Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung der Kindertagesstätte "Siebenstein", Gemünden

Preisträger

1. Preis: schmidt & strack architekten gmbh, Alsfeld

5.100 € (netto)

Karsten Schmidt, Stefan Strack
Mitarbeit: Dominik Metz

3 Preis: Beckmann + Frech Architekten, Frankfurt/Main

3.187,50 € (netto)

Philippe Frech, Beckus Beckmann
Mitarbeit: Enise Yüzer, Mirka Eichner

3. Preis: Bau Eins Architekten, Kaiserslautern

3.187,50 € (netto)

Denis Andernach, Nicolas Bahnemann
Mitarbeit: Marian Buchheiser

Anerkennung: ghl architekten Martin Grimm/Stephan Heine/Vi Quang Luong, Frankfurt/Main

1.275 € (netto)

Martin Grimm, Vi Quang Luong
Mitarbeiter: Luis Lindner, Ricarda Groschupf, Lisa Eiglsperger, Daniel Josipovic
Fachberater: Lenz Weber Ingenieure, Dr. Tim Weber, Frankfurt/Main (Energiekonzept), DITTMANN+KOMPLIZEN Landschaftsarchitektur GbR, Frankfurt/Main (Außenanlage)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 04.12.2018
Ort Gemünden
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Gemünden (Felda)
Betreuung PlanES, Gießen
Preisrichter Monika Weber-Pahl (Vorsitz), Gerd Kaut, Peter Röcker, Wolfgang Ott , Lothar Bott, Iris Rohrbach

Bauen am Hang
Die Erweiterung der Kindertagesstätte „Siebenstein“ in Gemünden (Felda)

Rund 3.000 Einwohner leben in der Gemeinde Gemünden (Felda) im Vogelsbergkreis, darunter auch viele Familien. Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Kinderzahlen sowie dem Ausbau des Ganztagesangebots und der Betreuung von unter dreijährigen Kindern plant die Gemeinde eine Erweiterung und Umstrukturierung der Kindertagesstätte „Siebenstein“.

Die Kindertagesstätte liegt im Ortsteil Nieder-Gemünden, direkt neben der Mehrzweckhalle an der vielbefahrenen Feldastraße. Nach jahrzehntelangem Um- und Anbauen sind nun durch den Ankauf von zwei angrenzenden Wiesengrundstücken völlig neue Entwicklungsmöglichkeiten gegeben, die es auszuloten galt. Zu diesem Zweck war ein einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt worden, an dem sich neun Planer aus mehreren Bundesländern beteiligten, die in ihren Entwürfen relativ frei waren. Der endgültige Ausbauzustand sollte fünf Gruppenräume und zwei Mehrzweckräume umfassen, zuzüglich der erforderlichen Nebenräume wie Schlafräume, Büroräume, Küche und Essraum, Toiletten, Wasch- und Wickelräume, aber auch Abstellmöglichkeiten für Kinderwägen. Besonderes Augenmerk war auf die Barrierefreiheit zu richten. Darüber hinaus war eine flexible und modulare Bauweise gefordert, die auch Platz für zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten bietet.

Sieger des vom Gießener Büro PlanES betreuten Wettbewerbs wurde mit Abstand die Arbeit der schmidt & strack architekten gmbh aus Alsfeld. „Der einfache, kompakte, zweigeschossige Baukörper bildet eine logische Ergänzung zum bestehenden Kindergartengebäude. Durch seine lapidare Anordnung an der Hangkante spannt er eine räumliche neue Qualität in Verbindung mit dem vorhandenen Freiraum auf und bildet somit einen völlig neuen Außenbereich,“ lobten die Preisrichter. Als besonders gelungen erachteten sie das Verbindungsgelenk zwischen Alt- und Neubau. Hier ist auch der „großzügige“ Eingangsbereich verortet, der „in Verbindung mit der Erlebnistreppe in das Obergeschoss (...) eine räumlich interessante Nutzung erwarten“ lasse. Zudem überzeugten die Raumaufteilung – Ü3- und U3-Räume sind getrennt angeordnet –, die gute Orientierung sowie die klar ablesbaren Nutzungsbereiche. Mehrzweckraum, Speiseraum und Küche liegen ideal mit Außenbezug zum Freibereich.

Ein dritter Preis ging an die Beckmann + Frech Architekten aus Frankfurt. Ihr Entwurf wurde vor allem wegen der „klaren Gliederung zwischen Alt- und Neubau, des stringenten Riegels und des gelungenen Umgangs mit dem Gelände“ gelobt. Der Zugang erfolgt im bestehenden Baukörper, der eine zentrale Verteilerfunktion zwischen Alt- und Neubau übernimmt. Im Altbau sind die U3-Gruppen mit direkt angeschlossenen Schlaf- und Nebenräumen untergebracht. Im Neubau befinden sich in der Eingangsebene der Verwaltungsbereich sowie Elterntreff, Vorschule und Werkraum; im Obergeschoss die Gruppenbereiche des Kindergartens. „Sehr positiv“ bewertete das Preisgericht die Anbindung an die neu geschaffene obere Gartenfläche mit Kletterwand.

Die Bau Eins Architekten aus Kaiserslautern wurden ebenfalls mit einem dritten Preis prämiert. Sie präsentieren einen kompakten, zweigeschossigen Neubau, der „über den vorhandenen Anbau auf einfache Weise an den Bestand angedockt“ und gut in „die vorhandene Struktur und in die Topografie“ eingebunden sei. Das „transparent und offen gestaltet(e)“ Erdgeschoss, in dem Küche, Speiseraum und Mehrzweckraum untergebracht sind, orientiere sich „selbstverständlich nach Westen hin zum Spielbereich“. In der oberen Ebene sind die Ü3 Gruppenräume angeordnet; Krippe und Personalräume befinden sich im Altbau. „Alt- und Neubau definieren einen neuen attraktiven Außenbereich“, so die Preisrichter. Hinsichtlich der (Erschließungs-)Flure hätten sie sich, wie auch bei der anderen drittplatzierten Arbeit, mehr Aufenthalts- und Spielqualitäten gewünscht.

Mit einer Anerkennung würdigten die Preisrichter den Wettbewerbsbeitrag der ghl architekten Martin Grimm/Stephan Heine/Vi Quang Luong aus Frankfurt. Der vorgeschlagene zweigeschossige Neubau mit „extensiv begrünt(em)“ Flachdach in der Flucht des Zugangs zur Mehrzweckhalle zeichne sich durch eine „moderne“ Architektursprache aus.

Das Preisgericht unter Vorsitz der Darmstädter Architektin Monika Weber-Pahl empfahl einstimmig der Gemeinde Gemünden (Felda) aufgrund des deutlichen Vorsprungs die Umsetzung des ersten Preises.

Lena Pröhl