Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Hafenpark Quartier Frankfurt, Molenspitze

Preisträger

1. Preis: Barkow Leibinger Ges. v. Architekten mbH, Berlin

50.000 € (netto)

Frank Barkow
Mitarbeit: Sebastian Awick, Martina Bauer, Andreas Moling, Pablo Sequero, Jan Szkarlat, Robert Tzscheutschler, Francesca Zecca
Fachberater: Bollinger und Grohmann GmbH, Berlin (Tragwerk + Fassade), Höhler und Partner, Aachen (Kostenermittlung), BPK Brandschutz Planung Klingsch GmbH, Frankfurt am Main (Brandschutz), PONNIE Images, Aachen (Visualisierung)

2. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

25.000 (netto)

Jürgen Engel
Mitarbeit: Mario Dinev, Marilena Ntouneta, Daihoon Kim, Robert Volz, Lidia Korotaeva, Guanji Zhu, Klaudia Krolikowska, Tomasz Chojnacki, Khalil Albitar, Nadia Heredia, Peter Feuerbach, Ziwen Luo, Thomas Busse, Alexander Hörr, Franziska Kinsukoin, Roberto Saldana Gutierrez, Ulf Gatzke-Yu
Fachberater: Weiske und Partner GmbH Beratende Ingenieure VBI, Stuttgart (Tragwerk), FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (Landschaftsarchitektur), Lemon Consult AG, Zürich (Energie), Ingenieursbüro Michielsen, Neustadt (Brandschutz)

2. Preis: Hadi Therani GmbH, Hamburg

25.000 € (netto)

Sebastian Appl
Mitarbeit: Pouria babakhani, Alejandro Oest, Amir Khazan, Nicola Sigl, Valeria Geyer, Kim Fenck,
Fachberater: Panta Ingenieure, Hamburg (Tragwerk)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Planungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 27.02.2019
Ort Frankfurt/Main
Auslober B&L Molenspitze Frankfurt Hotel GmbH & Co. KG, Hamburg
Betreuung [phase eins], Berlin
Preisrichter Prof. Kees Christiaanse (Vorsitz), Prof. Almut Grüntuch-Ernst, Prof. Dr. Uta Potgiesser, Martin Teigeler, Nils Schalk, Mike Josef, Harry Koch, Thorsten Testorp

Blickfang für die Molenspitze
Hotelturm „Waterfront“ im Hafenpark Quartier in Frankfurt/Main

Auf einer der letzten großen Brachflächen im Frankfurter Ostend, unweit der Europäischen Zentralbank, entsteht ein gemischtgenutztes Viertel mit rund 600 Wohnungen, Einzelhandel und Büros – das Hafenpark Quartier. In einem weiteren Bauabschnitt soll nun ein Hochhaus mit Hotel und Boardinghaus an der Molenspitze, eingebettet zwischen Osthafenbrücke und Honsellbrücke, realisiert werden, das beeindruckende Ausblicke auf die Mainufer und Frankfurter Skyline bietet. 

Zu diesem Zweck hatte die Hamburger B&L Gruppe einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, den [phase eins] aus Berlin betreute. Für das Hotel, ein life-style Boutique-Hotel mit rund 300 Zimmer bis zum zwölften Obergeschoss, ist der Auslober mit verschiedenen Betreibern im Gespräch. In den oberen Geschossen entsteht das Boardinghouse mit 120 Apartments, das von der firmeneigenen Marke Clipper betrieben werden wird. Als besonderes Highlight ist eine Skyline Bar auf einer Plaza im zwölften Obergeschoss vorgesehen. Die Kaifläche am Fuß des Hochhauses soll öffentlich zugänglich sein und den Hafenpark in östlicher Richtung erweitern.

Der Sieger des Planungswettbewerbs kommt aus Berlin: In der Preisgerichtsitzung am 27. Februar 2019 konnte das Büro Barkow Leibinger Ges. v. Architekten mbH die achtköpfige Jury überzeugen und sicherte sich den ersten Preis. Zudem wurden zwei gleichwertige zweite Preise vergeben an KSP Jürgen Engel Architekten GmbH (Frankfurt/Main) und Hadi Teherani GmbH (Hamburg). Insgesamt neun namhafte Büros hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt.

Der Siegerentwurf schafft eine markante Situation an der Molenspitze. Die Verfasser setzen dabei nicht auf kontrastierende Expressivität, sondern schlichte Eleganz und präsentieren einen subtil ausformulierten Baukörper, der auf einem massiv ausgeformten Flutschsockel fußt. Der südliche Bereich ist durch Vorschieben des Gebäudevolumens betont. Als besonders gelungen erachtete die Jury die gestalterische Ablesbarkeit von Hotel und Boardinghouse durch den Einschnitt der offenen Plaza-Terrasse, die Sonderhöhe dieses Geschosses und die weitmaschigere Gliederung der Fassade. Auch die effiziente Erschließung sowie die Gestaltung der Hotelräume konnte überzeugen, insbesondere die Bereiche an der Fassade: Das „Bay-Window“ macht als Schwellenraum zwischen Innen und Außen die Lage an Main und Osthafen direkt erlebbar. Lediglich bei der verkehrlichen Erschließung und dem Flurbereich sah das Preisgericht Überarbeitungsbedarf. „Insgesamt stellt der Entwurf eine pragmatische und schlüssige Antwort dar, dessen städtebauliche Integration nicht in Konkurrenz zu der ikonenhaften Wirkung der EZB tritt“, lautete das Juryurteil.

„Das Gebäude bildet in seiner differenzierten filigranen Erscheinung auf dem Molenkopf eine ungewöhnliche Landmarke für die Stadt Frankfurt. Es gelingt ihm, mit dem baulichen und landschaftsräumlichen Kontext (auch EZB) in einen interessanten Dialog zu treten. In der tektonischen Setzung von massivem Sockel mit kristalliner Skulptur verortet es sich zwischen den steinernen Brückenköpfen am Boden und den skelettartigen Brückenträgern in der Luft.“ So beschreibt die Jury den Entwurf der KSP Jürgen Engel Architekten. Dass die Arbeit den Sockelbereich über das Gebiet hinausdenkt, wurde generell begrüßt. Der öffentlich zugängliche Bereich am Main sei für Besucher allerdings wenig ansprechend; Tragwerk und Fassade technisch kompliziert und somit wirtschaftlich aufwändig. Das geforderte Raumprogramm für den Hotel- und Boardingbereich ist weitestgehend erfüllt.

Mit zurückhaltender Eleganz reagiert der Entwurf von Hadi Teherani Architects auf die prominente Lage am Main. Er besticht durch einen klaren, das Grundstück nachzeichnenden Baukörper mit gefalteter, gerasteter Fassade. Das gewählte Fassadenmotiv lasse das Gebäude jedoch breit und gedrungen erscheinen, zumal die Faltung der Ostfassade den übrigen Fassaden die gestalterische Kraft nehme, so die Jury. Die Intention, den Gebäudesockel attraktiv zu gestalten und zur Terrasse zu öffnen, wurde positiv bewertet, wenngleich die Zugänglichkeit der Terrasse noch großzügiger gestaltet werden müsse. Neben der Zufahrt für Gäste, die durch die natürliche Belichtung sehr ansprechend ist, sind auch Struktur und Anordnung der Boarding- und Hotelzimmer schlüssig gelöst. Die Raumfolge und Sichtachsen im Erdgeschoss ermöglichen eine klare Orientierung, lobte die Jury.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Züricher Architekten Prof. Kees Christiaanse empfahl dem Auslober einstimmig, die Verfasser des mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurfs mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen. Im Frühjahr 2020 soll mit den Bauarbeiten begonnen werden; die Fertigstellung und Eröffnung der beiden Hotels ist für 2022 geplant.

Lena Pröhl