Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Managementberatung

Facilities Management

Facilities Management (FM) im engen Sinne ist das ganzheitliche Betreiben von Serviceleistungen, technischen Anlagen, Gebäuden, Liegenschaften und Arealen. Facilities Management im weiten Sinne öffnet den Blick auf die gesamte Nutzungszeit dieser Systeme / ihren Lebenszyklus. Es bezeichnet eine nachhaltige Optimierungsstrategie, die Planen und Bauen, Nutzen und Betreiben, Umnutzen, Modernisieren und Rückbauen, bis hin zum Abreißen / Demontieren / Recyceln umfasst.

Architekten, die Leistungen im Rahmen einer solchen Gesamtstrategie erbringen wollen, sind vor allem an gesicherten Grundlagen, Methoden und IT-Werkzeugen interessiert, mit denen sie die vielfältigen Auswirkungen langjähriger Nutzungen / verschiedener Nutzungszyklen auf ihre Gebäude prognostizieren und im Entwurf berücksichtigen können. Nur - diese Grundlagen sind derzeit (wenn überhaupt) nur ansatzweise bekannt. Im Gegenteil: Der "Bodennebel" um die einzelnen Bauvorhaben herum ist gegenüber frühen Zeiten eher noch dichter geworden. Bauherren und Investoren machen immer weniger strukturierte Vorgaben. Die zukünftigen Nutzer sind weitgehend unbekannt. Bauherren, die Investoren, Nutzer und Betreiber in einer Person sind - früher der Normalfall - werden zum Sonderfall. Die Baukonjunktur knickt ein. Banken erschweren mit neuen Risikomanagement-Konzepten Projektfinanzierungen (Basel II). Erfahrene, qualitätsbewusste Fachleute für die Bauleitung und die Bauausführung werden selten. Die Bauqualität sinkt.

Und genau jetzt gewinnen in der Immobilien-, Finanzierungs- und Baubranche internationale Green Building Zertifikate an Bedeutung, die im Sinne eines FM gerechten und nachhaltigen Planens und Bauens die Position der Architekten stärken. Die Immobilienfinanzierer und -eigner versprechen sich von Green Building Zertifikaten verbesserte Renditen rund um das Nutzen / Vermieten / Verkaufen ihrer Immobilien. Planungs- und Bauakteure hoffen auf neue Geschäftsfelder, die ihnen Auswege aus der aktuellen Misere bieten. Vor allem die Finanzierungs- und Investorenseite wird initiativ. Sie vergibt erste Green Building Zertifikate, mit dem Ziel, letztlich die Geschäftsrisiken zu minimieren.

Trotz geringer empirischer Grundlagen und belastbarer Benchmarks - auf diese um den Nutzungszyklus erweiterte Optimierung und Planung- eröffnet sich Architekten die Möglichkeit, sich von reinen Planungs- und Bauexperten hin zu Lebenszykluspartnern ihrer Gebäude zu entwickeln - zusammen mit anderen Baubeteiligten. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn die verschiedenen Tätigkeiten in Rahmen einer ökologischen und ökonomischen Lebenszyklus-Optimierung lassen sich durchaus als "natürliche" Erweiterungen der bisherigen Tätigkeiten und Verantwortungen des Architekten begreifen.

Dabei erweist es ich als besonderer Startvorteil, dass Architekten in der Regel die einzigen Baubeteiligten sind, die über umfassende Daten für das Bauen "ihrer" Gebäude verfügen. Damit aber können sie neue Planungs- und Geschäftsfelder für nachhaltige Lebenszyklus Optimierungen und eine größere Transparenz in Bezug auf die Lebenszykluskosten akquirieren, denen nicht nur bei der deutschen Green Building Zertifizierung nach DGNB mit ca. 25% Gewichtung eine besonders hohe Bedeutung zukommt.

Autor:
Dr.-Ing. Kay Friedrichs, Architekt, Paul Wurth Umwelttechnik, Aachen

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