Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Grand Central Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Mecanoo architecten, Delft

40.000 € (netto)

Francine M. J. Houben
Mitarbeit: Nuno Fontarra, Dick van Gamerem, Natalia Leszcynska, Kristen Schaetek, Tristan Battistoni

2. Preis: MÄCKLERARCHITEKTEN GmbH, Frankfurt/Main

20.000 € (netto)

Prof. Christoph Mäckler
Mitarbeit: Christophe Kneip, Torben Heymann, Junlong Song, Eleonora Ott, Jing Sun, Anna Vladimirova

3. Preis: Ferdinand Heide Architekt, Frankfurt/Main

10.000 € (netto)

Ferdinand Heide
Mitarbeit: Lorenz Heide, Philipp Sontach
Fachberater: ZWP Ingenieur-AG, (TGA), Die Landschaftsarchitekten Bittkau-Bartfelder, Petra Bittkau (Landschaftsarchitektru), beide Wiesbaden

3. Preis: HPP Architekten GmbH, Frankfurt/Main

10.000 € (netto)

Gerhard G. Feldmeyer
Mitarbeit: Antonino Vultaggio, Matthias Faber, Erik Nohr, Lisa Kauer, David Schwitzke, Daniel Esser
Fachberater: ARUP Deutschland GmbH, Burkhard Miehe, Frankfurt/Main (TGA)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, hochbaulicher Wettbewerb im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 30.11.2018
Ort Frankfurt/Main
Auslober GC TÜ - GmbH
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Jan Kleihues (Vorsitz), Jürgen Groß, Martin Hunscher, Prof. Jochem Jourdan, Frank Junker, Dr. Frank Lebsanft, Günther Schaller, Dr. Marcus Gwechenberger, Michael Stapf

Neues Quartier in Bahnhofsnähe
Grand Central Frankfurt/Main

Auf dem Areal des ehemaligen Postverteilzentrums an der Adam-Riese-Straße zur Ecke Hafenstraße in Frankfurt soll in fußläufiger Distanz zum Hauptbahnhof ein gemischt genutztes Quartier entstehen. Auf den insgesamt rund 55. 000 Quadratmetern sind bis zu 600 Wohnungen geplant, die sich auf einen 140 Meter hohen Wohnturm und ein angrenzendes Nachbargebäude (bis zu 60 Meter Höhe) verteilen. Eine Kita sowie Gewerbeflächen für Nahversorgung und Gastronomie komplettieren den Quartiers-Mix und sollen einen neuen, attraktiven und urbanen Standort schaffen. Der Anteil an gefördertem Wohnraum wird etwa 16.500 Quadratmeter Wohnfläche betragen.

Der Sieger des nichtoffenen, hochbaulichen Wettbewerbs im kooperativen Verfahren kommt aus den Niederlanden: In der Preisgerichtsitzung am 30. November 2018 konnte das Delfter Büro Mecanoo architecten die achtköpfige Jury überzeugen und sicherte sich den ersten Preis. Dicht dahinter auf Platz zwei landete die ortsansässige MÄCKLERARCHITEKTEN GmbH. Auch die beiden dritten Plätze gingen nach Frankfurt – an den Architekten Ferdinand Heide und die HPP Architekten GmbH.

„Der (Sieger-)Entwurf setzt sich feinsinnig mit der städtebaulichen Situation auseinander und fügt die neuen baulichen Setzungen mit dem vorhandenen Posthochhaus zu einem stimmigen Ensemble“, lobte das Preisgericht. Die Verfasser platzieren den Wohnturm, dessen Fassade nach oben hin transparenter, nach unten zunehmend geschlossener wirkt, in der südwestlichen Ecke des Wettbewerbsgebiets. Über einen eingeschossigen Sockel im rückwärtigen Bereich ist hieran ein ähnlich gestalteter, jedoch deutlich niedrigerer Baukörper angebunden. Die Fassaden bestehen aus Terrazzo-Fertigteilen; für die Balkone sind kupferfarbene Metallverkleidungen vorgesehen. „Eine Reminiszenz an die Schienen im benachbarten Gleisfeld“, so die Preisrichter. Doch nicht nur die einheitliche „Fassadensprache“, auch die Gebäudeanordnung, die „unverstellte Blicke“ erlaube und „unangenehme Rückseiten“ vermeide, überzeugte. Durch die im Süden freigehaltene Wegeachse zum Hauptbahnhof sei zudem die gewünschte direkte Verzahnung mit der Stadt gegeben. Auch die geschützte und zugleich prominente Lage der Kita stieß auf breite Zustimmung. Die Verteilung von gefördertem und frei finanziertem Wohnungsbau sei angemessen, die Wohnungen selbst „gut geschnitten“ mit „wohlproportionierte(n) Räume(n) und umlaufende(n) Balkone(n).“

Der zweitplatzierten MÄCKLERARCHITEKTEN GmbH gelinge es mit ihrem „interessanten, mutigen, (…) eigenständigen Entwurf“, ein „klares städtebauliches Statement“ zu setzen. Die Arbeit sieht einen „markante(n), ikonenhafte(n) Wohnturm“ vor, mit einer durch Balkone und Loggien differenzierten Alu-Glas-Fassade. Gestaltgebendes Element ist der rote Mainsandstein: Aus ihm ist der starke, sich nach oben verbreiternde Fuß gefertigt. Zudem findet sich das Material in den obersten Geschossen als Emblem wieder. Hierauf fußt als „krönende(r) Abschluss“ ein konvex geschwungenes Flugdach. Das zweite, kleinere Gebäude ist ebenfalls aus Mainsandstein und wird über eine eingeschossige Verbindung an den Wohnturm angebunden. Darüber hinaus bestachen sowohl die Qualität der Wohnungen - gerade auch die der geförderten im Sockel - als auch die Fußgänger-Verbindung zum Bahnhofsareal und zur Hafenstraße.

Ein dritter Preis ging an Ferdinand Heide für seinen kompakten Entwurf. Durch die Konzentration der Bebauung auf den südlichen Bereich des Grundstücks würden sich vor allem „große Qualitäten im Freibereich“ ergeben, so die Preisrichter. Der Wohnturm entwickelt sich aus einem „komprimierten, bis zu 8-geschossigen Block“ und besitze „eine beachtliche Präsenz in der Fernwirkung“. Das kleinere Hochhaus hingegen trete in den Hintergrund. Die Sockelbebauung gebe dem „großzügigen, wohlproportionierten“ Platz Fassung und Halt. Eine Brückenverbindung stellt die Verbindung zum Bahnhofsareal her. Auch die Unterbringung von gefördertem und frei finanziertem Wohnungsbau wurde positiv bewertet; die Erschließung des frei finanzierten Gebäudeteils über eine einladende Eingangshalle, die sich nach außen zur Stadt öffnet, als „sehr gut gelöst“ betrachtet. Optimierungspotenzial sah das Preisgericht bei der Erschließung des geförderten Wohnungsbaus und der teils zu schmalen Wohnungszuschnitte.

Einen weiteren dritten Preis erhielt die HPP Architekten GmbH. Sie präsentiert zwei trapezartige Türme, die über einen überhöhten Sockelbereich rückwärtig miteinander verbunden sind. Nach Westen und Süden, beim Wohnturm zusätzlich nach Osten, erhalten die Wohnungen in die Fassade einbezogene Loggien; nach Norden und Osten im kleineren Turm sind Balkone vorgehängt. Durch den Versatz der beiden Türme entstehe eine „angenehme Aufweitung“ sowie „eine öffnende, großzügige Geste zum Posthochhaus, das so in das Ensemble eingebunden ist“, lobten die Preisrichter. Herzstück des Entwurfs ist der „differenziert gestaltete“ Platz, der besondere Aufenthaltsqualitäten verspreche und durch die Erdgeschossnutzungen belebt werde.

Die Ausloberin, die GC TÜ – GmbH, will nun mit den Preisträgern in Dialog treten, um schließlich die Arbeit zu bestimmen, die zur Ausführung kommen soll. Der Bau des neuen Wohnquartiers soll frühestens Ende 2020/Anfang 2021 beginnen.

Lena Pröhl