen Erweiterungs- und Umbauten ergänzt. Das Kapitel zum Material enthält ausführliche Darstellungen der spezifischen Eigenschaften verschiedener Putzarten wie Lehmputz, Kalkputz, Kunstharzputz und weiterer. Die Beiträge im Kapitel Handwerk illustrieren die unter­schiedlichen Anforderungen bei der Be- und Verarbeitung von Innenputzen – sei es in Bezug auf Geschwindigkeit und Effizienz, die Entwicklung spezifischer Mörtelmischungen oder auch um Materialnachbildungen mit künstlerischem Anspruch.

Alle drei Kapitel werden aufgelockert durch Interviews mit Ar­chi­tekt*in­nen, Handwerker*innen oder Putzhersteller*innen, die über ihre Erfahrungen und die Vor- bzw. Nachteile verschiedener Materialien berichten. Zudem wird immer wieder Bezug genommen auf die Ergebnisse eines experimentellen Workshops zu Innenputzen mit Ar­chi­tek­turstudierenden im Haus der Farbe in Zürich im Jahr 2021. Selbst die Innencover des Handbuchs werden genutzt, um weitere In­for­ma­tio­nen wie etwa Putzspinnen zu vermitteln. Insgesamt handelt es sich um eine sehr informatives und dank zahlreicher Abbildungen, Grafiken und Pläne anschauliches Werk.

 

 

 

Wachsende Ar­chi­tek­tur - Einführung in die Baubotanik

Die Baubotanik ist ein relativ junges Forschungsgebiet, das sich mit der unmittelbaren Integration von Bau und Baum zur Schaffung wachsender Ar­chi­tek­turen befasst. Es geht dabei nicht um die klassische Integration von Bäumen und Grünflächen in den öffentlichen Stadtraum, sondern um die Verschmelzung von wachsenden und sich damit ständig verändernden Bäumen mit naturgemäß statischen Bauten auf engstem Raum. In der vorliegenden Einführung in die Baubotanik verknüpfen die Autoren Erkenntnisse aus Botanik, Ingenieurbiologie, Forstwissenschaft sowie Baum- und Gartenkultur. Sie präsentieren realisierte Bauten, Versuchsreihen, Entwurfsstudien und Konzepte für eine neue grüne Ar­chi­tek­tur mit dem Ziel, die Baubotanik als experimentelles Forschungs- und Handlungsfeld stärker zu etablieren.

Grundmuster und Bedingungen pflanzlichen Wachstums werden ebenso vorgestellt wie der aktuelle Stand baubotanischer Bautechniken, unterschiedliche Baumarten und ihre Einsatzmöglichkeiten. Das Kapitel „Fusion von Baum und Haus“ dient der Einordnung baubotanischer Entwürfe in den aktuellen Ar­chi­tek­turdiskurs. Angesprochen werden auch Wechselwirkungen zwischen lebenden Bauwerken und ihrer Umwelt. Ein systematischer Überblick über aktuelle wie historische Projekte in Bezug auf ihre Vergänglichkeit fehlt ebenso wenig wie – nicht unbedingt realisierbare – Visionen zukünftiger lebender Ar­chi­tek­turen.

Das Autorenteam ist nicht mit dem Anspruch angetreten, ein umfassendes Lehrbuch der Baubotanik vorzulegen – das wäre bei einem derart jungen Forschungsgebiet auch kaum möglich – sondern bietet fachübergreifendes Querschnittswissen. Offene Fragen und spekulative Passagen sind als solche deutlich er­kenn­bar und laden zur weiteren Auseinandersetzung mit der Frage ein, wie wachsende Ar­chi­tek­turen die Lebens­qualität der urbanen Räume fördern können, ohne Stadtkultur und -dichte einzuschränken.

Kreislaufge­rech­tes Bauen und Kreis­lauf­wirt­schaft

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in aller Munde, nach­haltiges Verhalten und Wirtschaften muss Leitlinie gesell­schaft­lichen Handelns werden. Dies erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, also die Integration technisch-materieller, sozialer, ökonomischer, ökologischer und ethischer Strategien, mit all ihren Wechselwirkungen und Zielkonflikten.

Zu den Klima­schutzmaßnahmen, die die EU-Kommission mit dem Green Deal verbindlich festgeschrieben hat, gehört der vollständige Einstieg in die Kreis­lauf­wirt­schaft bis 2050. Wie dieser Ansatz mit Leben zu füllen ist, was Kreis­lauf­wirt­schaft im Baubereich bedeuten kann – damit haben sich die Autoren der vorliegenden Neuerscheinung auseinandergesetzt. Nach einführenden Überblicksdarstellungen werden etablierte Methoden, aktuelle Entwicklungen und akute Konfliktfelder beschrieben, analysiert und an inter­nationalen Fallbeispielen im Detail dargestellt. Dies geschieht entlang der Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en von Effizienz („besser"), Suffizienz („weniger") und Konsistenz („anders"). Urban Mining versus Denkmal­schutz, Vorrang der Ökologie vor Ökonomie und Sozialem in der Nachhaltigkeitsdiskussion, das Verhältnis von Ökoeffizienz zu Ökoeffektivität – das sind nur einige der hier aufgeworfenen Frage­stellungen, für die es keine einfachen Lösungen gibt. Die Beiträge, Fallstudien und Kommentare dieses ersten Bands aus der Reihe Besser – Weniger – Anders Bauen helfen, die Diskussion zur Umsetzung kreislaufbasierter Wirtschafts­modelle im Baubereich voranzutreiben. Weitere Bände sollen folgen.

 

Europan 16: Lebendige Städte

Der vorliegende Band dokumentiert in deutscher und englischer Sprache die Wettbewerbsbeiträge der deutschen Standorte sowie der deutschen Gewinner*innen an europäischen Standorten des europaweiten Wettbewerbs Europan 16: Lebendige Städte. Europan ist der größte Ar­chi­tek­tur- und Städtebauwettbewerb für junge, interdisziplinäre Planungsteams in Europa und nimmt Bezug auf die Neue Leipzig Charta. Insgesamt 40 Städte aus neun Ländern haben sich an Europan 16 beteiligt, darunter fünf deutsche Standorte. Gesucht wurden innovative Prozesse und Projekte für die Reaktivierung urbanisierter Räume. Dabei fanden die Dynamiken der Kreis­lauf­wirt­schaft für die Trans­for­ma­ti­on urbanisierter Stadträume zu Ökosystemen zwischen Natur und Kultur ebenso Berücksichtigung wie die Dynamiken der Integration zur Erzeugung territorialer Gerechtigkeit und Inklusion.

Die fünf deutschen Wettbewerbsprojekte in Ettlingen, Landshut, Schwäbisch Gmünd, Selb und Wernigerode zeigen exemplarisch die Möglichkeiten für Trans­for­ma­ti­onsprozesse in Kommunen auf. Die Wettbewerbsbeiträge werden jeweils ausführlich mit Fotos, Plänen und Erläuterungstexten der jeweiligen Projektverfasser*innen vorgestellt. Den Wettbewerbsergebnissen vorangestellte thematische Essays dienen dazu, die Debatte um gesellschaftliche und ökologische, soziale und wirtschaftliche Frage­stellungen zu vertiefen.

In einem weiteren Teil werden die fünf Wettbewerbsbeiträge deutscher Gewinner*innen in Österreich, der Schweiz, Norwegen und Schweden vorgestellt, gefolgt von zukunftsgerichteten Essays zum Themenbereich „Lebendige Städte – Wir brauchen Visionen“.

Die zweisprachige Dokumentation Europan 16: Lebendige Städte ist mit ihren vielfältigen Anregungen ein wertvoller Beitrag zum andauernden Diskurs über Trans­for­ma­ti­onsprozesse urbaner Räume.

 

 

 

Handbuch Bauwerksbegrünung

Die Bauwerksbegrünung gewinnt angesichts des Klimawandels zunehmend an Be­deutung als wichtiger Bau­stein für nach­haltige Ar­chi­tek­tur und klimaresiliente Städte. Sie ist Teil der Gartenkunst, erfüllt als Bestandteil grüner oder grün-blauer Infrastrukturen aber auch Funktionen als Regenwasserspeicher, Überhitzungsschutz oder beim Erhalt der Artenvielfalt in verdichteten Städten. Begrünte Dächer werden oft als ökologische Ausgleichsmaßnahmen in Bebauungsplänen gefordert. Dennoch sind begrünte Gebäude bis heute in Städten eher selten. Daher wurden in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Förderprogrammen aufgelegt, um die Gebäudebegrünung voranzutreiben.

Mittlerweile kann nahezu jede Oberfläche begrünt werden, allerdings ist eine sorgfältige Aus­wahl der Pflanzenarten und verwendeten Techniken im Hinblick auf Tragfähigkeit der Bauwerke, Windlasten und Wartungs- und Pflegeaufwand etc. unabdingbar. Das vorliegende Handbuch Bauwerksbegrünung bietet hierbei einen guten Überblick und vermittelt Planer*innen das nötige Fachwissen für dauerhaft wirksame Begrünungen von Dächern, Fassaden und Innenräumen. Vorgestellt werden moderne Technologien, praxiserprobte Lösungen und aktuelle Regelwerke. Checklisten, Tabellen, Konstruktionsempfehlungen und Zeichnungen unterstützen bei der Aus­wahl geeigneter Begrünungslösungen.

Zum Aufbau

Auf die Einführung zu Besonderheiten und Vorteilen begrünter Ar­chi­tek­tur folgen ein Abschnitt zu den Klima­schutzeffekten grüner Bauwerke sowie ein weiterer Abschnitt zu Ar­chi­tek­tur und Stadt­planung. Anschließend werden Möglichkeiten von Dachbegrünungen, Fassaden- und Wandbegrünungen sowie Innenraumbegrünungen vorgestellt und diskutiert, gefolgt von einer Vielzahl von gebauten Beispielen. Den Förderinstrumenten ist ein eigenes Kapitel gewidmet, gefolgt von einem Ausblick auf die Zukunft der Bauwerksbegrünung.

Im Zuge der notwendigen Klima­an­passung ist Bauwerksbegrünung im Neubau wie im Bestand zur Erhöhung der Resilienz der urbanen Lebensräume unabdingbar. Das Handbuch Bauwreksbegrünung bietet Planenden hierbei konkrete und praxisnahe Unterstützung.

 

 

Weitere Veröffentlichungen

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