Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Westliches Umfeld ICE-Bahnhof, Fulda

Preisträger

1. Preis: yellow z - Abel Bormann Koch Architekten und Stadtplaner PartGmbB, Berlin

17.000 €

Mario Abel, Oliver Bormann, Prof. Dr. Michael Koch
Mitarbeit: Jens Schulze, Nina Schulz

2. Preis: raumwerk Gesellschaft für Architektur & Stadtplanung mbH, Frankfurt/Main

13.000 €

Sonja Moers, Thorsten Wagner, Jon Prengel
Mitarbeit: Kai Rappold, Daniel Cythgoe, Yni Ohtsuka,
Berater: Bierbaum Aichele: Konrad Deines; Mociety Consult: Thomas Ernst

3. Preis: schneider+schumacher Städtebau GmbH, Frankfurt/Main, mit GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel und Oppermann GmbH, Vellmar

9.000 €

Till Schneider, Michael Triebswetter, Yves Vogt
Mitarbeit: von s+s: Gordan Dubokovic, Aleksandra Jojic, Vivienne Zimmermann, Zhuo Sun
von GTL: Mathias Gehring, Mingge Yu
von Oppermann: Irene Scheffer

Anerkennung: O&O Baukunst GmbH, Köln

3.000 €

Christian Heuchel
Mitarbeit: Helena Feldmann-Fischer, Mee Hyun Lee, Levi Kiss, Katharina Müller
Berater: FSWLA Landschaftsarchitektur: Prof. Thomas Fenner, Milka Mladenova; OSD Office for Structural Design: Prof. Klaus Fäth; LINDSCHULTE Ingenieure Architekten Generalplaner: Beata Brückner, Mara Kleuser

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger interdisziplinärer Ideenwettbewerb als kooperatives Verfahren
Preisgerichtssitzung 12.03.2019
Ort Fulda
Auslober Magistrat der Stadt Fulda - Stadtplanungsamt
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Thomas Wirth (Vorsitz), Christian Bexen, Prof. Dr. Maren Harnack, Prof. Dr. Carsten Sommer, Prof. Dorothea Voitländer, Walter Krah, Dr. Albert Post, Daniel Schreiner, Dr. Heiko Wingenfeld

Fulda weiterbauen
Westliches Umfeld des ICE-Bahnhofs in Fulda

Der ICE-Bahnhof Fulda ist zentraler Verkehrsknotenpunkt für Osthessen und Eingangsort für die Fuldaer Innenstadt sowie die nahegelegenen Einrichtungen für Kongresse und Messen. Angesichts funktionaler und gestalterischer Schwächen des Bahnhofes und seines Umfeldes sowie mit Blick auf anstehende Großveranstaltungen wie das Stadtjubiläum plant die Stadt Fulda eine Neugestaltung des westlichen Umfeldes des ICE-Bahnhofs.

Mithilfe des ausgelobten Ideenwettbewerbs sollen sowohl kurz- und langfristige Lösungen für die Nutzung und Gestaltung des Wettbewerbsgebiets als auch dessen Vernetzung mit den angrenzenden Stadträumen entwickelt werden. Das Sparda-Bank Gebäude am westlichen Rand des Bahnhofsvorplatzes soll erhalten werden, kann aber auch vollständig überplant werden. Dann ist die Bruttogrundfläche des Bürogebäudes in derselben Größenordnung wieder herzustellen. Die Verfahrensbetreuung übernahm das Darmstädter Büro Stadtbauplan GmbH.

Als Sieger setzte sich der Entwurf des Berliner Büros yellow z - Abel Bormann Koch Architekten und Stadtplaner PartGmbH durch, der sich am Bestand orientiert und zugleich auch einige für Fulda wichtige Zukunftsthemen aufgreift. Dem Bahnhofsvorplatz wird dreiseitig eine neue Fassung gegeben, die vorwiegend aus Treppenanlagen besteht. Besonders sticht dabei der geplante Mobilitätspavillon ins Auge. Durch seine gute Platzierung vermittele er zwischen den vorhandenen Ebenen und könne ein wichtiges Angebot für Fahrradfahrer schaffen, so die Jury. Auch die Wegnahme des Balkons vor dem Spardahaus wurde positiv bewertet. Entlang der Ruprechtstraße entwickelt sich ein gemischtes Quartier. Östlich davon erhält der großzügige Omnibusbahnhof seinen neuen Standort, ein direkter Zugang zum Bahnhof wird ermöglicht. Nachbesserungsbedarf sah das Preisgericht im Bereich der ehemaligen Güterhallen, wo anstelle der Kongressnutzung lieber ein niedrigschwelliges Angebot geschaffen werden sollte. Die Verbreiterung der Passerelle wurde gelobt, wenngleich eine Integration von Einzelhandel zugunsten einer Trennung von Fahrrad- und Fußgängerverkehr zu überprüfen sei. Insgesamt ist Entwurf ein „guter Beitrag zur Weiterentwicklung des Bahnhofareals“, lautete das Juryurteil.

Mit dem zweiten Preis würdigte die Jury den Entwurf der raumwerk Gesellschaft für Architektur & Stadtplanung mbH aus Frankfurt. Durch Anheben des Platzes zum oberen Eingangsniveau des Bahnhofs generiere die Arbeit ein bestechendes Bild: Der Bahnhof steht, wie zur Zeit der Erbauung gedacht, ebenerdig in der Stadt, der vorgelagerte Platz besitze gute Aufenthaltsqualitäten. Auch die vorgeschlagenen Gestaltungselemente wie die beiden Bauminseln wurden gelobt. Das Verkehrskonzept dagegen konnte die Jury nicht überzeugen. Die bislang baulich getrennte Straße wird im Platzniveau geführt, wodurch sich eine nur sehr kleine Vorplatzsituation ergibt. Das über die Gleise geführte Bahnhofsbauwerk sei funktional bestechend, besonders durch die Trennung von Rad- und Fußverkehr. Die Nordausrichtung müsse jedoch zugunsten einer Orientierung nach Süden zum ZOB aufgegeben werden. „Die Arbeit ist, mit der Rückführung auf die ursprüngliche Situation des Bahnhofs, ein guter Beitrag. Der Städtebau ist, mit dem zum Straßenraum der Maria-Ward-Straße geöffneten Block und dem massig wirkenden Gebäude des ZOB wenig ausgearbeitet. Der südliche Abschluss hingegen wirkt adressbildend und räumlich stark“, hieß es im Juryurteil.

Der dritte Preis ging an das Frankfurter Büro schneider+schumacher Städtebau GmbH in Zusammenarbeit mit GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt (Kassel) und Oppermann GmbH (Vellmar). Die Arbeit hält an der Idee einer Osttangente fest und damit auch an der aktuellen Galeriesituation. Der Straßenraum wird aufgeweitet, wobei der Flächenverbrauch nicht in Relation zum Gewinn stünde; der schmale Mittelstreifen könne kaum als Querungshilfe dienen. Der Bahnhofsvorplatz ist großzügig angelegt und erhält durch die Stadtgalerie auch im Norden einen Abschluss. Als besonders gelungen betrachtete die Jury die beiden getrennten, plakativ angeordneten Eingänge für die Bahn und den ZOB, die zu einer guten Orientierung sowie einem einladenden Erscheinungsbild beitragen. Gut gegliedert seien die Neubebauung hinter dem Spardagebäude mit Pocketparks, die sich wechselweise nach Ost und West orientieren, sowie der schmale Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs. „Insgesamt bleibt die Arbeit sehr nahe an der Bestandssituation, es gelingt ihr jedoch in vielen Punkten die aktuelle Situation deutlich zu klären und zu verbessern“, so das Fazit.

Eine Anerkennung wurde an die O&O Baukunst GmbH aus Köln vergeben. Die Arbeit gewinne ihre Stärke dadurch, dass sie sich zugunsten einer großen Geste über viele Gegebenheiten hinwegsetze.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Kitzinger Landschaftsarchitekten und Stadtplaners Thomas Wirth empfahl dem Auslober, mit einem oder mehreren der Preisträger die weiteren Bearbeitungsschritte durchzuführen.

Lena Pröhl