Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau zweier nutzungsgemischter Gebäudekomplexe Schönhofviertel mit Ideenteil für einen Quartiersplatz, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis Baufeld B: Menges Scheffler Architekten PartG mbB, Frankfurt mit sander.hofrichter planungsgesellschaft mbH, Berlin

45.000 € (netto)

Eva Menges, Dominica Sander
Mitarbeit: Dirk Becker, Ernst Ulrich Scheffler, Katharina Balke, Maddalena Cassani, Kai Messing, Moritz Münzenmaier, Max Schöttle
Fachberater: Willi Hildebrandt von Bauer Landschaftsarchitekten

2. Preis Baufeld B: Ackermann + Raff GmbH & Co.KG, Stuttgart

27.000 € (netto)

Oliver Braun
Mitarbeit: Stefan Hofmann, Mike Schmidt, Sebastian Weckert

1. Preis Baufeld G: Ackermann + Raff GmbH & Co.KG, Stuttgart

45.000 € (netto)

Oliver Braun
Mitarbeit: Stefan Hofmann, Mike Schmidt, Sebastian Weckert

2. Preis Baufeld G: Menges Scheffler Architekten PartG mbB, Frankfurt mit sander.hofrichter planungsgesellschaft mbH, Berlin

27.000 € (netto)

Eva Menges, Dominica Sander
Mitarbeit: Dirk Becker, Ernst Ulrich Scheffler, Katharina Balke, Maddalena Cassani, Kai Messing, Moritz Münzenmaier, Max Schöttle
Fachberater: Willi Hildebrandt von Bauer Landschaftsarchitekten

Anerkennung: Hoechstetter und Partner, Darmstadt

18.000 (netto)

Prof. Rolf Hoechstetter, Rainer Slegel, Aline Herrmann, Angela Bezzenberger
Mitarbeit: Rick Schneider
Fachberater: gmb, Darmstadt (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 02.03.2019
Ort Frankfurt/Main
Auslober Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH + Instone Real Estate Developement GmbH
Betreuung BSMF mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Johann Eisele, Anja Kuger, Jürgen Quattländer, Roland Gerd Effgen, Karl-Heinz Staab, Ralf Werner, Jan Schneider, Stephan Kuger, Peter Klarmann, Monika Rippberger

Ex-Siemens-Areal wird neues Wohnviertel
Neubau zweier nutzungsgemischter Gebäudekomplexe für das Schönhof-Viertel mit Ideenteil für einen Quartiersplatz, Frankfurt/Main

Bockenheim zählt zu den beliebtesten Stadtteilen Frankfurts. Immer mehr Menschen zieht es hier hin; Wohnraum ist begehrt. Auf dem ehemaligen Siemens-Gelände und einigen angrenzenden Grundstücken zwischen der Rödelheimer Landstraße im Norden, Bahngleisen im Osten und Süden sowie dem Gewerbegebiet Ludwig-Landmann-Straße im Westen soll daher sukzessive ein neues durchgrüntes Stadtquartier entstehen, das Schönhof-Viertel.

Es soll ein lebendiges Wohnviertel werden mit insgesamt 2.000 Wohnungen, 600 davon gefördert. Der übrige Wohnraum mischt sich aus frei finanzierten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. Auch eine Kindertagesstätte, Schule und Gewerbe sind geplant. Für die Gestaltung der beiden ersten Baufelder – zwei Gebäude und ein dazwischenliegender Quartiersplatz – hatte die Nassauische Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH zusammen mit Instone Real Estate Developement GmbH einen EU-weiten, nicht offenen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Betreut wurde das Verfahren vom Frankfurter Büro BSMF mbH. Den Zuschlag erhielten das Stuttgarter Büro Ackermann + Raff GmbH & Co.KG sowie das Team Menges Scheffler Architekten PartG mbB aus Frankfurt mit sander.hofrichter planungsgesellschaft mbH aus Berlin.

Der Entwurf des ortsansässigen Büros Menges Scheffler Architekten sieht eine kompakte fünf- bis siebengeschossige Blockrandbebauung vor. Besonders angetan zeigte sich die Jury von der Gestaltung des nördlichen Baufeldes B: Die Kita ist im ersten Obergeschoss untergebracht und wird vom Birkenweg aus erschlossen. Die Hauptflächen aber befinden sich in einem separaten eingeschossigen Riegel, der den Innenhof in zwei Außengelände mit Bepflanzung und Spielmöglichkeit unterteilt. Auch die Innenraumgestaltung überzeugte: Die Gruppen- und Spielbereiche seien sinnvoll gegliedert und durch Oberlichter gut strukturiert. Der Übergang zu den Wohnnutzungen wird durch eine Hecke räumlich abgetrennt.
Einzelhandel und Schule im südlichen Baufeld G orientieren sich zum Quartiersplatz hin. Die Turnhalle befindet sich im Innenhof; ihr Dach dient als Schulhof, an den sich der Schulgarten zur Wohnbebauung hin angliedert.
Der gewünschte Wohnungsmix ist nachgewiesen: Die Wohnungen werden im Regelfall straßenseitig als Vier- bis Sechsspänner erschlossen. Die Maisonette-Wohnungen über der Schule sind über den Innenhof zugänglich. Ansprechend gelöst sei auch die Fassadengestaltung und -gliederung mit Keramikplatten und Verglasung.

Ackermann + Raff aus Stuttgart schlagen ebenfalls eine geschlossene Blockrandbebauung, wobei die beiden vorgesehenen Blöcke eine städtebauliche Spange bilden, die dem Quartier eine Mitte gibt. Beide Blöcke weisen die gleiche Gliederung mit zwei verklinkerten Basisgeschossen auf, die durch Vor- und Rücksprünge strukturiert werden und alle „öffentlichen“ Funktionen aufnehmen; die aufgesetzten Wohngeschosse (2. bis 6. OG) dagegen besitzen eine gestalterisch leichtere Putzfassade mit strukturiertem Fensterbild. Vor allem die Anordnung der öffentlichen Nutzungen wurde gelobt. Sie trage zu einer Belebung des Quartierplatzes bei, waren sich die Preisrichter sicher. Neben gastronomischen Angeboten im Baufeld B bietet Baufeld G ein Forum mit unterschiedlichsten Nutzungen wie Bibliothek und Konzerte an und wird somit die „Funktion eines Stadtteilzentrums“ übernehmen, so das positive Fazit.
Die Grundschule wird u-förmig um den zentralen Pausenhof organisiert, der sich über zwei Ebenen (EG und 1. OG) nach Westen erstreckt. Für die einzelnen Jahrgangsstufen sind eigenständige Lernateliers vorgesehen, in deren Mitte sich jeweils eine Multifunktionsfläche mit direktem Blickbezug nach außen befindet. Die Jury bescheinigte der innovativen, horizontalen Hybridschule sehr gute innen- und außenräumliche Qualitäten. Inspiriert ist der Entwurf von Schulen in Skandinavien und den Niederlanden und nimmt deutschlandweit eine Vorreiterrolle ein.

Mit Anerkennungen würdigte die Jury zudem die Arbeiten von Hoechstetter und Partner Architekten PartG mbB aus Darmstadt und  Spengler Wiescholek Architekten und Stadtplaner aus Hamburg.

Das Preisgericht, dem die Frankfurter Architektin Prof. Anett-Maud Joppien vorsaß, empfahl den Auslobern einstimmig, die beiden ersten Preisträger mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen. Im Zuge der Bebauung des Schönhof-Viertels wird es künftig noch weitere Architektenwettbewerbe geben. 2024 soll das Viertel dann fertiggestellt sein.

Lena Pröhl