Lisa Farkas/Vor­bild­liche Bauten 2011

Architekturbücher

Bücher über Architektur liegen im Trend - opulente Bildbände ebenso wie kenntnisreiche Monografien über Architekten­persönlich­keiten, einzelne Bauwerke oder Baustile. Auf diesen Seiten werden Sie regelmäßig über Neuerscheinungen auf diesem Gebiet informiert:

Tempel und Teehaus in Japan

Bei seinem Erscheinen 1955 erregte dieses gestalterisch wie inhaltlich richtungsweisende Buch über die klassische japanische Architektur Aufsehen. Die Fotos – mehrheitlich schwarz/weiss – und mehr noch die gezeichneten Studien zu den japanischen Holzbauten aus dem 17. und 18. Jahrhundert trugen erheblich zur Rezeption der japanischen Ästhetik  durch die westliche Architektur, Kunst und Grafik bei. In dieser Architektur sind Tempel und Teehaus untrennbar mit­ein­ander verbunden, denn der Teekult ist in Japan von den buddhistischen Zen-Klöstern ausgegangen. Dem Verfasser Werner Blaser, der mit diesem Buch seine Erfahrungen aus einer mehrmonatigen Japan-Reise 1953 dokumentierte, war es gelungen, sich in die geistige Dimension der japanische Bau­kultur und das Wesen der klassischen japanischen Architektur einzufühlen und ihre Essenz in starken Fotos und Strichzeichnungen festzuhalten.

Der jetzt erschienene erweiterte Reprint wurde ergänzt um einen Text zur Entstehung des Buches von Christian Blaser, Sohn von Werner Blaser, einen Beitrag von Inge Andritz über Mies van der Rohe, in dessen Architektur Blaser Parallelen zur japanischen Architektur erkannte (obwohl dieser sie immer verneinte), und ein persönliches Nachwort von Tadao Ando.

 

 

Architekturführer München

In den letzten Jahren hat sich die Müchen zu einem interessanten Ziel für Architekturreisen entwickelt. Nicht nur wegen spektakulärer Einzelbauten oder weil innerdeutsche Reiseziele pandemiebedingt im Trend liegen, sondern als dynamisch wachsender Ort, der durch das Weiterbauen im bestehenden Kontext geprägt ist und zugleich zeitgemäße Lösungen für die Wohnungsfrage bieten muss.

Wie dies gelingen kann, wird anhand der insgesamt zehn Architektur-Spaziergänge deutlich, die in dem vorliegenden Architekturführer von DOM publishers vorgestellt werden. Einige der Spaziergänge führen vom Altstadtkern bis in die Randbezirke Münchens, denn über die Altstadt und die angrenzenden Stadtviertel hinaus legt die Autorin einen Schwerpunkt auf die neuen Quartiersentwicklungen, die auf ehemals militärisch oder gewerblich genutzten Flächen entstehen. Fundierte Erläuterungstexte, Architekturfotos, Pläne und Luftaufnahmen helfen bei der Einordnung und tragen dazu bei, den Blick für die Qualitäten der Münchener Architektur zu schärfen.

Den Tourenbeschreibungen vorangestellt ist eine Einführung des Münchner Stadt­planers Gerhard Gross, der die gesellschaftliche und planerische Be­deutung der vorgestellten Bauten sowie die historischen und baulich-räumlichen Entwicklungen der bayerischen Landes­haupt­stadt beleuchtet. Eine passende Lektüre während der Anreise zur Einstimmung auf interessante Architektur-Spaziergänge ...

 

Zu Hause - Architektur zum Wohnen im Grünen

Wohnen im Grünen – wer möchte das nicht! Auch wenn die Realität weltweit anders aussieht und der Zuzugsdruck auf die Städte und Metropolen anhält, bleibt das Einfamilienhaus im Grünen für Viele ein Sehnsuchtsort, der persönliche Freiräume und Erfüllung verspricht. Erst recht nach den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie, in der Arbeits- und Wohn­umfeld häufig identisch waren. Dieser Wunsch ist allerdings im Hinblick auf Klimawandel, übermäßigen Landschaftsverbrauch und Bodenversiegelung kritisch zu hinterfragen. Gesucht werden Lösungen, die individuelle Wunschträume und ökologisch sinnvolle Architektur mit­ein­ander vereinbaren. 26 solcher in den letzten zehn Jahren realisierten Projekte werden in der vorliegenden zweisprachigen Neuerscheinung mit zahlreichen Fotos, Abbildungen und Plänen vorgestellt, thematisch gegliedert nach Raumorganisation und Materialien, Strategien der Nachhaltigkeit und der Sanierung von Gebäuden. Die ganz überwiegend aus dem europäischen Raum stammmenden Projekte zeichnen sich durch die geschickte Einbettung in den jeweiligen regio­nalen Kontext und die Nutzung regio­naler Re­ssourcen aus. Vorangestellt sind drei Aufsätze von Sandra Hofmeister, Wolfgang Bachmann und Heide Wessely, die sich mit dem Thema Einfamilienhaus bzw. dörflichen Strukturen auseinandersetzen. Ein kleiner Wermutstropfen ist die fehlende Ortsangabe zu den einzelnen Projekten im Inhaltsverzeichnis – so ist es für die Betrachter nicht ganz einfach, Projekte in der Nähe zu finden.

 

Architektur in Afrika

Bautypen und Stadtformen südlich der Sahara

Die rasante Urbanisierung im südlichen Afrika vollzieht sich zu großen Teilen außerhalb der Wahrnehmung hierzulande. Ursachen für den enormen Zuzugsdruck auf die großen Agglomerationen dieser Region sind neben einem starken Bevölkerungswachstum auch Klimaveränderungen, (Bürger-)Kriege und Umweltkatastrophen. Die weitgehend ungesteuert und überproportional schnell wachsenden Megacities des südlichen Afrika können mit den klassischen Kriterien des europäischen Städtebaus weder erfasst noch strukturiert werden, es bedarf einer eigenständigen Herleitung.

Der Autor der vorliegenden Neuerscheinung katalogisiert daher die Architektur des südlichen Afrikas zunächst auf Basis der indigenen baukulturellen Traditionen und historischen Wurzeln. Diese Systematisierung der Bautypen wird ergänzt durch eine Einführung in die Architekturgeschichte und Bau­steine für eine Theorie der subsaharischen Architektur. Der Moderne ist ein eigenes Kapitel gewidmet, gefolgt von einem Katalog ausgewählter Bauten, bevor schließlich Urbanisierung und Stadttypologien beschrieben werden. Das auch durch seine Bebilderung mit zahlreichen Luftaufnahmen beeindruckende Werk rückt die baukünstlerische Vielfalt der Architektur der Subsahara in den Blick und ermöglicht dem Leser einen direkteren Zugang zur afrikanischen Architektur. Durch die Einbindung Afrikas schließt es zugleich eine Lücke in der Diskussion um zukünftige urbane Lebensformen auf diesem Planeten.

Neue Nationalgalerie Berlin

Sanierung einer Architekturikone

Die Neue Nationalgalerie in Berlin – eine Architekturikone in Stahl und Glas – gilt als Krönung des Spätwerks von Mies van der Rohe. Die nach rund fünfzig Jahren Dauerbetrieb notwendig gewordene Grundsanierung im Auftrag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz unter der Leitung des Bundesamts für Bauwesen und Raum­ordnung (BBR) ist eine gelungene Synthese von nach­haltiger Sanierung unter Beachtung der denkmalpflegerischen Aspekte und Anpassung an zeitgemäße museale Anforderungen. Das Sanierungskonzept von David Chipperfield Architects stand unter dem Leitmotiv „So viel Mies wie möglich“.

Im JOVIS-Verlag ist zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie eine reich bebilderte Dokumentation der Sanierung erschienen, angefangen von den ersten Vorüberlegungen und den breiten Raum einnnehmenden Grundlagen über die Konzeption etwa im Hinblick auf Erhalt, Erneuerung, Raumprogramm oder Brand­schutz bis hin zur Umsetzung mit zahlreichen spannenden Werberichten und schließlich zur Wiedereröffnung. Die luftige Gestaltung der Dokumentation ist eine Augenweide und sehr lesefreundlich. Wer sich in Berlin die Neue Nationalgalerie ansehen möchte, sollte vorher unbedingt in diese Dokumentation hineinschauen oder sie am besten – trotz ihres nicht unerheblichen Gewichts – einpacken und mitnehmen. Für alle anderen bietet die vorliegende Dokumentation eine Fülle spannender Einblicke in die Überlegungen zur Sanierung der Neuen Nationalgalerie und interessante In­for­ma­tio­nen zur tatsächlichen Durch­führung der Grundinstandsetzung, deren Ergebnis trotz aller auch pandemiebedingten Hindernisse überaus gelungen ist.  

Weitere Veröffentlichungen

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