Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Konversion Darmstadt-Süd

Preisträger

1. Preis: AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt/Main

55.000 € (netto)

Axel Bienhaus, Jürgen Häpp, Dorothée Hock
Mitarbeit: Stefanie Wladika, Robert Hagen, Subhasish Mondal,
Fachberater: Michael Dinter (Verkehrsplanung)

2. Preis: Kramm & Strigl Architekten und Stadtplaner GbR, Darmstadt, mit Freiraum Rabsilber + Heckmann, Wiesbaden

40.000 € (netto)

Prof. Rüdiger Kramm, Peter Heckmann
Mitarbeit: Olivia Behre, Bruno Deister, Josefine Giese, Dana Lehnhardt, Michael Anstatt

3. Preis: DÖMGES ARCHITEKTEN AG, Regensburg, mit lab landschaftsarchitektur brenner Partnerschaft mbB, Landshut

25.000 € (netto)

Thomas Eckert, Erik Frisch, Hermann Brenner
Mitarbeit: Vincent Siewert, Marcus Wohlfromm, Martin Gebhardt, Christoph Brenner

4. Preis: baurmann.dürr architekten, Karlsruhe, mit Prof. Schmid | Treiber | Partner Freie Landschaftsarchitekten, Leonberg

15.000 € (netto)

Martin Dürr, Prof. Henning Baurmann, Alexander Buchmüller
Mitarbeit: Kai Zahorszky, Christine Paulus

Anerkennung: MORPHO-LOGIC PartGG, München, mit Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten GbR, Bockhorn

5.000 € (netto)

Michael Gebhard, Prof. Ingrid Burgstaller, Rita Lex-Kerfers
Mitarbeit: Frank Kübler, Jonas Wagner

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb mit Präqualifikation
Preisgerichtssitzung 15.12.2017
Ort Darmstadt
Auslober Wissenschaftsstadt Darmstadt
Betreuung Drees & Sommer Infra Consult und Entwicklungsmanagement GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Sophie Wolfrum (Vorsitz), Dr. Barbara Boczek, Jochen Krehbiehl, Prof. Wolfgang Schulze, Prof. Gerd Aufmkolk, Volker Auch-Schwelk, Rebekka Junge, Jochen Partsch, Claus Niebelschütz, Andreas Hackmann, Hildegard Förster-Heldmann, Ludwig Achenbach, Michael Siebel

Nachbarschaft der kurzen Wege
Entwicklung eines neuen Stadtquartiers in Darmstadt-Bessungen

Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum steigt, auch in Darmstadt. Das städtebauliche Entwicklungspotenzial der südhessischen Stadt ist jedoch aufgrund der Siedlungsbeschränkungszone des Frankfurter Flughafens im Norden sowie der weitgehenden Umgürtung mit Wald im Westen, Osten und Süden stark beschränkt. Da trifft es sich gut, dass mit dem Abzug der US-Streitkräfte 2008 aus der Stadt 314 Hektar ehemals militärisch genutzter Flächen frei wurden, darunter die Cambrai-Fritsch-Kaserne und die benachbarte Jefferson-Siedlung. Auf dem knapp 34 Hektar großen Areal im Süden des Stadtteils Bessungen soll nun ein neues Quartier für 3.000 Einwohner entstehen.

Für dessen Gestaltung hatte die Stadt Darmstadt einen nichtoffenen, städtebaulichen und landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb mit Präqualifikation ausgelobt. Ziel war es, ein attraktives Quartier für unterschiedliche Nutzer- und Altersgruppen zu schaffen, das eine gute soziale Infrastruktur, ein autoarmes Wohnumfeld und qualitativ hochwertige Freiräume aufweist. An dem europaweit ausgeschrieben, von der Drees & Sommer Infra Consult und Entwicklungsmanagement GmbH aus Frankfurt betreuten Wettbewerb hatten sich sechzehn Büros beteiligt.

Den ersten Preis erkannte das dreizehnköpfige Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Sophie Wolfrum der AS+P Albert Speer + Partner GmbH zu. Das Frankfurter Büro schlägt „ein breites Spektrum unterschiedlicher Wohntypologien“ vor – von Reihenhäusern über Einfamilienhäusern bis hin zu Stadtvillen. Die historische Struktur der beiden eigenständigen Gebiete wird beibehalten; die besondere, terrassierte Hanglage zwischen Darmstadts Süden und Odenwald betont. Der „gut dimensionierte und differenziert ausgeprägte Carree-Platz“ verbinde geschickt den nördlichen und südlichen Quartiersteil, lobte das Preisgericht. Hier befinden sich das Mobilitätszentrum, das Quartiersmanagement, der Supermarkt und die Kita. Neben dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble am Carree werden weitere Gebäude erhalten und mit Nutzungen gewerblicher, kultureller oder sozialer Art versehen, „die zur Belebung des Quartiers beitragen.“ Darüber hinaus konnten auch das Erschließungs-, Mobilitäts- und Freiraumkonzept überzeugen. Als besonders gelungen erachteten die Preisrichter die ost-west verlaufende „Landschaftstreppe“, welche mit einer Reihe interessanter Nutzungsangebote versehen ist, wie z. B. den Nachbarschaftsgärten.

Der zweite Preis ging an die Kramm & Strigl Architekten und Stadtplaner GbR aus Darmstadt und Freiraum Rabsilber + Heckmann aus Wiesbaden, deren Arbeit primär in landschaftsarchitektonischer Hinsicht überzeugte. Das vorgeschlagene Freiraumkonzept sieht einen breiten von Nord nach Süd verlaufenden Grünzug sowie zwei grüne Verbindungselemente in Ost-West-Richtung vor, die als Frischluftschneisen fungieren. Über grüne Lungen wird das Planungsgebiet in sechs Quartiere gegliedert, die sich aus Wohnhöfen zusammensetzen und verschiedene Bauformen vereinen. Das Gros der Bebauung sind Reihenhäuser mit privaten Gärten. Besonders positiv wurde der zentral  gelegene Quartiersplatz mit sozialen Angeboten und Nahversorgern bewertet. Nachbesserungsbedarf sah das Preisgericht hingegen beim energetischen Konzept.

Platz drei sicherte sich die Bewerbergemeinschaft DÖMGES ARCHITEKTEN AG (Regensburg)/lab landschaftsarchitektur brenner Partnerschaft mbB (Landshut). Die Verfasser regen eine „strenge städtebauliche Figur“ an, bestehend aus zwei Teilquartieren, die sich am zentralen Platz überschneiden. An diesem liegen die öffentlichen und gemeinschaftlichen Angebote, wie Gemeinschaftsgärten, Waldspielplatz, Straßenbahnhaltestelle, Gastronomie, Nahversorgung und Mobili­tätszentrum. Die Baukörper werden in einer „ausgesprochen kompakt ausgebildeten Hofstruktur aus aufgelösten Blöcken und kurzen Zeilen“ angeordnet; Einzelhäuser konzeptbedingt vernachlässigt. Der hohe Verdichtungsgrad, so die Preisrichter, schaffe „großzügige, offene Übergangsbereiche zwischen Bebauung und Waldrand.“ Das Verkehrskonzept mit dezentraler Parkierung in Tiefgaragen müsse jedoch noch überarbeitet werden. 

Die mit dem vierten Preis bedachten baurmann.dürr Architekten aus Karlsruhe mit Prof. Schmid | Treiber | Partner Freie Landschaftsarchitekten aus Leonberg präsentieren einen zentralen Grünzug, der sich von den Bestandsgebäuden nach Süden erstreckt. Parallel hierzu verläuft der Boulevard mit Straßenbahn und Radweg. Entsprechend der unterschiedlichen topografischen Ausgangssituationen werden drei Quartiere mit unterschiedlichen Gebäudetypen ausgebildet: Im östlichen Quartier (Terrasse) werden Baugruppen, Blockbebauungen und Stadthäuser vorgeschlagen; im südöstlichen (Hang) Wohnzeilen. Im westlichen Quartier (Waldrand) ist die Bebauung kleinteiliger. „Alleinstellungsmerkmal“ attestierten die Preisrichter dem gelungenen stadträumlichen Anschluss im Norden mit Studentenwohnungen und einer Bildungseinrichtung.

Mit Anerkennungen wurden die drei Bewerbergemeinschaften MORPHO-LOGIC Architektur+Stadtplanung (München)/Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten GbR (Bockhorn),  VAU (Breisach)/Pit Müller Landschaftsarchitekt (Freiburg) sowie motorplan Architekten BDA (Mannheim)/metris Architekten und Stadtplaner BDA (Heidelberg)/BHM Planungsgesellschaft mbH (Bruchsal) ausgezeichnet.

Lena Pröhl