Lisa Farkas/Vorbildliche Bauten 2011

Architekturbücher

Bücher über Architektur liegen im Trend - opulente Bildbände ebenso wie kenntnisreiche Monografien über Architekten­­persönlich­keiten, einzelne Bauwerke oder Baustile. Auf diesen Seiten werden Sie regelmäßig über Neuerscheinungen auf diesem Gebiet informiert:

Stefan Forster Architekten - Wohnungsbau 1989-2019

Die vorliegende Monografie dokumentiert 30 exemplarische Bauten des Frankfurter Büros Stefan Forster Architekten aus den letzten 30 Jahren in großformatigen Fotos, Grundrissen, Schnitten und Lageplänen. Ausklappseiten mit weiteren Fotos, Skizzen, Zeitungsausschnitten und weiteren Überraschungen ergänzen die Darstellungen. Das Spektrum der vorgestellten Projekte umfasst Sanierungen ebenso wie Neubauten und reicht vom sozialen Wohnungsbau bis zum aufwändigen Eigentumswohnungsbau, von der Siedlung bis zum verdichteten Bauen, vom Stadthaus auf der Parzelle bis zum Großblock.

Die 30 Projekte sind nicht chronologisch, sondern anhand der Gebäudetypologien angeordnet: drei Kapitel zum städtischen Block, zum Stadthaus und zur Siedlung werden ergänzt um ein weiteres Kapitel mit Transformationsprojekten. Dennoch lässt sich die Entwicklung des Frankfurter Architekten gut nachvollziehen. Bei der Einordnung hilft auch der im Buch ebenfalls enthaltene Aufsatz „Die Würde des Wohnens. Über die Häuser des Büros Stefan Forster Architekten“ von Michael Mönninger. Die Debatte um Qualität im Wohnungsbau ist angesichts der Wohnungskrise aktuelle denn je. Die vorliegende Monografie darf hierbei durchaus als Plädoyer für qualitätsvolle Alltagsarchitektur und gelingende Stadtentwicklung vestanden werden.


Architekturführer Schleswig-Holstein

Geprägt vom oft sehr windigen und feuchten Klima der norddeutschen Tiefebene hat sich im äußeren Norden Deutschlands eine durchaus eigenständige Architektur ausgebildet. Typisch sind die vielen gedrungenen Backsteinbauten, die Wind und Wetter wenig Angriffsflächen bieten. Mehr als 220 Gebäude stellt der Autor Dieter Mehlhorn in dem neu erschienen Architekturführer Schleswig-Holstein  vor, manche bereits im späten 19. Jahrhundert entstanden, andere noch im Bau oder gerade erst fertiggestellt.

Die Auswahl der vorgestellten Bauten in den drei großen Städten Schleswig-Holsteins – Flensburg, Kiel und Lübeck – ist von der der jeweiligen Stadt eigenen Thematik geprägt: Der Autor spürt dem dänischen Einfluss in der Architektur der Grenzstadt Flensburg nach, zeigt die Spuren der zahlreichen grundlegenden Umbrüche der heutigen Landes­haupt­stadt Kiel auf und setzt sich mit der Angemessenheit des zeitgenössischen Bauens im historischen Kontext der Stadt Lübeck auseinander.

Insgesamt sechs verschiedene Touren in das Umland dieser Städte erschließen immer wieder Überraschendes. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass der Autor weniger auf spektakuläre und bekannte Architektur setzt sondern stattdessen zahlreiche solide und vor allem nachhaltige Bauten präsentiert. Ergänzt werden die Beschreibungen durch eine Reihe von Exkursen zu Themen wie Kirchenbau nach dem Zweiten Weltkrieg, Rathäuser oder auch Kieler Kunstkeramik sowie durch Kurzbiografien einiger der Architekten der vorgestellten Bauwerke.

Wie üblich für die Architekturführer dieser Reihe von DOM publishers bietet auch der vorliegende Band wieder GPS-Koordinaten der vorgestellten Bauten, Karten, Personen- und Ortsregister.


Architektur und Diplomatie

Die Neuerscheinung anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Auswärtigen Amts präsentiert rund ebensoviele deutsche Botschaftsbauten in aller Welt. 150 Jahre deutscher Diplomatie finden ihren Ausdruck in der Architektur.

Auslandsvertretungen verleihen als Repräsentationsbauten dem zeitgenössischen Selbstverständnis des Staates Ausdruck. Von der nationalstaatlichen Gefasstheit des Deutschen Reichs mit seinen herrschaftlichen Repräsentanzen über den nationalsozialistischen Machtanspruch des Dritten Reichs bis zur demokratische Grundwerte symbolisierenden transparenten Moderne der Bundesrepublik parallel zur 'schöpferischen Fortschreibung des nationalen Bauerbes' der Botschaftsbauten der DDR in den sozialistischen Bruderstaaten nach dem Zweiten Weltkrieg lassen sich diese Verhältnisse ein Stück weit ablesen an den Botschaftsbauten der jeweiligen Zeit.

Verschränkt sind diese Tendenzen jedoch auch mit den Verhältnissen in den jeweiligen Gastländern - dort herrschen in der Regel andere nationale Bauvorschriften und Bautraditionen und oft auch andere politische und gesellschaftliche Verhältnisse. Botschaftsbauten spiegeln als Auslandsbauten immer auch das Verhältnis der beiden betreffenden Staaten zueinander wider.

Die Autoren Jörg Düwel und Philipp Meuser setzen sich darüber hinaus auch mit den sich wandelnden Aufgaben von Botschaftsbauten auseinander, die die Gestaltung von Botschaftsbauten ebenfalls beeinflussen. Dies gilt auch für den in den letzten Jahren verstärkt in den Vordergrund gerückten Aspekt der materiellen Sicherheit. Das stellt Architekten und Bauherren gleichermaßen vor ein Dilemma, war doch viele Jahre die Idee vorherrschend, demokratische Grundwerte durch scheinbar offene Gebäude und eine transparente Erscheinung zu verkörpern. Es bleibt die Frage, inwieweit Geisteshaltungen eine architektonische Kategorie sein können.


Geht doch! Ein Buch über bezahlbares Wohnen

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist allgegenwärtig und bereits Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen. Auch wenn die Corona-Pandemie zur Zeit der Entstehung der vorliegenden Veröffentlichung noch kein Thema war ist anzunehmen, dass deren wirtschaftliche Folgen die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum weiter verschärfen und es breiten Bevölkerungsschichten noch schwerer machen werden, Wohneigentum zu erwerben. Hier setzen die Autoren der vorliegenden Neuerscheinung an.

Sie beschreiben in einem ersten Teil zunächst die Geschichte des Wohnens, gehen Fragen des klimagerechten Bauens nach und beschreiben gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und juristische Aspekte der Wohnungsfrage und mögliche Ursachen für die oft hohen Kosten im Wohnungsbau. Eingestreute Interviews mit Experten aus den Bereichen Wohnsoziologie, Finanzwissenschaften, Städtebau, aber auch einem Bauunternehmer und einem Kommunalpolitiker bieten mit ihren teils provokanten und kontroversen Thesen Stoff für die aktuelle Debatte um bezahlbaren Wohnraum.

Die Autoren plädieren für mehr Immobilienbesitz in privater Hand als Schutz vor Altersarmut und werben für ein Modell professionell angleiteter Baugemeinschaften, basierend auf einer direkten Zusammenarbeit von Planern und lokalem Handwerk, um kostengünstig nachhaltigen Wohnraum zu schaffen. Im zweiten Teil des Buches präsentiert das Autorenteam insgesamt sieben bereits realisierte Projektbeispiele aus der Praxis, vorgestellt jeweils mit Fotos, Projektbeschreibung, Baubeschreibung, Kostenfeststellung und Grundrissen sowie Schnitten, um zu verdeutlichen: Geht doch!

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