Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

"Wever Gelände", Bad Hersfeld

Preisträger

1. Preis: Torsten Becker Stadtplaner, Frankfurt/Main, mit arc.grün landschaftsarchitekten stadtplaner, Kitzingen

15.000 € (netto)

Torsten Becker, Thomas Wirth
Mitarbeit: Johanna Moraweg, Jonas Hölzel, Katharina Söllner

2. Preis: octagon Architekturkollektiv, Leipzig

12.000 € (netto)

Markus Wiese
Mitarbeit: Filip Staszkiewicz, Serafima Kreusch

3. Preis: Dunkelau Giebel Architekten mit Prof. A.-Ch. Scheiblauer Architektur und Städtebau, beide Frankfurt/Main

3.000 € (netto)

Wolfgang Dunkelau, Prof. Anne-Christin Scheiblauer
Mitarbeit: Dominik Utke, Emanuela Parma

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb.
Preisgerichtssitzung 16.05.2019
Ort Bad Hersfeld
Auslober Magistrat der Stadt Bad Hersfeld
Betreuung PlanES, Gießen
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Hans-Uwe Schultze, Wolfgang Schück, Thomas Fehling, Johannes von Horrick

Stadtumbau schreitet voran
Die Revitalisierung des "Wever-Geländes" in Bad Hersfeld

Im Nordosten von Hessen liegt die 30.000 Einwohner starke Stadt Bad Hersfeld, die überregional durch die seit 1951 alljährlich stattfindenden Bad Hersfelder bekannt ist. Um den dringenden Bedarf an innerstädtischem Wohnraum zu bedienen, beabsichtigt die Stadt das ehemalige „Wever-Gelände“ – Bestandteil eines in den Gründerjahren entstandenen Industriegebiets östlich der Innenstadt – zu revitalisieren. Die Lage am Schilde-Park sowie in Sichtweite zum Bahnhof verspreche optimale Standortvoraussetzungen, auch im Sinne einer Stadt der kurzen Wege.

Auf dem 4 Hektar großen Wettbewerbsareal ist ein Mix aus (bezahlbarem) Wohnen, Gewerbe, Dienstleistungsbetrieben sowie Sozial- und Kulturangeboten geplant, wobei ein sensibler Umgang mit den denkmalgeschützten Bestandteilen des „Wever-Geländes“ gefordert ist. Das neue Quartier soll sich in die umliegende, kleinteilige Struktur der östlichen Kernstadt einfügen und Elemente der „Smart City“ aufgreifen.

Als Sieger des nichtoffenen einstufigen Realisierungswettbewerbs setzte sich das Frankfurter Büro Torsten Becker Stadtplaner mit arc.grün landschaftsarchitekten stadtplaner aus Kitzingen durch. Dicht dahinter auf Platz zwei landete octagon Architekturkollektiv Fenzlein – Küpper – Stapel – Tihl – Wiese GbR aus Leipzig; der dritte Platz ging an die Frankfurter Dunkelau Giebel Architekten mit Prof. Anne-Christin Scheiblauer Architektur und Städtebau.

„Die drei konzipierten Wohnhöfe mit jeweils einem eigenen Ankerpunkt integrieren die auf dem Gelände befindlichen historischen Gebäude und sorgen für eine qualitätsvolle Neuinterpretation des Areals, die den genius loci, den Geist des Ortes, sowohl in der Gegenwart als auch zukünftig bewahrt“, lobte die Jury in ihrer Sitzung am 16. Mai 2019 den Siegerentwurf. Erschlossen werden die Wohnhöfe Weverhof, Pfarrhaushof und Tuchlagerhof von drei Stichstraßen, die im zentral gelegenen Lullusplatz enden. Die vorgesehene vielfältige Mischung aus sozialem Wohnungsbau und Stadthäusern werde zur Entstehung eines belebten Stadtquartiers beitragen, waren sich die Preisrichter sicher. Auch die städtebauliche Einbindung sowie das Freiflächenkonzept konnten überzeugen: Die drei grünen Innenhöfe schaffen ein intimes Wohnumfeld und sind dennoch öffentlich zugänglich. Positiv wurde auch die Verknüpfung von Lullus- und Weverplatz bewertet, die beide an den Schilde-Park anschließen. Das Thema Smart City werde zwar aufgegriffen, jedoch nur sehr plakativ verwendet.

Das städtebauliche Konzept der zweitplatzierten Arbeit von octagon Architekturkollektiv aus Leipzig sieht eine klare Gliederung in drei Zonen vor. Der Gemeindecampus fungiert dabei als Bindeglied zwischen den beiden östlich und westlich angrenzenden Wohngebieten und stärkt die Identität des Areals. Die Ankerpunkte des Wever-Geländes werden überformt. Die Verfasser schlagen eine Terrassierung des Plangebiets vor mit halböffentlichen und privaten Freiflächen in den Blockinnenbereichen. Als besonders gelungenen erachtete die Jury die Kita, die auch aus der Umgebung gut zu erreichen sei und dadurch die nachbarschaftliche Akzeptanz fördere. Der Gemeindecampus schaffe zudem hervorragend die Wegebeziehung von den nördlich gelegenen Wohngebieten zur Innenstadt. Die zusätzlich zur bestehenden Erschließung vorgeschlagene West-Ost-Spange wird als Wohnweg genutzt und teilt die Wohnblöcke in angemessen große Bereiche. Das Konzept erscheine tragfähig, umsetzbar und nachhaltig und leiste einen wichtigen Beitrag zur Förderung einer Smart City.

Der dritte Preis ging an die Frankfurter Dunkelau Giebel Architekten mit Prof. Anne-Christin Scheiblauer Architektur und Städtebau für ihren „unaufgeregten und klar verständlichen“ Entwurf. Die Verfasser entwickeln in Form von Terrassen ein städtisches Quartier, welches sich sensibel in das städtebauliche Umfeld einfüge, so die Jury. Die historische Achse vom Bahnhof auf das Wever-Areal werde identitätsstiftend aufgegriffen. Die besondere Stärke der Arbeit liege aber in der Integration der kirchlichen Einrichtungen. Die vorgesehenen fünf einzelnen Höfe ermöglichen eine abschnittsweise Realisierung; unterschiedliche Wohn- und Eigentumsformen sind nachgewiesen. Auch das Verhältnis von privaten und öffentlichen Freiräumen sowie die gemeinschaftlichen Freiflächennutzungen wurden positiv bewertet. Ein Ansatz zum Thema Smart City finde sich jedoch lediglich in der Platzierung einer Mobilitätsstation. Dennoch stelle „der Entwurf einen ausgewogenen, dem Standort angemessenen und zugleich innovativen Wettbewerbsbeitrag dar“, so das Juryurteil.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Darmstädter Architekten und Stadtplaners Joachim Klie empfahl der Stadt Bad Hersfeld, die ersten Preisträger mit der Bauleitplanung zu beauftragen.

 

Lena Pröhl