Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Stadt- und Kreisarchiv, Bad Hersfeld

Preisträger

1. Preis: TPMT Architekten, Berlin

12.400 € (netto)

Philipp Tscheuschler, Noah Grunwald
Mitarbeit: Matthias Tscheuschler, Claudia Zaschke

3. Preis: Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden

6.200 € (netto)

Peter Zirkel
Mitarbeit: Julia Naumann, Max Wasserkampf, Niklas Schmitt

3. Preis: SAA SCHWEGER ARCHITEKEN GmbH, Hamburg

6.200 € (netto)

Peter P. Schweger, Dirk Heubel

Anerkennung: Angela Fritsch Architekten, Seeheim Jugenheim

3.100 € (netto)

Angela Fritsch
Mitarbeit: Sebastian Timmermann, Susanne Flöry, Kirstin Gunkel
Fachberater: ZWP Ingenieur AG, Wiesbaden (Planungsbüro für Gebäudetechnik), TSB Ingenieurgesellschaft mbG, Darmstadt (Tragwerksplanung, Brandschutz, Energieberatung)

Anerkennung: KUCKERT ARCHITEKTEN BDA, Münster

3.100 € (netto)

Christian Kuckert, Tanja Kuckert
Mitarbeit: Johannes Bajer, Tobias Brehm

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einphasiger nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 03.06.2019
Ort Bad Hersfeld
Auslober Stadt Bad Hersfeld
Betreuung Freischlad + Holz, Darmstadt
Preisrichter Prof. Felix Waechter (Vorsitz), Jörg Sturm, Tobias Mann, Thomas Fehling, Johannes van Horrick

Gebäudeensemble mit markantem Magazinturm
Neubau eines Stadt- und Kreisarchivs mit Quartiersplatz in Bad Hersfeld

Die Kreisstadt Bad Hersfeld plant den Neubau eines Stadtarchivs, da das bestehende Louis-Demme-Stadtarchiv am Markplatz in die Jahre gekommen ist und baulich nicht erweitert werden kann. Um Synergien zu generieren, soll auch das Kreisarchiv Hersfeld-Rotenburg im Neubau Platz finden.

Zu diesem Zweck war ein einphasiger nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt worden, den das Darmstädter Büro Freischlad + Holz betreute. Das in Eigentum der Stadt befindliche Wettbewerbsgrundstück liegt im Südosten der Kernstadt in markanter Ecklage Antoniengasse / Eisfeld. Im Norden, Osten und Westen schließt es an rückwärtige Blockinnenbereiche von Wohn- und Gewerbegebäude an, im Süd-Westen an das leerstehende Herkules-Center. Die auf dem 2.000 Quadratmeter großen Grundstück vorhandenen Gebäude sind energetisch zu sanieren, können aber auch rückgebaut werden. Das neue Archiv soll sich in Maßstab und Proportion in die Umgebung einfügen und gleichzeitig als identitätsstiftender Ort für das gesamte Quartier „Antoniengasse“ wirken. Die Gestaltung eines signifikanten Außenraums mit Quartiersplatz spielt dabei eine wichtige Rolle. Darüber hinaus erhofft sich der Auslober neue Nutzungsimpulse, unter anderem im Bereich des Herkules-Centers.

Unter den 23 eingereichten Arbeiten konnte sich der Entwurf des Berliner Büros TPMT Architekten klar als Sieger durchsetzen. Die Verfasser schlagen ein dreiteiliges Gebäudeensemble mit einem markanten `Magazinturm´ vor, das sich einfühlsam in die ungeordnete Bestandsbebauung im Norden des Wettbewerbsgrundstücks einfügt. Eine Besonderheit des Entwurfs ist die Schaffung eines großen Quartiersplatzes zwischen Archivgebäude und Herkules-Center und die damit verbundene Neuordnung der Hinterhofsituation im Nord-Westen. Das Haupttreppenhaus liegt im Drehpunkt zwischen den drei Gebäudevolumen und bedient sowohl die öffentlichen Bereiche als auch die Büro- und Magazingeschosse. Der Haupteingang des Archivs ist gut auffindbar am neuen Platz verortet; der Eingangsbereich mit Multifunktions- und Lesesaal erstreckt sich über zwei Ebenen. Die Fassaden aus recyceltem Klinkermauerwerk versprechen ein sehr ansprechendes Erscheinungsbild, lobte die Jury. Gut gelöst seien auch die innere Organisation sowie die funktionellen Abläufe im Gebäude.

Ein dritter Preis ging an Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH aus Dresden. Der kompakte, rechteckige Baukörper ist mit der Stirnseite zur Antoniengasse platziert, wodurch ein großer Platzbereich zum Eisfeld entsteht. Die öffentlichen Nutzungen orientieren sich zur Antoniengasse und bieten ein interessantes `Schaufenster‘ in das Archiv. Das Gebäude möchte als Speicher der Archivarien verstanden werden. Die oberen Archivräume sind daher ohne Öffnungen nach außen gestaltet. Die Organisation im Erdgeschoss sollte jedoch überarbeitet und das Großraumbüro im Obergeschoss zugunsten von Einzelbüros umgestaltet werden, zumal das Magazin des Kreisarchivs zu knapp bemessen sei. Auch die Freiflächen benötigen noch einer Feinplanung. „Das Bauvorhaben verspricht, aufgrund seiner kompakten, rechteckigen Bauform, eine hohe Wirtschaftlichkeit und punktet zusätzlich bei der Nachhaltigkeit“, hieß es in der Urteilsbegründung.

„Der kraftvolle Solitär platziert sich als `Speicher der Stadtgeschichte‘ mit weitest möglichem Abstand zur umgebenden Bebauung und setzt so einen markanten, städtebaulichen Punkt innerhalb des Quartiers. Der kompakte, quadratische Grundriss des Neubaus ermöglicht die Schaffung eines allseitig bespielbaren, öffentlichen Außenraums als Stadtgarten mit großzügigem Quartiersplatz im Osten.“ So beschreibt die Jury den ebenfalls mit einem dritten Preis ausgezeichneten Entwurf der SAA SCHWEGER ARCHITEKEN GmbH aus Hamburg. Der Eingang des Gebäudes ist zum Platz orientiert. Das Erdgeschoss mit öffentlichen Bereichen sowie das erste Obergeschoss mit Büroräumen öffnen sich sowohl nach Süden zur Antoniengasse als auch nach Osten und Westen zum geplanten Quartiersplatz. Die vier oberen Stockwerke werden als Archiv genutzt. Hier bildet sich der Baukörper konsequent als geschlossener, monolithischer Quader ab. Positiv bewertete die Jury auch die flexible Grundrissanordnung.

Für ihren skulptural wirkenden Baukörper mit Höhenversprüngen und die Gestaltung unterschiedlicher Freiraumtypologien erhielten Angela Fritsch Architekten aus Seeheim Jugenheim eine Anerkennung. Mit einer weiteren Anerkennung würdigte das Preisgericht den präganten Entwurf von KUCKERT ARCHITEKTEN BDA aus Münster, der sich architektonisch von den anderen Arbeiten abhebt. Aufgrund seiner Baumasse wirkt der Solitär als Pendant zum Herkules-Center. Die Idee, das Gebäude in einem Hain zu platzieren, sei zwar charmant, jedoch dem Ort nicht angemessen.

Die Jury unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Prof. Felix Waechter empfahl der Stadt Bad Hersfeld einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Planung zu betrauen.

Lena Pröhl