Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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"Marienplatz", Darmstadt

Preisträger

1. Preis: Implenia Development, Raunheim mit netzwerkarchitekten GmbH, Darmstadt, GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel

31.000 € (netto)

Karim Scharabi, Michael Triebswetter
Mitarbeit: Rosanna Just, Aaron Eller, Yumeng Zhang, Mathias Gehring
Fachberater: Felix von Borck, Akasol

2. Preis: Bonava Wohnbau, Neu-Isenburg mit Lieb + Lieb Architekten, Freudenstadt, Hähnig-Gemmeke Architekten Partnerschaft mbB, Tübingen, Prosa Architektur + Stadtplanung, Darmstadt, Stefan Fromm Freie Landschaftsarchitekten, Dettenhausen

17.000 € (netto)

Gerhard Lieb, Stefan Fromm, Prof. Mathias Hähnig, Katharina Rauh
Mitarbeit: Carolin Simon, Carolin Morell
Fachberater: Fang Peng, Hannes Essig

3. Preis: Artprojekt Entwicklungen GmbH, Berlin mit Ackermann + Raff GmbH & Co.KG, Stuttgart, Die Mehrwertbauer GmbH, Berlin, Glück Landschaftsarchitektur GmbH, Stuttgart

11.000 € (netto)

Oliver Braun, Michael Glück, Hermann Stegschuster
Mitarbeit: Stefan Hofmann, Simon Isoni, Valentina Reimer
Fachberater: Sabrina Sparn, Peter Voit (Transsolar Energietechnik GmbH)

Anerkennung: FRANK Heimbau Main/Taunus GmbH, Hofheim und Iber Immobilien GmbH, Darmstadt mit planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG mbB, Darmstadt, geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin

3.000 € (netto)

Herbert Elfers, Christof Geskes, Ergün Karakaya
Mitarbeit: Oliver Walkiewicz, Holger Grobe, Murat Yildiz, Stefan Hack, Elisa Stellacci
Fachberater: Martin Zeumer (Energie Konzept), Rolf Schaafhausen (scale Architekturmodelle)

Anerkennung: INDUSTRIA Wohnen, Frankfurt mit EISELE STANIEK+, Darmstadt mit RAIBLE LA + Inge, Mainz

3.000 € (netto)

Johann Eisele, Bettina Staniek, Claus Staniek, Harmut R. Raible
Mitarbeit: Ann-Catrin Leschniewski
Fachberater: Oliver Stockum (Fire protection consult), gbm Modellbau, KRAFTJUNGS GmbH, Michal Medved (Hofskizze/Erläuterung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger, städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 20.08.2019
Ort Darmstadt
Auslober Stadt Darmstadt
Betreuung BÄUMLE Architekten | Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Prof. Christa Reicher (Vorsitz), Jochen Krehbiehl, Torsten Becker, Christian Engelhard, Dr. Fred Gresens, Prof. Dr. Annette Rudolph-Cleff, Thomas Wirth, Jochen Partsch, Dr. Barbara Boczek, Barbara Akdeniz, Alexander Schleith, Hildegard Förster-Heldmann, Joachim Lisowski

Lebendiges Quartier 
Nichtoffener, städtebaulicher Realisierungswettbewerb zur Entwicklung des Marienplatzes in Darmstadt

Der kontinuierliche Zuzug in die Rhein-Main-Region verschärft auch in Darmstadt die Wohnungsnot. Die Stadt plant daher den Marienplatz, eine derzeit als Parkplatz genutzte städtebauliche Brache, wohnbaulich zu entwickeln. Das rund 1,4 Hektar große Grundstück im Zentrum Darmstadts bildet die Nahtstelle zwischen der Kernstadt und den später entstandenen Stadtquartieren. In der Vergangenheit wurden bereits verschiedene Planungen in Angriff genommen, zu einer Realisierung kam es jedoch nicht.

Vorschläge für das neue Quartier lieferte nun der nichtoffene, städtebauliche Realisierungswettbewerb, an dem 19 Investoren aus ganz Deutschland in Zusammenarbeit mit Architektur/Stadtplanungs- und Landschaftsbüros teilgenommen hatten. Im Sinne einer sozialverträglichen Stadt- und Quartiersentwicklung waren unterschiedliche Wohnformen für alle Alters- und Einkommensgruppen vorzusehen mit mindestens 25 Prozent sozialem Wohnungsbau. Besonderer Wert wurde dabei auf eine hohe energetische und ökologische Qualität sowie alternative Mobilitätsangebote gelegt. Die Auswahl des Investors sollte in erster Linie nach der Qualität des vorgeschlagenen Konzepts erfolgen, nicht nach dem Kaufpreisangebot. Damit wurde erstmalig in Darmstadt die Konzeptvergabe als Vergabeinstrument angewandt.

Den ersten Platz sicherte sich Implenia Development aus Raunheim mit netzwerkarchitekten GmbH (Darmstadt) und GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt (Kassel). Die Verfasser schlagen eine offene Baustruktur zwischen Mollerstadt, Hochschule Darmstadt und den südlich angrenzenden Quartieren vor. Dadurch entsteht ein großzügiger, von allen Seiten zugänglicher Freiraum mit einer Abfolge unterschiedlicher attraktiver Platz- und Grünräume; die Heidelberger Straße wird durch ein 15-geschossiges Hochhaus betont. Dieses nimmt diverse Erdgeschossnutzungen auf und werde zu einem lebendigen Quartier sowie einer eindeutigen Adressbildung beitragen, waren sich die Preisrichter sicher. Bis auf die wenigen, gezielt gesetzten Erdgeschossnutzungen im Hochhaus und entlang der Promenade ist ausschließlich eine Wohnnutzung vorgesehen. Durch die mäandernde Gebäudeform entstehen unterschiedlichste qualitätsvolle Wohnungsangebote mit großzügigem Außenraumbezug. Die Südseite der Anlage ist zu ruhigen privaten Gartenflächen, einem grünem Hof und einem Spielplatz ausgerichtet und verspreche hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität. Auch der hohe Anteil an modularer Holzbauweise und die Möglichkeiten zur Gebäudebegrünung – insbesondere an den Laubengängen, den Grüninseln im Hochhaus, den Dachgärten und der Tiefgarage – wurden ausdrücklich begrüßt. „Insgesamt überzeugt die Arbeit durch die für diesen Ort angemessene bauliche Form und Dichte bei gleichzeitig gut durchlüfteten und zugänglichen Freiräumen“, lautete das Juryurteil.

Der zweite Preis ging an Bonava Wohnbau aus Neu-Isenburg mit Lieb + Lieb Architekten (Freudenstadt), Hähnig-Gemmeke Architekten Partnerschaft mbB (Tübingen), Prosa Architektur + Stadtplanung | Quasten Rauh PartGmbB (Darmstadt) und Stefan Fromm Freie Landschaftsarchitekten (Dettenhausen). Die Verfasser entwarfen eine Blockrandbebauung, die sich optimal in die gewachsene Umgebung integriert. Der Blockrand wird im Drittelspunkt geteilt und beide Teile so gegeneinander verschoben, dass ein großzügiger, zusammenhängender Blockinnenbereich entsteht. Der Blockrand selbst wird durch Baukörper unterschiedlichster Höhe und Tiefe differenziert, an denen die vielfältigen Wohnformen ablesbar sind. Einen städtebaulichen Akzent bildet das 12-geschossige Hochhaus an der Ecke Heidelberger Straße/Hügelstraße mit dem vorgelagerten, gut dimensionierten Platz. Die Adressbildung erfolgt klar und selbstverständlich vom öffentlichen Raum aus, das Blockinnere bleibt überwiegend privat. Die Wohnnutzung dominiert, lediglich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss der Baukörper an der Nordwest-Ecke werden gewerbliche Nutzungen vorgeschlagen. Diese richten sich vorwiegend an die Bewohner des neuen Quartiers. Die Kita befindet auf der Westseite des Quartiers und weist eine gute Ost-West-Orientierung auf. Zu Mobilität, Energieversorgung sowie Dach- und Fassadenbegrünung werden vielfältige Angebote gemacht. „Der Entwurf“, so die Jury, „strebt an, ein selbstverständlicher sich einfügender Stadtbaustein am Rande der Mollerstadt zu bleiben. Hierhin kann sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Konzeptes gesehen werden. Das Projekt bleibt auf der städtebaulichen Ebene auf angenehme Weise unauffällig, setzt jedoch kein formal erkennbares Zeichen für seine innovativen Inhalte.“

Mit einem dritten Preis würdigte die Jury den gradlinigen Entwurf der Artprojekt Entwicklungen GmbH aus Berlin mit Ackermann + Raff GmbH & Co. KG (Stuttgart), Die Mehrwertbauer GmbH (Berlin) und Glück Landschaftsarchitektur GmbH (Stuttgart). Die Verfasser regen ein städtebauliches Konzept aus gegenseitig versetzten L-förmigen Baukörpern an, die die vorhandenen Strukturen aufnehmen und sinnvoll ergänzen. Das 15-stöckige Hochhaus an der Ecke Hügelstraße / Heidelberger Straße schließt die Neubebauung konsequent gegenüber dem Marienplatz ab. Gut gelöst sei sowohl die Abfolge der drei halböffentlichen Plätze (Stadtplatz, Brunnenplatz, Elfenwald) als auch die Anordnung von Kita und Generationenhaus im westlichen Grundstücksteil, die mit der gegenüberliegenden Friedenskirche einen neuen Stadtplatz ausbilden. Die Idee, Zitate zu Shakespeare aufgrund der Nähe zum Staatstheater einzubinden, konnte dagegen nicht überzeugen. „Insgesamt stellt der Entwurf einen Beitrag dar, dessen städtebauliche Stabilität und Körnigkeit ebenso wie die bunte Mischung an Wohnkonzepten und -typologien überzeugt. Allerdings mangelt es an Mut, Innovation und städtebaulicher Prägnanz an diesem wichtigen innerstädtischen Standort“, hieß es im Juryurteil.

Anerkennungen erhielten FRANK Heimbau Main/Taunus GmbH, Hofheim und Iber Immobilien, Darmstadt mit planquadrat Elfers Geskes Krämer PartG mbB (Darmstadt) und geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH (Berlin); INDUSTRIA Wohnen, Frankfurt mit EISELE STANIEK+ (Darmstadt) und RAIBLE LA + Inge (Mainz) sowie Bauwerk Development GmbH, München mit Karl Richter Architekten, Jelena Duchrow GbR und HKK Landschaftsarchitektur GmbH (alle Frankfurt).

Das Preisgericht unter Vorsitz der Aachener Architektin und Stadtplanerin Prof. Christa Reicher empfahl der Stadt Darmstadt einstimmig, die Planung auf Grundlage des erstplatzierten Preisträgers weiterentwickeln zu lassen.

Lena Pröhl