Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Kasseler Sparkasse

Preisträger

1. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

91.600 € (netto)

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Yunus Coskun, Zaher Abou Alfadel, Gani Ilijazi, Evgenij Liebert

2. Preis: eisfeld engel Architekten Partnerschaft mbB, Hamburg

68.700 € (netto)

Sabine Eisfeld, Ulrich Engel
Mitarbeit: Dimitry Fölster, Fabio Rinaudo

3. Preis: Reichel Architekten PartGmbB, Kassel

45.800 € (netto)

Alexander Reichel
Mitarbeit: Humam Abou Asali, George Albity, Alexander Belov, Bianca Biernatek, Jennifer Johe, Nicola Seelbach, Stephanie Tondera
Fachberater: INA Planungsgesellschaft mbH, Dipl.-Ing. Joost Hartwig, Darmstadt

Anerkennung: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel

22.900 € (netto)

Martin Schmittdiel
Mitarbeit: Johannes Wettengel, Barbara Ettinger-Brinckmann, Farshad Ansari, Vanessa Kleinert, Marcel Liftin, Sandra Hentschke, Berit Giese, Alexandra Schläger
Fachberater: ZWP Ingenieur AG Wiesbaden (Technische Gebäudeausrüstung), IBBSV Ingenieurbüro für Brandschutz und Sicherheitstechnik Vöpel Fritzlar (Brandschutzfachplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 13.12.2018
Ort Kassel
Auslober Sparkasse Kassel
Betreuung Drees & Sommer, Stuttgart
Preisrichter Prof. Henning Baurmann (Vorsitz), Reinfried Reiser, Christof Nolda , Prof. Wolfgang Schulze , Heinrich Christoph Hagedann , Prof. Kerstin Schultz, Ingo Buchholz, Christian Geselle, Bernd P. Doose, Wolfram Ebert, Thomas Beyer

Modern, wirtschaftlich, zukunftsfähig
Neubau der Kasseler Sparkasse

Um eine moderne, zukunftsfähige Beratungsumgebung zu schaffen plant die Kasseler Sparkasse, ihre derzeitige Hauptfiliale an der Kölnischen Straße abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Eine Sanierung oder einen Umbau hatte ein Gutachten ausgeschlossen. In der neuen Zentrale sollen die Standorte Wolfsschlucht/Ständeplatz/Opernstraße und Kölnische Straße/Spohrstraße, die Kundenhalle und die Beratungscenter für Privat-und Firmenkunden zusammengeführt werden. Außerdem sollen Veranstaltungsflächen und 150 Pkw-Stellplätze entstehen. Mit dem Neubau will die Kasseler Sparkasse den derzeitigen Flächenüberhang von rund 40 Prozent reduzieren, anstehende Umbaumaßnahmen umgehen und die Betriebskosten senken.

Zu diesem Zweck hatte sie einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, bei dem sich 47 Büros bewarben. Für den Wettbewerb wurden 20 Teilnehmer zugelassen, 18 gaben ihre Entwürfe ab. Das Preisgericht vergab drei Preise und eine Anerkennung, die abgesehen vom zweiten Preis allesamt an ortsansässige Büros gingen.

Der Siegerentwurf stammt von der ATELIER 30 Architekten GmbH, die ein „elegantes und leicht wirkendes Gebäudeensemble mit „zwei sehr gut gesetzten Volumina“ vorschlägt. Mit dem vorgesehenen Hochhaus an der Ecke Spohrstraße und Kölnische Straße gelinge den Verfassern die gewünschte Adressbildung. „Es unterstreicht die Sichtbarkeit des Instituts vom Königsplatz sowie die Vervollständigung der vorhanden beiden Hochhäuser zwischen Scheidemann-Platz und der Rückseite des Königsplatzes in einer angemessenen Weise“, so die Preisrichter. Auch das geforderte Raumprogramm inklusive Multi-Space-Office sei erfüllt. Besondere Qualität wurde der großen Eingangshalle attestiert. Diese sei nicht nur gut gesetzt und zudem „angenehm proportioniert“, sondern erlaube auch Mehrfachnutzungen.

Der zweite Preis ging nach Hamburg an die eisfeld engel Architekten Partnerschaft mbB. Der Entwurf besteche durch seine „hohe architektonische Qualität“, den „überraschend flexiblen und vielfältigen Lösungsansatz“ sowie „die Möglichkeit einer selbstverständlichen Fremdnutzung und Adressierung des Gebäudeteils Spohrstrasse“, lobte das Preisgericht. Die Verfasser präsentieren zwei unabhängige, skulptural wirkende Solitäre, die einerseits auf die Maßstäblichkeit des Stadtkontextes reagieren, andererseits durch das hohe Hauptgebäude auch eine „starke städtebauliche Markanz“ besitzen würden. Auch die klare Gestaltung und Gebäudestruktur, die „leicht(e)“ Fassade, der „einladend und selbstverständlich(e) Zugang“, die „klare“ Trennung der Kundenströme und die „gute gelöst(e)“ Orientierung überzeugten. Nachbesserungsbedarf sahen die Preisrichter allerdings im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit des Entwurfs.

Die drittplatzierte Arbeit der Reichel Architekten PartGmbB sieht eine Kammstruktur vor, die zur Spohrstraße geöffnet ist und einen großen Teil der Arbeisplätze natürlich belichte. „Die Innenhöfe schaffen über eine mögliche Begrünung eine adäquate und angenehme Arbeitsatmosphäre“, waren sich die Preisrichter sicher. Die Erschließung über die Spohrstraße (Hauptzugang) und die Kölnische Straße (SB-Zone) ermögliche eine klare Trennung der Kundenströme; die Gebäudeecke ist durch eine zweigeschossige Hervorhebung betont. „Untermauert wird die Geste durch den Gebäudeversatz in diesem Bereich, der einer Platzaufweitung vor der Kurfürstengalerie antwortet,“ konstatierte das Preisgericht. Lobende Worte fand es auch für die „innere Erschließung“, die „klare Zonierung“, die „sauber" abgebildeten Funktionsbereiche sowie die „durch zahlreiche mögliche Blickbeziehungen aufgewertet(e)“ Kundenhalle.

Darüber hinaus würdigten die Preisrichter die Arbeit der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH mit einer Anerkennung. Der kompakte Entwurf mit dominanter Überhöhung an der Kreuzung Kölnische Straße und Spohrstraße lebe von einer „Vielzahl von Profilierungen des Gesamtkörpers mit Rücksprüngen“; die Fassadenstruktur ist den 1960er Jahren entlehnt.

Auf Empfehlung des Preisgerichts, dem Prof. Henning Baurmann von der Fachhochschule Darmstadt vorsaß, wurden die drei Preisträger gebeten, ihre Entwürfe zu optimieren. Erst dann trifft die Kasseler Sparkasse die endgültige Entscheidung, welches Büro mit der weiteren Planung beauftragt wird.

Lena Pröhl