Das Neue Europäische Bauhaus

Die im September 2020 von der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ausgerufene Initiative „Neues Europäisches Bauhaus“ stellt die Verbindung zwischen dem europäischen Grünen Deal und unseren Lebensräumen her. Sie ist ein Aufruf an alle Europäer*innen, gemeinsam Vorstellungen von einer nach­haltigen und inklusiven, ästhetisch, intellektuell und emotional ansprechenden Zukunft zu entwickeln und zu realisieren.

Hintergrund

In ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union am 16. September 2020 wies die Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen unter anderem auf die enormen Einsparmöglichkeiten beim CO2-Ausstoß von Gebäuden hin und forderte einen Systemwandel hin zur nach­haltigen Kreis­lauf­wirt­schaft. So soll das insgesamt 750 Mrd. Euro umfassende Konjunkturprogramm NextGenerationEU auch dazu genutzt werden, europaweit eine Renovierungswelle auszulösen. Um auch dem baukulturellen Anspruch gerecht zu werden, setzte sich die Kommissionspräsidentin in ihrer Rede für eine eigenständige Ästhetik der Nachhaltigkeit ein und kündigte hierfür die Errichtung eines neuen europäischen Bauhauses an. Dieses soll Architekten, Künstlern, Studierenden, Ingenieuren und Designern einen ge­meinsamen Kreativraum bieten, um an Lösungen für eine nach­haltige Wirtschaft, geringere Emissionen, einen starken Wettbewerb, die Bekämpfung der Energiearmut und eine bessere Lebens­qualität zu arbeiten.

Förderprogramme des NEB

Das Neue Europäische Bauhaus wird auf bestehenden EU-Programmen aufbauen und diese im Rahmen des ersten Pakets gezielter Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen, die 2021 und 2022 veröffentlicht werden, in Anspruch nehmen. Dies umfasst unter anderem Programme wie Horizont Europa und die dazugehörigen Missionen, das Binnenmarktprogramm oder LIFE sowie den Europäischen Fonds für regio­nale Entwicklung. Im Einzelnen werden rund 85 Millionen Euro für Projekte des Neuen Europäischen Bauhauses aus den oben genannten EU-Programmen im Zeitraum 2021-2022 bereitgestellt. Das Neue Europäische Bauhaus wird in viele EU-Programme als ein Kontextelement oder eine Priorität ohne zuvor festgelegte eigene Haushaltsmittel aufgenommen.

Interessierte können die verschiedenen Projektförderungsmöglichkeiten und die Mitteilung der EU-Kommission der Webseite zur Realisierung des Neuen Europäischen Bauhauses entnehmen.

EU KOM fördert fünf Leuchtturmprojekte

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Die EU-Kommission fördert im Rahmen des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB) fünf Leuchtturmprojekte mit insgesamt 25 Mio. Euro. 13 Länder sind daran beteiligt, unter anderem Deutsch­land mit dem Projekt NEBourhoods in München-Neuperlach. Ziel ist, nach­haltigere, integrativere und schönere Räume an Orten in der ganzen EU zu schaffen und die Bürgerinnen und Bürger in den grünen Wandel auf lokaler Ebene einzubeziehen.

Die fünf Projekte werden mit jeweils rund 5 Millionen Euro gefördert, um ihre Pläne in 11 Mitgliedstaaten (Belgien, Deutsch­land, Dänemark, Griechenland, Italien, Kroatien, Lettland, Niederlande, Slowenien, Portugal und Tschechien) sowie in Norwegen und der Türkei umzusetzen. Sie werden sich mit Themen wie Gebäude­sanierung, Kreis­lauf­wirt­schaft, Kunst, Kulturerbe, Bildung, intelligente Städte, städtische und ländliche Erneuerung und mehr befassen und sollen innerhalb von zwei Jahren innovative Ideen und Lösungen hervorbringen, die für andere NEB-Aktionen wegweisend sein werden und als Anregung für zukünftige Projekte dienen sollen.

Leuchtturmprojekte

NEBourhoods bereitet München-Neuperlach (DE) auf die Zukunft vor, wie sie durch den Europäischen Green Deal in Bezug auf die gebaute Umwelt, Kreis­lauf­wirt­schaft, Mobilität, Energie, Ernährung und Gesundheit vorgezeichnet ist. Das Projekt wird auf den Stärken des Gebiets aufbauen - einem ausgeprägten Gemeinschaftssinn, ausgedehnten Grünflächen, großzügigen, wenn auch renovierungsbedürftigen Wohnungen - und seine Schwächen angehen - überdurchschnittlich hohe Arbeitslosigkeit und unterdurchschnittliches Bildungsniveau.

Cultuurcampus

Ein nach­haltiges Zentrum für Kunst, Forschung, Lernen und Gemeinschaft als Katalysator: Durch die Verbindung von Bildung, Forschung, Politik und Kultur und unter Berücksichtigung der Lebenserfahrungen seiner Bewohner soll der Cultuurcampus das benachteiligte Stadtgebiet von Rotterdam-Süd (NL) umgestalten. Der Cultuurcampus wird in einem historischen Gebäude untergebracht und soll als Drehscheibe für verschiedene Gruppen und Aktivitäten dienen.

Neues Europäisches Bauhaus STAvangeR

NEB-STAR wird in Stavanger (NO), Prag (CZ) und Utrecht (NL) zeigen, wie territoriale Umgestaltungspläne die Prinzipien und Werte des NEB einbeziehen können. Das Projekt befasst sich mit vier emblematischen Heraus­forderungen im Zusammen­hang mit klimaneutralen Städten, die alle die lokalen Bedürfnisse und Anliegen durch die Zusammen­arbeit mit Bewohnern und Interessengruppen berücksichtigen.

Designing the Irresistible Circular Society - Gestaltung der un­verzicht­baren Kreislaufgesellschaft

Das Projekt will die großen Heraus­forderungen angehen, mit denen Gesellschaften und Städte konfrontiert sind: Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt und Re­ssourcenprobleme. Auf der Grundlage der drei Hauptthemen Inklusivität, Kreis­lauf­wirt­schaft und Ein­klang der Städte mit der Natur wird das Projekt Kunst, Architektur und Design nutzen, um alternative Wege zur Umgestaltung von Gebieten in verschiedenen europäischen Städten (DK, NL, SI, IT, LV) zu erkunden.

EYES HEARTS HANDS Urban Revolution

Das Projekt unter­stützt Städte und benachteiligte Bewohner bei der Umgestaltung ihrer bebauten Umwelt. An sieben verschiedenen Standorten in der EU und den assoziierten Ländern (DK, EL, BE, PT, TR, HR, IT) sollen sozioökonomische und kulturelle Heraus­forderungen wie soziale Ausgrenzung, Energiearmut und der Verfall von entvölkerten historischen Zentren angegangen werden.

NEB Lab

Im NEB Lab werden konkrete Projekte entwickelt mit dem Ziel, das Neue Europäische Bauhaus greifbare Realität werden zu lassen. Auf dieser Plattform sollen Interessierte Werkzeuge, Lösungen und po­li­ti­sche Aktionen entwickeln und testen können für die Trans­for­ma­ti­on  der Gesellschaft entlang der Leitlinien Nachhaltigkeit, Ästhetik und Inklusion.

Aktuelle NEB Lab-Projekte:

  • A labelling strategy project inviting experts, academics, and professionals in sustainability, inclusiveness, and aesthetics to contribute to building a compass and assessment frameworks that will help ensure projects are well-aligned with the New European Bauhaus values.
  • An analysis and experimentation project to explore how the regulatory framework, from local to European level, can support the development of New European Bauhaus projects. A survey to map the challenges and opportunities practitioners face is open now until 30 June 2022.
  • Two projects exploring innovative funding solutions for New European Bauhaus initiatives, one focusing on crowdfunding and public funding, the other on joint funding with philanthropy. Everyone interested is invited to get involved by sharing their thoughts and experiences.
  • The ongoing project focused on building a network and promoting the positive transformation of places of learning.

New European Bauhaus Festival

Vom 9. bis zum 12. Juni 2022 fand das erste NEB Festival statt, mit Hauptaktivitäten in Brüssel sowie EU-weiten Partnerveranstaltungen. Das Festival bot Change Makern eine Plattform für die Präsentation ihrer Projekte und hatte zum Ziel, Bürger*innen europaweit zu ermutigen, sich an der Initiative zu beteiligen. Organisiert und finanziert wurde es von der EU-Kommission, die auf der Basis dieser ersten Erfahrungen dann ein Konzept für eine jährliche Folge­veranstaltung entwickeln wird. Idealer Weise wird das Festival ab 2023 auch Orte außerhalb der EU mit einbeziehen.

Weitere In­for­ma­tio­nen sind auf der NEB Festival Website verfügbar.

Nächste Schritte

New European Bauhaus Contact

Die EU-Mitgliedsstaaten werden eingeladen, einen nationalen Koordinator zu ernennen, der als Teil eines europaweiten, in­formellen Netzwerks für den Informations- und Erfahrungsaustausch lokale Initiativen koordiniert.

Veröffentlichung

2022 soll ein Fortschrittsbericht erscheinen.

Weitere In­for­ma­tio­nen

Bau­kultur Hessen

Energieeinsparrecht