Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

"Hafeninsel", Gernsheim

Preisträger

1. Preis: sinai Gesellschaft von Landesarchitekten mbH, Berlin

11.000 € (netto)

A.W. Faust
Mitarbeit: Marie-Luise Tschirner, Sandra Dormeier, Maria Complova, Yuhao Liu, Hugo Rodriguez, Emma Haberstock, Clara Gusmao, Quingfeng Wang
Fachberater: Gero Engeser (Landstrich-Zeichnung-Visualisierung)

2. Preis: MANN LANDSCHAFTSARCHITEKTUR, Fulda

7.000 € (netto)

Tobias Mann
Mitarbeit: Matthias Kimmel, Uli Werner
Fachberater: Filon - Filip Staszkiewicz (Visualisierung)

Anerkennung: BIERBAUM.AICHELE. Landschaftsarchitekten Part.GmbB, Mainz

2.000 € (netto)

Günter Schüller
Mitarbeit: Frank Finger, Susanne Dietz, Fabian Adler

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil für eine Freianlagenplanung mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 13.08.2019
Ort Gernsheim
Auslober Schöfferstadt Gernsheim
Betreuung DSK mbH & Co. KG, Bremen
Preisrichter Prof. Dr. Constanze Petrow (Vorsitz), Raimund Haase, Katharina Rauh, Peter Burger, Knut-Henning Krieger

Parklandschaft am Wasser
Hafeninsel Gernsheim

Rund 18 km südwestlich von Darmstadt innerhalb der Oberrheinischen Tiefebene liegt Gernsheim. 2016 wurde die Stadt in das Städtebauförderprogramm „Stadtumbau in Hessen“ aufgenommen. Innerhalb des zehnjährigen Förderzeitraums sollen Maßnahmen zu Klimaschutz sowie Anpassungen an demographische und wirtschaftsstrukturelle Veränderungen ergriffen werden. Das Fördergebiet in Gernsheim unterteilt sich in zwei Bereiche, wobei der größte Teil durch die historisch gewachsene Innenstadt geprägt ist. Dem gegenüber steht das weitläufige, offen gestaltete Hafenareal am Rhein mit seinen Sport- und Freiflächen. Den westlichen Abschluss davon bildet die Hafeninsel – ein beliebtes Ausflugsziel.

Um das rund acht Hektar große Hafenareal aufzuwerten und künftig noch besser an die Innenstadt von Gernsheim anzubinden war ein nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil ausgelobt worden, den die DSK mbH & Co. KG aus Bremen betreute. Teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekten; eine Zusammenarbeit mit einem Stadtplaner wurde empfohlen. Das Preisgericht unter Vorsitz der Landschaftsarchitektin Prof. Dr. Constanze Petrow aus Geisenheim vergab zwei Preise und eine Anerkennung.  

„Alleinstellungsmerkmal ist die aktive Ausweitung des Uferbereichs auch auf die Fläche südlich des Fähranlegers. Die vielfältige Wegeführung (…) ermöglicht unterschiedlichste Ausblicke sowohl zur Rhein- als auch zur Hafenseite“, lobte die Jury den Siegerentwurf der sinai Gesellschaft von Landesarchitekten mbH aus Berlin. Die Hafeninsel als Promenadenpark ist vorwiegend Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Der fließende und ruhende Verkehr wird auf ein Minimum reduziert; Zufahrt erhalten ausschließlich Anlieger. Die neue Straßenführung östlich des Fährhauses, welche den Verkehr auf der attraktiveren westlichen Seite reduziere, sowie die Parkspange südlich des Fährstübchens, die zur Entflechtung des Verkehrs beitrage, wurden ausdrücklich begrüßt. Die Hafeninsel werde künftig nicht nur „deutlich grüner“ sein, auch die Naherholungsqualitäten werden gestärkt, waren sich die Preisrichter sicher. Als besonders attraktive Aufenthaltsorte nannten sie die gut positionierten Sitzstufen sowie den Weg auf Wasserniveau. Auch die Ausgestaltung des Fährplatzes mit Fährhaus, Fährstübchen und Außengastronomie wurde positiv bewertet, zumal sich die Platzfläche klar durch Belagswechsel absetze. Im Bereich der Rheinwiese bildet eine Zonierung in Parkspange, Rheinwiese und Rheinhain das wesentliche Gestaltungsmerkmal. Das bestehende Fuß- und Radwegenetz wird durch die Fortführung der Wegebeziehung von der Schifferstraße her ergänzt. Sport- und Spielflächen komplettieren den Rheinhain. Insgesamt überzeugte die Arbeit die Jury durch die unaufgeregte, reduzierte Materialwahl sowie die dem Ort angemessenen Bepflanzungen und Ergänzungen des Bestehenden.

Im Vordergrund des zweitplatzierten Entwurfs der MANN LANDSCHAFTSARCHITEKTUR aus Fulda steht die Verknüpfung von Innenstadt und Rhein. Die als Allee ausgebaute, acht Meter breite Rheinstraße setze gestalterisch ein deutliches Zeichen und bilde eine Achse zum Rhein. Eine Beruhigung des Verkehrs wurde jedoch vermisst. Für die Hafeninsel regen die Verfasser eine umlaufende Promenade und umfangreiche Baumneupflanzungen an. Der Vorschlag, für ein einheitliches Platzniveau einen Teil des Geländes anzuheben, lehnte die Jury als nur schwer umsetzbar ab. Am Rheinufer sind Sitzstufenanlagen vorgesehen; die Rheinwiese wird durch Baumreihen, die linear über Schotterrasenparkplätze angeordnet sind, strukturiert und räumlich vernetzt. Angetan zeigte sich das Preisgericht auch von der vorgeschlagenen Folgenutzung des städtischen Anwesens Schifferstraße 4 als Café.

Mit einer Anerkennung würdigte die Jury die Arbeit des Mainzer Büros BIERBAUM.AICHELE. Landschaftsarchitekten Part.GmbB für ihren kreativen Umgang mit der Topografie des Hafenareals. Insbesondere die Leitidee einer ausdifferenzierten Erschließung der Wasserlagen bei Erhaltung des industriell und kleinteilig geprägten Gebietscharakters überzeugte die Jury.

Lena Pröhl