Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bürgerhaus Kastel und Kostheim, Neubau eines gemeinsamen Bürgerhauses

Preisträger

1. Preis: dasch zürn und partner architekten, Stuttgart

33.000 € (netto)

Helmut Dasch, Architekt, Joachim Zürn, Architekt

Mitarbeit: Christian Hägle, Christian Dasch

Ein 3. Preis: KERSTEN KOPP ARCHITEKTEN, Berlin

16.500 € (netto)

Prof. Dipl. Ing. Minka Kersten, Dipl. Ing. Andreas Kopp

Mitarbeit: M. Sc. Valeriya Savina, Dipl. Ing. Torsten Suschke, Valentin Warminski

Ein 3. Preis: pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten, beide Dresden

16.500 € (netto)

Dipl.-Ing. Dirk Pussert, Dipl.-Ing. Achim Kosch, Dipl.-Ing. Till Rehwaldt

Mitarbeit: Philipp Tringo, Marcus Kistner, Ulrike Zänker

Anerkennung: Mayer Jenner Oumar Architekten (GbR), Wiesbaden

8.250 € (netto)

Dirk Mayer, Dipl. Ing. Architekt, Patric Jenner Oumar Dipl. Ing. Architekt

Mitarbeit: Herr Borja Diaz, Frau Linda Voss, Frau Sarah Kunz, Frau Tanja Bläsing

Fachberater: Ingenieurbüro Helmut Kläs GmbH & Co. KG

Anerkennung: trint + kreuder d.n.a., Köln

8.250 € (netto)

Prof. in vertr. K. Trint, Dipl. Ing. H. Kreuder, Dipl. Ing. M. Breithack

Mitarbeit: Anais Niesbach

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren nach VgV
Preisgerichtssitzung 15.11.2019
Ort Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim
Auslober Landeshauptstadt Wiesbaden
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Michael Schumacher (Vorsitz), Peter Maurer, Prof. Dieter Müller, Ines Schulz, Ulrike Pape, Prof. Felix Waechter, Gerd-Uwe Mende, Hans-Martin Kessler, Christa Gabriel, Stephan Lauer, Rainer Schuster

Multifunktionales Bürgerhaus
Neubau eines gemeinsamen Bürgerhauses für Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim

Die Landeshauptstadt Wiesbaden liegt im Südwesten Hessens und bildet mit der angrenzenden rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz ein länderübergreifendes Doppelzentrum. Zu den 26 Ortsbezirken zählen auch die beiden benachbarten Stadtteile Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim, die kleinstadtähnlichen Charakter besitzen. Da die Bürgerhäuser in beiden Stadtteilen in die Jahre gekommen sind, plant die Stadt an der Nahtstelle zwischen den Stadtteilen den Neubau eines gemeinsamen, multifunktionalen Bürgerhauses. Dieses soll das städtebauliche Umfeld insgesamt aufwerten und Strahlkraft für zukünftige Entwicklungen erzeugen.

An dem einstufigen, nicht offenen Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren, den goedeking architekten aus Frankfurt betreuten, beteiligten sich 22 Büros aus ganz Deutschland. Als Sieger setzte sich klar das Stuttgarter Büro dasch zürn und partner architekten durch. Die Verfasser präsentieren einen L-förmigen Baukörper im südwestlichen Grundstücksbereich, der einen gut proportionierten Vorplatz aufspannt und als Entrée des Bürgerhauses fungiert. Über das Foyer gelangt man in den großen Saal mit Bühne, der über einen separaten Künstlereingang verfügt. Auch die Clubräume mit Foyer zur Kostheimer Landstraße sind ebenerdig angeordnet und können bei Großveranstaltungen miteingebunden werden. Um Synergien zu nutzen, sind die Garderoben und Nebenflächen zwischen Saal und Clubräumen platziert. Flexible Raumtrennwände ermöglichen für den Saal- und Clubraumbereich zahlreiche Nutzungsvarianten. Im Obergeschoss befinden sich die Räume für die Vereine. Besonders angetan zeigte sich die Jury von den Erschließungsflächen, die über einen eingeschnittenen Innenhof belichtet werden und als Kommunikations- und Begegnungszone dienen. Das äußere Erscheinungsbild wird von einem spannungsreichen Wechsel großflächiger Verglasungen mit geschlossenen Außenwandflächen geprägt. Insgesamt überzeuge die Arbeit durch ihre Stringenz und Einfachheit. Das neue Bürgerhaus entwickle trotz seines zurückhaltenden Ausdrucks eine angemessene Strahlkraft und Identität, so das Fazit der Jury.

Ein dritter Preis ging an KERSTEN KOPP ARCHITEKTEN aus Berlin. Den Verfassern gelinge eine klare, attraktive Adressierung des neuen Bürgerhauses, lobten die Preisrichter. Der kompakte Neubau füge sich gut in die Umgebung ein und hebe sich dennoch durch seinen Solitärcharakter deutlich hervor. Mit großzügigen Verglasungen öffnet sich das Gebäude mit Saal und Foyer nach Nordwesten und Nordosten und bietet so interessante Ein- und Ausblicke. Die Erschließung erfolgt vom Parkplatz kommend über eine große Freitreppe. Sie mündet in eine dem Saalfoyer vorgelagerte Stadtterrasse. Der Haupteingang indessen ist erdgeschossig unter einer kleinen Auskragung im Nordosten platziert. Das Raumprogramm wurde erfüllt, allerdings zeige die Arbeit Schwächen in der funktionalen Anordnung. Kontrovers diskutiert wurde etwa die Lage des Saals im ersten Obergeschoss. Gut gelöst dagegen seien die räumliche Aufteilung und Qualität der Vereins- und Clubräume.

Mit einem weiteren dritten Preis bedachte die Jury die Arbeit der pussert kosch architekten mit Rehwaldt Landschaftsarchitekten aus Dresden. Der L-förmige Baukörper ist an die westliche Grundstücksgrenze gerückt, wodurch eine großzügige Eingangssituation entsteht. Das verglaste Foyer bildet dabei einen fließenden Übergang in das Gebäude und lässt Innen- und Außenraum miteinander verschmelzen. Dieses Motiv der Transparenz wird durch den Festsaal Richtung Westen und die Clubräume Richtung Süden durch das gesamte Erdgeschoss geführt. Die großflächigen Fassadenöffnungen verleihen dem Gebäude ein offenes Erscheinungsbild, was zur Identitätsstiftung beitragen wird, waren sich die Preisrichter sicher. Die Anordnung der Vereins- und Büroräume im Obergeschoss sei jedoch uninspiriert und entspreche nicht der gewünschten Offenheit, so das Juryurteil.

Mit einer Anerkennung würdigte das Preisgericht den extravaganten, ökologisch geprägten Beitrag der Mayer Jenner Oumar Architekten aus Wiesbaden. Kernidee des Entwurfs ist die Platzierung eines Stadtplateaus mit Rampenzugang von der Kostheimer Landstraße, um das herum einzeln gesetzte Baukörper mit begrünten Dächern und Fassaden angeordnet sind. Darüber hinaus erhielt die Arbeit des Kölner Büros trint + kreuder d.n.a. eine Anerkennung, welche die Grundidee einer Burg verfolgt.

Die Jury unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Prof. Michael Schumacher empfahl der Ausloberin einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit zur Realisierung.

Lena Pröhl