Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Wohn- und Geschäftshaus Karstadt-Areal, Rüsselsheim

Preisträger

1. Preis: raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH mit BIERBAUM.AICHELE. landschaftsarchitekten, beide Frankfurt/Main

16.000 € (netto)

Sonja Moers, Klaus-Dieter Aichele
Mitarbeit: Kai Rappold, Lena Ramseier, Daniela Merten, Daniel Lythgoe, Konrad Deines

1. Preis: FFM-ARCHITEKTEN. TOVAR + TOVAR PartGmbB, Frankfurt/Main

16.000 € (netto)

Hendrik Tovar
Mitarbeit: Annika Schröck, Mareike Drux, Timothy Theune, Gwenaelle Mauguen
Fachberater: mainfeld ffm, Frankfurt/Main (Visualisierung), gbm modellbau GmbH, Darmstadt (Modellbau)

3. Preis: Bitsch + Bienstein PartGmbB, Wiesbaden

8.000 € (netto)

Peter Bitsch
Mitarbeit: Torsten Maceus, Florian Mathieu, Marvin Schlüter, Jurij Reklin

Anerkennung: bb22 architekten + stadtplaner PartG mbB, Frankfurt/Main

4.000 € (netto)

Felix Nowak
Mitarbeit: Ines Nowak, Martin Hinz, Johannes Heynold, Tim Friedrich, Moran Lev, Maria Brandmeyer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 30.01.2019
Ort Rüsselsheim
Auslober gewobau Gesellschaft für Wohnen und Bauen Rüsselsheim mbH
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Nils Kraft, Heike Eberts-Schad, Prof. Jean Heemskerk, Prof. Kerstin Molter, Thekla Sturm, Prof. Rudolf Scheuvens, Prof. Michael Spies, Udo Bausch, Karl-Heinz Schneckenberger, Christian Vogt, Torsten Regenstein

Attraktives Wohnen in zentraler Lage
Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses im Karstadt-Areal in Rüsselsheim

Das ehemalige Karstadt-Gebäude an der Frankfurter Straße im Zentrum von Rüsselsheim soll revitalisiert werden. Künftig wird anstelle des funktionalen Kaufhaus-Kastens ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus die Stadtmitte prägen. Auf 5.250 Quadratmeter sollen insgesamt 80 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen für Singles, Senioren und Familien entstehen. In der Erdgeschosszone sind Ladengeschäfte und Gastronomie geplant. Das Bürgerbüro wird an der Ecke Frankfurter Straße/Löwenstraße liegen.

14 Architekturbüros aus der Region nahmen mit ihren Entwürfen an dem nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil teil. Das Preisgericht, dem der Darmstädter Architekturprofessor Dr. Johann Eisele vorsaß, vergab zwei erste, einen zweiten und dritten Preis. Beide Siegerentwürfe sehen eine Blockrandbebauung entlang der Frankfurter Straße im nördlichen Teil des Areals und dem Friedensplatz im östlichen Teil vor; die Ecke Friedensplatz/Frankfurter Straße wird durch einen mehrgeschossigen Baukörper betont. Beide Büros schlagen einen Innenhof vor, der sowohl private Rückzugsorte als auch viel Raum für gemeinschaftliche Nutzungen bietet. Die Ausgestaltung beider Entwürfe unterscheidet sich allerdings in der Materialgestaltung und Anordnung des künftigen Gebäudeareals.

Die Frankfurter Büros Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH mit BIERBAUM.AICHELE.landschaftsarchitekten präsentieren eine dreigeschossige Hofbebauung mit „überzeugender Zonierung des privaten Außenraums auf verschiedenen Ebenen“. Dazu wird eine Reihe attraktiver Angebote vorgeschlagen, wie überdachte Fahrradabstellplätze, ein Nachbarschaftscafé mit Dachgarten, auf dem Anwohner künftig Urban Gardening betreiben können, sowie ein Quartiersplatz im Anschluss an das Café. Das vielfältige Nutzungsangebot lasse eine „hohe Identifikation der Bewohner“ erwarten, waren sich die Preisrichter sicher. Der kurze Weg aus den Wohnungen über die zweite rückwärtige Erschließung bereichere den Gemeinschaftsgedanken zusätzlich. Mit nur vier Erschließungskernen gelinge zudem eine erstaunliche Vielfalt an gut geschnittenen Wohnungen. Die raumhohen Fenster versprechen großzügige und qualitätsvolle Wohnräume. Auch Lage und Adressbildung des Stadtbüros konnten überzeugen, ebenso die markante Optik des Eckgebäudes: fünf Stockwerke, helle Klinkerfassade und die oberen Etagen springen als Dachgeschosse zurück. Im Kontrast zu den äußeren Stadtfassaden kamen bei den inneren Fassaden, die den Hof umschließenden, „warme“ Materialien wie Holz und begrünte Rankgerüste zum Einsatz. „Insgesamt ist hier ein Entwurf entstanden mit einem souveränen Mix aus zeitgemäßer Anmutung und angemessener Einbindung in den Kontext, der eine außerordentlich hohe Nutzungsqualität verspricht“, lautete denn auch das Preisgerichtsurteil.

Ein weiterer erster Preis ging an FFM-ARCHITEKTEN. TOVAR + TOVAR PartGmbB aus Frankfurt, deren Entwurf sich an der Fassade des Opel-Altwerks orientiere und gut in den städtischen Kontext einfüge. Der viergeschossige Baukörper mit Staffelgeschoss zur Frankfurter Straße erfährt mit einem sechsgeschossigen Baukörper eine markante Betonung an der Ecke Frankfurter Straße/Friedensplatz. Der Innenhof ist begrünt, Fahrrad- und Müllstellplätze überdacht. Die Dachterrasse des Hofgebäudes dient als gemeinschaftlicher Garten mit Erholungsbereichen und aktiveren Bereichen wie Urban Gardening. Besonders angetan zeigte sich die Jury von dem vorgesehenen Wohnungsmix: An der Frankfurter Straße werden überwiegend Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit Nord-Süd-Orientierung und Ausrichtung der Wohnbereiche zum Innenhof vorgeschlagen, an der Löwenstraße Drei-Zimmer-Wohnungen mit Ost-West-Ausrichtung, zum Friedensplatz und im Hofgebäude kleinteiligere Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. Die Grundrisse lassen zusammen mit den „gut nutzbaren Freiflächen eine hohe Wohnqualität erkennen“, lobte die Jury, zumal die raumhohe Befensterung den Wohnungen eine offene und großzügige Atmosphäre verleihe. „Das Gesamtkonzept überzeugt mit einer inhaltlichen und konzeptionellen Durchgängigkeit, einem klar zonierten Wohnungsangebot, attraktiven qualitätsvollen Grundrissen mit hoher Varianz und sinnvoller Zuordnung in eine städtebaulich angemessen eingefügten Baukörper“, hieß es im Juryurteil.

Auf dem dritten Platz landete der Entwurf von Bitsch + Bienstein PartGmbB aus Wiesbaden. Die Verfasser regen eine fünfgeschossige Blockrandbebauung an, die sich gut in den Bestand einfüge. Die Fassaden sind als zeitgemäße Lochfassaden ausgebildet. Die Wohnungen werden über die Frankfurter Straße und den Friedensplatz erschlossen. Ein begrünter Innenhof dient als Freibereich für die Hausbewohner mit zusätzlichem Zugang über eine einladende Treppenanlage von der Kleinen Löwengasse. Auch die Lage des Stadtbüros in der nordwestlichen Ecke des Wettbewerbsgebietes wurde positiv bewertet. Überarbeitungsbedarf sah das Preisgericht allerdings beim Eckgebäude mit dem leicht geneigten Flachdach. Hier wäre eine stärkere Eckbetonung wünschenswert.

Darüber hinaus würdigten die Preisrichter den Entwurf der bb22 architekten + stadtplaner PartG mbB aus Frankfurt mit einer Anerkennung, der sich intensiv mit dem Thema „Gemeinschaftliches Wohnen“ auseinandersetzt.

Im Anschluss an den Wettbewerb hatten beide Siegerbüros die Möglichkeit erhalten, ihre Entwürfe zu konkretisieren. Dabei konnte sich die Bewerbergemeinschaft um Raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH aus Frankfurt letztlich durchsetzen. Der Baubeginn ist für Frühling 2020 geplant.

Lena Pröhl