Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau und denkmalgerechte Sanierung der Carlo-Mierendorff-Schule in Griesheim

Preisträger

1. Preis: ALN Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH, Landshut

48.500 € (netto)

Peter Leinhäupl, Markus Neuber, Barbara Neuber, Katharina Riedl
Mitarbeit: Stefano Baldon, Lorenzo Romaniello, Julia Schwinghammer

1. Preis: Kissler + Effgen Architekten GbR, Wiesbaden, mit Hendrikx Landschaftsarchitekten, Heuchelheim

48.500 € (netto)

Roland Effgen, Hans-Peter Kissler, Franz-Josef Hendrikx
Mitarbeit: Christian Eckes, Christine Sattler, Nico Weidenfeller
Fachberater: Transformer, Darmstadt (Modellbau)

3. Preis: gernot schulz: architektur GmbH mit Johannes Böttger, urbanegestalt PartGmbB, beide Köln

20.000 € (netto)

Prof. Gernot Schulz, André Zweering
Mitarbeit: Natalie Poschen, Johanna Köck

Anerkennung: sdks architekten dummert sonek partner mbB, Darmstadt, mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt/Main

13.000 €

Michael Sonek, Martin Schaper
Mitarbeit: Eva-Maria Thut, Florian Theisinger, Jochen Silbermann

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 19.12.2018
Ort Griesheim
Auslober Landkreis Darmstadt-Dieburg
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Prof. Anne Beer, Prof. Jean Heemskerk, Till Rehwaldt, Prof. Diana Reichle, Christel Fleischmann, Holger Gehbauer, Ina James, Klaus Rinecker

Projekt mit Modellcharakter
Neubau und denkmalgerechte Sanierung der Carlo-Mierendorff-Schule in Griesheim

Der lang ersehnte und oft verschobene Um- und Neubau der Carlo-Mierendorff-Schule im südhessischen Griesheim nimmt Gestalt an. Ein nichtoffener Realisierungswettbewerb, an dem sich vierzehn Büros aus ganz Deutschland beteiligten, lieferte nun Lösungsvorschläge für den Ausbau zu einer inklusiven Ganztagsschule.

Die in die Jahre gekommene Carlo-Mierendorff-Schule besteht aus sechs ein- bis zweigeschossigen Bauteilen, die ein denkmalgeschützes Gebäudeensemble bilden. In der drei- bis vierzügigen Grundschule mit Vorklassen werden derzeit 280 Schüler unterrichtet. Im Zuge des Neubaus sollen die Zügigkeit erhalten und 15 Klassen für nunmehr 350 Schülerinnen und Schüler geschaffen werden. Da sich im Bestand keine zeitgemäße Struktur umsetzen ließ, wurde gemeinsam mit dem Denkmalamt über einen Neubau mit Teilerhalt entschieden. Der rund 6.200 Quadratmeter große Neubau wird auf der Freifläche der bestehenden Schule umgesetzt und anschließend der Bestand, bis auf den sanierten Teil, zurückgebaut. Die Funktionsbereiche sollen zu drei zentralen Nutzungseinheiten (Unterrichts-, Gemeinschafts- und Verwaltungsbereich) zusammengefasst werden, die sich wiederum in kleinere, überschaubarere Einheiten, die Cluster, gliedern.

Der erste Preis wurde gleich zweimal vergeben: Die Preisrichter lobten die starke architektonische Haltung des Entwurfs der ALN Architekturbüro Leinhäupl + Neuber GmbH aus Landshut. Die Grundschule werde hier „souverän als neue(r) Hauptakteur auf dem Gelände präsentiert und daraus eine hohe Wiedererkennung mit dem Gebäude abgeleitet.“ Die Verfasser schlagen ein dreigeschossiges, kompaktes Gebäude vor, das durch die „großzügig umlaufenden Terrassen und die sorgfältige Gestaltung der Innenräume“ ein „sehr eigenständiges Innenleben mit guter Belichtung und hoher Qualität erzeuge.“ Räumlich schaffe die Arbeit eine Spange zwischen den Bestandsgebäuden, dem denkmalgeschützten Schultrakt und der Sporthalle, wobei die s-förmige Grundform mit den auskragenden Geschossdecken geschickt zum Bestand hin vermittele. Auch die beiden große Freiräume und insbesondere der Erhalt des Kiefernwäldchens wurden positiv bewertet.

Ein weiterer erster Preis ging an die KISSLER + EFFGEN ARCHITEKTEN GbR aus Wiesbaden mit Hendrikx Landschaftsarchitekten aus Heuchelheim. „Mit einer kreisförmigen Bewegung schaffen es die Verfasser, sowohl die Bestandsgebäude als auch den Schulneubau mit einer einzigen Geste zusammenzufassen. Durch diese klare Setzung entsteht im Zentrum eine attraktive landschaftliche Mitte, die das Herzstück des Campusgeländes bildet“, lobte das Preisgericht den „starken konzeptionellen“ Ansatz der Arbeit. Angetan zeigten sich die Preisrichter auch von dem „großzügigen multifunktionalen Foyer“, das sich zur Mensa, zum Musikraum und Selbstlernzentrum erweitert und somit die „Mitte der öffentlichen Nutzungen der Schule“ bildet. Die Klassenräume sind über zwei Geschosse clusterartig an den Kreisbogen angeschlossen; das Obergeschoss ist mit einer Loggia an den Grünraum angebunden. Als Besonderheit wurde die Platzierung der Therapieräume in den beiden bestehenden Pavillons hervorgehoben. Hierdurch werde der „unter Denkmalschutz stehende Gebäudebestand im Ensemble integriert und sinnträchtig für schulische Zwecke von beiden Schulen (gemeint sind die Carlo-Mierendorff-Schule und die benachbarte Schule am Kieferwäldchen) genutzt.“ Die Arbeit, so das Preisgerichtsurteil, leiste insgesamt „einen eigenständigen Beitrag zur Symbiose zwischen Landschaft und Architektur.“

Einen dritten Preis erhielt die Kölner Bewerbergemeinschaft gernot schulz: architektur GmbH mit Johannes Böttger, urbanegestalt PartGmbB. Die Verfasser sehen ein als Holzbau errichtetes, kompaktes Schulgebäude in der nordwestlichen Ecke des Grundstückes vor. Die Haupterschließung erfolge “folgerichtig“ von Süden. Auch „die klare Zonierung“ sowie die „gute Orientierung“ wurden gelobt. Die Aula befindet sich in der Mitte; Sonderräume und Verwaltung sind im Erdgeschoss angeordnet, die Klassenräume im Obergeschoss. Neben dem behutsamen Umgang mit dem Denkmal wurde insbesondere die Idee, „mit der Definition unterschiedlich thematisierter Orte ein breites Spektrum von Nutzungsangeboten zu schaffen“, gewürdigt.

Mit einer Anerkennung wurde die sdks architekten dummert sonek partner mbB aus Darmstadt mit Götte Landschaftsarchitekten GmbH aus Frankfurt bedacht. Ihre „vorgeschlagene Pavillonstruktur (werde) der Bauaufgabe einer Grundschule gut gerecht.“

Das Preisgericht, dem der Darmstädter Architekt Prof. Johann Eisele vorsaß, empfahl dem Auslober einstimmig, dem weiteren Verfahren die beiden ersten Preise zugrunde zu legen.

 

Lena Pröhl