Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau Heinrich-Hoffmann-Schule und Kindertagesstätte, Darmstadt

Preisträger

1. Preis: v-architekten GmbH mit rmp Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, beide Köln

51.700 € (netto)

Stephan Lenzen, Dr. Markus Kilian, Jan Hertel, Tim Denninger, Diana Reichle, Michael Scholz
Mitarbeit: Sabelo Jeebe, Mohamed Amer, Chantal Feldhoff, Victor Nunez-Navarro, Rusi Valentinov Petkov, Aurélia Louvel

2. Preis: Dietrich | Untertrifaller Architekten GmbH, München mit Wenzel+Wenzel Fr. Arch. PartgmbB, Karlsruhe und Storch Landschaftsarchitektur, Dresden

32.300 € (netto)

Patrick Stremler, Dominik Daß, Robert Storch
Mitarbeit: Larissa Stützle, Björn Osmann, Johannes Krüger, Sébastien Wilwers, Sven Becker, Agnes Müller
Fachberater: IB Hausladen, Josef Bauer (Kirchheim), Bollinger+Grohmann, Angela Feldmann (München)

3. Preis: MGF Architekten GmbH mit W+S Wiedemann Schweizer Landschaftsarchitektur, beide Stuttgart

19.400 € (netto)

Jochen Schmeiz, Ines Wiedemann
Mitarbeit: Ranya Boughzala, Maximilian Link, Sandro Rendina, Laura Klose, Johannes Peter, Andreas Zacharatos

Anerkennung: raum-z architekten gmbh, Frankfurt/Main mit Keller & Keller Landschaftsarchitekten, Kronberg

8.633 € (netto)

Prof. Thomas Zimmermann, Petra Keller
Mitarbeit: Bianca Reusert, Larisa Moise, Katharina Grimm, Hendrik Dittmar, Frederik Tropp
Fachberater: Florian Albert & Onofrio Sisto GbR (Rendering / Visualisierung & Animation)

Anerkennung: CKRS Architektengesellschaft mbH mit LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, beide Berlin

8.633 € (netto)

Susanne Sturm, Rüdiger Amend
Mitarbeit: Thersa Schirmer, Philipp Sandner, Radu Slach, Julian Engmann Vitali Tamorko

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren.
Preisgerichtssitzung 19.06.2019
Ort Darmstadt
Auslober Wissenschaftsstadt Darmstadt - Darmstädter Stadtentwicklungsgesellschaft
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Brigitte Holz (Vorsitz), Prof. Anne Beer, Prof. Jürgen Hauck, Prof. Jean Heemskerk, Tobias Mann, Bernd Neis, Prof. Dr. Nicole Pfoser, Prof. Gero Quasten, Prof. Felix Waechter, Rainer Dressel, Jochen Krehbiehl, Wiltrud Lamm, Jochen Partsch, Rafael Reißer, André Schellenberg

Neues Bildungshaus an der Stadtmauer
Neubau der Heinrich-Hoffmann-Schule mit Kita in Darmstadt

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt zählt zu den stark wachsenden Regionen in Hessen. Vor allem bei jungen Familien ist Darmstadt als Wohnstandort gefragt. Um den kontinuierlich steigenden Schülerzahlen Rechnung zu tragen, plant die Stadt den Neubau der Heinrich-Hoffmann-Schule in zentraler Lage, Ecke Lindenhofstraße/Mühlstraße. Dort, wo aktuell noch die Skateranlage des BMX-und Skatervereins sowie ein Kinderspielplatz untergebracht sind, soll eine dreizügige inklusive Grundschule errichtet werden. Die Option einer Sanierung und Erweiterung am bisherigen Standort war aufgrund des maroden Zustands verworfen worden.

Im Planungsraum Stadtmitte bedarf es weiterhin eines Ausbaus der Kinderbetreuung im U3 und Ü3 Bereich. Um Synergien zu nutzen, soll auf dem Grundstück auch eine Kindertagesstätte mit je drei Krippen- und Kindergartengruppen Platz finden. So können einerseits die vorhandenen Flächen durch gemeinschaftlich genutzte Räume und (Frei-)Flächen effizient genutzt werden. Andererseits bietet das Modell die Chance, die Institutionen Kita und Grundschule konzeptionell eng zu verknüpften, Übergänge neu zu gestalten und somit nahtlose Bildungsbiographien zu ermöglichen. Vorschläge für die Gestaltung des neuen Kita- und Grundschulstandortes lieferte nun der ausgelobte Realisierungswettbewerb, der vom ortsansässigen Büro Stadtbauplan GmbH betreut worden war. Das Preisgericht vergab unter den 22 eingereichten Arbeiten drei Preise und drei Anerkennungen.

Der Siegerentwurf der v-architekten GmbH mit rmp Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten aus Köln sieht drei um einen Schulhof gruppierte Baukörper vor, die die Raumfluchten aus der Umgebung aufnehmen und sich subtil in das Umfeld integrieren. Die dreigeschossige Grundschule bildet einen angemessenen Abschluss zum Mercksplatz, die zweigeschossige Kindertagesstätte einen schönen Übergang zur Stadtmauer. Die Sporthalle mit vorgelagerter Loggia fasst den Woogsplatz. Dazwischen entstehen spannungsvolle Zwischenräume sowie ein großer Grünbereich zur Stadtmauer. Besonders angetan war die Jury von dem mittigen Schulhof, der sich zum Straßenraum absenkt und dadurch geschützt und offen zugleich ist. Grundschule und Kindertagesstätte sind jeweils ringförmig um eine Mitte angeordnet, die Flure als abwechslungsreiche Begegnungs-, Spiel- und Kommunikationszonen konzipiert. Betreten wird die Heinrich-Hoffmann-Schule von der Lindenhofstraße. Aus dem Eingangsbereich neben der Verwaltung leitet eine große Treppe auf die tiefergelegene Ebenen des Schulhofes. Hier befinden sich die Mensa und der zu ihr öffenbare Musikraum. Je zwei Klassenstufen sind auf einem Geschoss angeordnet. „Die Durchblicke von der zentralen Halle in die verschiedenen Bereiche sind attraktiv und fördern die Identifikation sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl“, lobte die Jury.

„Den Verfassern gelingt es nicht nur, den Gebäuden mit einer zeitgemäßen Architektursprache einen hohen Wiedererkennungswert zu geben, sondern diese auch durch geschickte Höhenstaffelung und räumliche Gliederung mit leicht abgewinkelten Fassaden angemessen in den Kontext zu integrieren.“ So beschreibt die Jury den zweiplatzierten Entwurf des Münchener Büros Dietrich | Untertrifaller Architekten GmbH mit Wenzel+Wenzel Fr. Arch. PartgmbB (Karlsruhe) und Storch Landschaftsarchitektur (Dresden). Die Freianlage wird als Teil der städtischen Fläche interpretiert, der Pausenhof in die Lindenhofstraße erweitert, wodurch sich allerdings Konflikte mit dem Publikumsverkehr ergeben könnten. Zugänge und Foyer sind klar gegliedert und ermöglichen eine gute Orientierung. Auch die vorgeschlagene Holzbauweise wurde begrüßt. Die Clusterbildung in den Gebäudeflügeln sei grundsätzlich richtig angeordnet, müsse aber umorganisiert werden. „Insgesamt präsentiert sich ein Entwurf, mit städtebaulich passender Positionierung und starker Eigenständigkeit, welcher in der Angemessenheit und Souveränität gut ausbalanciert ist“, lautete das Fazit der Jury.

Mit einem dritten Preis wurden die Stuttgarter Bewerbergemeinschaft MGF Architekten GmbH und W+S Wiedemann Schweizer Landschaftsarchitektur bedacht. Die Verfasser schlagen eine Z-förmige Gebäudefigur entlang der Lindenstraße vor, die in ihrer Höhenentwicklung die Maßstäblichkeit der umgebenden Bebauung aufnimmt. Geschickt bindet der Pausenhof Stadtmauer und Turmanlage ein. Erschlossen werden die Grundschule und Kita über ein großzügiges gemeinsames Foyer. Im Gelenkbereich der beiden Gebäude ist folgerichtig die Mensa platziert. Der schnörkellose, beinahe klassisch anmutende Schulbau organisiert sich um eine zentrale Halle. Die Cluster sind funktional und übersichtlich organisiert, lassen jedoch eine räumliche Differenzierung sowie direkte Außenraumbezüge vermissen, urteilte die Jury. Auch die Kita ist hinsichtlich ihrer Orientierung, Nutzungsverteilung, Belichtung und Freiraumbezügen klar und funktional organisiert, das Leitungsbüro sollte allerdings näher am Eingang, so das Juryurteil.

Anerkennungen gingen an raum-z architekten gmbh (Frankfurt/Main) mit Keller & Keller Landschaftsarchitekten (Kronberg); CKRS Architektengesellschaft mbH mit LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla (beide Berlin) sowie Hascher Jehle Design GmbH (Berlin) mit Gänßle + Hehr Landschaftsarchitekten PartGmbB (Esslingen a. N.).

Das Preisgericht, dem die Darmstädter Architektin Brigitte Holz vorsaß, empfahl dem Auslober einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit zu realisieren.

Lena Pröhl