Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen

Preisträger

1. Preis: impuls Landschaftsarchitekten, Jena

12.000 € (netto)

Josephine Facius, Holgar Ehrensberger, Philipp Facius
Mitarbeit: Jonas Obertüfer

2. Preis: MANN Landschaftsarchitektur, Fulda

6.000 € (netto)

Tobias Mann
Mitarbeit: Matthias Kimmel, Ulli Werner, Simon Tröger
Fachberater: Filip Staszkiewicz

3. Preis: Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin

4.000 € (netto)

Franz Reschke
Mitarbeit: Janina Gäckler, Richard Roßner
Fachberater: Anselm von Held Lichtplanung

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nicht offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 07.03.2019
Ort Witzenhausen
Auslober Stadt Witzenhausen Bauverwaltung
Betreuung BSMF mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Angela Bezzenberger (Vorsitz), Till Rehwaldt, Prof. Wigbert Riehl, Daniel Herz, Bernd Westermann

Zentrum in neuem Gewand
Die Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen

Die Kleinstadt Witzenhausen liegt im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Herzstück der historischen Altstadt ist der Marktplatz, der im Laufe der Zeit sein Aussehen und seine Funktionalität immer wieder verändert hat. Zuletzt wurde er Anfang der 1980er Jahre zu einer Fußgängerzone umgebaut. Da der Platz in die Jahre gekommen ist und heutigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Erschließung und Nahmobilität nicht mehr genügt, plant die Stadt seine Umgestaltung.

Vorschläge hierfür lieferte nun der nichtoffene Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren, den das Frankfurter Büro BSMF mbH betreute. Gewünscht war eine barrierefreie, vielseitig nutzbare Platzfläche mit sicheren Verkehrswegen für Fußgänger und Radfahrer. Besonderer Wert war auf Nachhaltigkeit bei Baustoffen und Bepflanzung zu legen.

Als Sieger setzte sich der Entwurf der impuls Landschaftsarchitekten aus Jena durch. Der neue Marktplatz spannt sich als zusammenhängende Fläche zwischen den Gebäuden auf; das Rathaus rückt in den Mittelpunkt. Die gegenüberliegenden Platanen werden erhalten und mit Sitzmöbeln versehen. Dadurch „entsteht ein ruhiger und Schatten spendender hochwertiger Aufenthaltsbereich“, lobte die Jury. Das Rathaus und der Platz der Platanen bilden die starken Kontrahenten im Gesamtensemble des Witzenhäuser Marktplatzes. Ergänzt wird die Pflanzung durch zwei zusätzliche Platanen im Süden des Rathauses. Als Belag schlagen die Verfasser Kleinsteinpflaster aus Porphyr vor. Der Innenbereich des Platzes wird dabei als Intarsie ausgebildet, die die Fluchten des Rathauses betont. Die Entwässerung erfolgt über Natursteinrinnen. Angetan zeigte sich das Preisgericht auch vom Beleuchtungskonzept mit multifunktional nutzbaren Lichtstelen sowie einer „atmosphärischen Beleuchtung des Baumdaches“. Der historische Brunnen findet seinen ursprünglichen Standort wieder. „Das Konzept lebt von der reduzierten, aber sehr differenzierten und in die Zukunft gerichteten Idee. Es spiegelt eine sehr präzise Berücksichtigung des Ortes und der Historie wider“, lautete das Juryurteil.

„Die Arbeit überrascht durch einen erfrischend anderen Blick auf den Marktplatz. Die bisherige kompakte Setzung von Großgrün im Nordosten wird zugunsten einer sich über den ganzen Platz erstreckenden freien Baumstellung aufgelöst. (…) Es gelingt damit eine neue (…) Räumlichkeit zu entwickeln, die die prägenden baulichen Raumkanten des Platzes respektvoll erlebbar macht und trotzdem (…) fließende ineinander übergehende sowie einladende Teilräume für eine zukunftsweisende individuelle Bespielung öffnet.“ So beschreibt die Jury den zweitplatzierten Entwurf von MANN Landschaftsarchitektur aus Fulda. Die intendierte Lebendigkeit werde konsequent durch das Lichtkonzept mit wenigen, aber konzentriert gesetzten Spotlights unterstützt. Allerdings gebe es auch Brüche im Entwurf. Der vorgeschlagene Pflasterbelag aus Grauwacke wurde als dem Ort angemessen bewertet, der römische Verband mit seiner geometrischen Regelmäßigkeit jedoch hinterfragt, ebenso wie die lineare Setzung von Bänken entlang der Fahrtrasse. Nichtsdestotrotz lobten die Preisrichter die Arbeit als mutigen, freien Ansatz, der „fern von bisherigen Denkmustern einen in den Funktionen stimmenden sowie gestalterisch spannenden wie zukunftsweisenden Entwurf von atmosphärischer Dichte liefert.“

Auf dem dritten Platz landete der Entwurf von Franz Reschke Landschaftsarchitektur aus Berlin, der den Platz in Zonen mit unterschiedlichen atmosphärischen Qualitäten gliedert: Gelungen sei vor der angenehm dimensionierte Raum um den Marktbrunnen sowie das Arrangement aus Platanen. Die darunter platzierten Bankelemente könnten nicht nur zum Sitzen, sondern auch als kleiner Aktionsraum (Bühne, Ausstellung, Verkauf) multifunktional genutzt werden. Gegenüber dieser lebendigen Mitte habe der östliche Bereich, in dem die Bushaltestelle verortet ist, eine relativ sperrige Anmutung. „Insgesamt jedoch ist der Entwurf ein herausragender Ansatz, die Mitte von Witzenhausen neu zu definieren, ohne den Bezug zum Bestehenden zu verlieren. Durch ein angenehmes Maß `ländlicher Urbanität´ entsteht ein Stadtraum von hoher ästhetischer Qualität und Lebendigkeit, der ebenso durch seine Offenheit und Funktionalität zu überzeugen vermag“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Das Preisgericht unter Vorsitz der Darmstädter Landschaftsarchitektin Angela Bezzenberger empfahl der Stadt Witzenhausen, den ersten Preisträger mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen.

Lena Pröhl