21.10.2020 | AKH, Presse

Hessische Architekt*innen diskutieren Urban Mining als Ressource für die Zukunft

Grußwort von Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium beim Hessischen Architektentag 2020

Wiesbaden, 21. Oktober 2020 – Architekt*innen und Stadt­planer*innen in Hessen kamen beim diesjährigen Treffen ihres Berufsstands am 21. Oktober im virtuellen Raum zusammen. Wie können Gebäude einen aktiven Beitrag zu einer nachhaltig gebauten Umwelt leisten? Wie gehen wir zukünftig mit dem Rückgang endlicher Ressourcen für das Bauen um? Wie kann vorhandene Bausubstanz sinnvoll wiederverwendet werden und wie können wir unsere Gebäude zu Roh­stofflagern machen? Mit diesen und anderen Frage­stellungen beschäftigten sich die Referierenden beim Live-Stream aus dem Haus der Architekten in Wiesbaden.

Brigitte Holz, Präsidentin der Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen (AKH) und Gastgeberin der Tagung mit knapp 600 Teilnehmer*innen, eröffnete den Hessischen Architektentag 2020. Sie erklärte: „Bei Urban Mining geht es um Ressourcen für die Zukunft! Eine vielschichtige Aufgabe: Es gilt die Heraus­forderungen – ausgelöst durch den Klimawandel und den Rückgang der endlichen Ressourcen – zu meistern. Es geht um die Frage, wie Architekt­innen und Architekten einen transformativen, zukunftsfähigen und proaktiven Beitrag dazu leisten können. Urban Mining bedeutet den Ausstieg aus einer Linearwirtschaft und die Hinwendung zu einer Kreislaufwirtschaft mit Betrachtung des gesamten Lebenswegs einer Immobilie. Unser Berufsstand ist gefordert, Planungsvorstellungen aber auch architektonische Konzepte innovativ zu überdenken.“

Die Spitzenvertreterin der hes­si­schen Architekt*innen und Stadt­planer*innen forderte: „Um Wirtschaft und Städte nachhaltig und zukunftsfähig zu unterstützen, darf die öffentliche Investitionstätigkeit nicht zurückgefahren werden. Im Gegenteil: Bezahlbarer Wohnungs­bau und die Ausschöpfung der Klima­schutzpotenziale im Gebäudesektor tragen nicht nur zur Belebung der Wirtschaft bei, sondern sie erhöhen die Lebensqualität. Guter Wohnungs­bau und guter Städtebau sind kein Luxus, sondern existenziell.“

Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, erläuterte in seinem Grußwort: „Die Vision: die Stadt aus der Stadt heraus bauen und versorgen – flächenoptimiert, ressourcenschonend, energieeffizient. Jeder einmal gewonnene Roh­stoff soll als Wertstoff gelten und ressourcenschonend zirkulieren. Deshalb unterstützen wir das Umdenken. Wir haben das serielle Bauen erleichtert und fördern energieintelligente Quartiere. Viele Schritte bringen uns bei der Ressourcenwende weiter.“

Der diesjährige Schwerpunkt des Hessischen Architektentags Urban Mining ist Teil der Aktivitäten der Kammer zur Stärkung von nach­haltigem Planen und Bauen. So setzt sich die AKH für eine Förderung des Holzbaus in Hessen ein. Der nachwachsende, nachhaltig bewirtschaftete Roh­stoff Holz bietet große Potenziale für eine integrierte Klima­schutzstrategie und die Umsetzung der Energiewende im Gebäudebereich. Die diesjährige Auslobung der Aus­zeich­nung Vor­bild­licher Bauten im Land Hessen 2020 – Preis für Architektur und Städtebau widmet sich ebenfalls dem Zu­kunfts­thema Nachhaltigkeit. Gesucht werden bis zum 31. Dezember 2020 vorbildliche Projekte und Planungen auf dem Gebiet des nach­haltigen Planen und Bauens.

Neben AKH-Präsidentin Holz und dem hes­si­schen Staatssekretär Deutschendorf referierten beim Hessischen Architektentag 2020: Prof. Annette Hillebrandt, Bergische Univer­sität Wuppertal (Recycling – „Müll“ ist ein Designfehler), Kasper Guldager Jensen von 3XN/GXN aus Kopenhagen/Dänemark (Redesign – Limits and Opportunities of our Resources), Prof. Dirk E. Hebel, Karlsruher Institut für Technologie (Reuse – Bauwerke aus Sekundär-Roh­stoffen), Kilian Kada von kadawittfeldarchitektur aus Aachen (Ressource – Gebäude als Depot für die Zukunft) sowie Anja Rosen, agn Niederberghaus & Partner aus Ibbenbüren und Marc Matzken von heimspiel architekten Münster (Re-source – Urban Mining Modellprojekt Rathaus Korbach).

 

Die Architekten- und Stadt­planer­kammer Hessen (AKH) ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts berufs­ständische Vertretung von über 11.200 Architekt*innen, Innen­architekt*innen, Landschafts­architekt*innen und Stadt­planer*innen in Hessen. Die AKH vertritt die Interessen des Berufsstands, ist Partner und Dienstleister ihrer Mitglieder und unter­stützt den Gesetzgeber, Behörden und Gerichte durch Gutachten, Stellungnahmen und Vorschläge. Die Organisationsstruktur der AKH wird durch das Hessische Architekten- und Stadt­planergesetz vorgegeben. 2019 feierte die AKH den 50. Jahrestag ihrer Gründung.