Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung der Grundschule Stadtallendorf - Grundschule II Südschule

Preisträger

1. Preis: AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB, Darmstadt

12.320 € (netto)

Joachim Klie
Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

2. Preis: SCHMEES | WAGNER Partnerschaftsgesellschaft mbB, Gießen

9.240 € (netto)

Klaus Wagner
Mitarbeit: Heiner Schmees, Patrick Immel

3. Preis: studioinges Architektur und Städtebau, Berlin

6.160 € (netto)

Thomas Bochmann, Francesca Saetti, Stefan Schwirtz
Mitarbeit: Felix Leitz, Agnes Hartmann

Anerkennung: Schulze Schulze Berger, Kassel

3.080 € (netto)

Prof. Wolfgang Schulze, Oliver Berger
Mitarbeit: Malee Hildestand, Sven Rühlmann, Heinz-Josef Geissen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener, einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 15.01.2019
Ort Stadtallendorf
Auslober Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf
Betreuung PlanES, Gießen
Preisrichter Susanne Wartzeck (Vorsitz), Jürgen Hauck, Christian Nasedy, Christopher Unger, Kirsten Fründt, Marian Zachow, Christian Somogyi

Pavillon im Grünen
Die Erweiterung der Grundschule II Südschule in Stadtallendorf

In Hessen gibt es immer mehr Ganztagsgrundschulen, was Architekten und Schulträger vor die Aufgabe stellt, die Schulen entsprechend um- und auszubauen. Auch die Grundschule II im mittelhessischen Stadtallendorf bietet seit 2012/2013 ihren rund 430 Schülern ein freiwilliges Ganztagsangebot an. Nach dem Anbau an der Waldschule soll nun der zweite Standort – die Südschule – ebenfalls einen Erweiterungsbau erhalten.

Zu diesem Zweck hatte der Landkreis Marburg-Biedenkopf einen nichtoffenen, einstufigen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. 20 Büros wurden zu Entwürfen aufgefordert, 13 reichten ihre Arbeiten ein. Vorrangiges Ziel war die Schaffung von Räumen für Ganztagsangebote wie Arbeits- und Medienräume sowie eine Cafeteria. Besonders Augenmerk war dabei auf die Barrierefreiheit zu richten. Die Umsetzung sollte im laufenden Schulbetrieb erfolgen. Weitere Impulse gingen von den Schülern selbst aus. Denn der Kreis als Schulträger hatte das Stichwort „Bürgerbeteiligung“ noch etwas weiter gefasst und nicht nur die Schulleitung, Lehrer und Eltern in die Planung mit einbezogen, sondern auch die Schüler. Diese wünschten sich vor allem viel natürliches Licht, also große Glasflächen. Das Preisgericht unter Vorsitz der Architektin Susanne Wartzeck aus Dipperz vergab drei Preise und eine Anerkennung. Die Verfahrensbetreuung lag beim Gießener Büro PlanES.

Als Sieger setzte sich die AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB aus Darmstadt durch. Die Verfasser schlagen einen kompakten, pavillonartigen Baukörper im Grünen vor, der sich geschickt in die vorhandene Topographie einfüge. Der Zugang erfolgt barrierefrei auf der mittleren Ebene, dem Erdgeschoss. Hanggeschoss und Obergeschoss werden über einen Aufzug im Atrium erschlossen. Die Räume gruppieren sich um das zentrale Atrium, das sich über die drei Geschosse erstreckt. „Die Verteilung der Funktionen erfolgt folgerichtig entsprechend den Nutzungen“, betonten die Preisrichter. Auch lobten sie die klare Struktur und die „sehr gute Orientierung im Inneren“. Der Entwurf ließe sich zudem problemlos im laufenden Schulbetrieb umsetzen. „Insgesamt überzeugt die Arbeit durch ihren sehr kompakten Baukörper und zugleich durch die Großzügigkeit der inneren Erschließung, welche zum Spiel und Dialog nahezu auffordert“, lautete das Fazit der Jury.

Der zweite Preis ging an die SCHMEES | WAGNER Partnerschaftsgesellschaft mbB aus Gießen für ihre „intensive Auseinandersetzung mit dem Bestand und dessen Anbindung“. Der Entwurf sieht zwei Baukörper aus Lärchenholz vor. Die wie Waldhäuser anmutenden Bauten greifen kammartig in die Waldzone über und schließen im Norden über eine neue Flurzone an die Bestandsschule an. Der bisherige Schulhof bleibt als Hauptpausenfläche erhalten. Der Eingangsbereich hingegen wird zurückgesetzt, wodurch sich ein neuer Haupteingang für die Gesamtanlage ergibt: Von hier aus gelangt man sowohl in den Altbau als auch in die beiden neuen Baukörper, dessen östlicher im Erdgeschoss (EG) die Cafeteria und im Obergeschoss (OG) Lehrerbereiche, der westliche im EG die Betreuung und im OG Schülerbibliothek, Arbeits- und Medienräume für die Schüler beherbergt.  

Im drittplatzierten Entwurf der studioinges Architektur und Städtebau aus Berlin wird die Südschule durch einen zweigeschossigen Riegel parallel zum Altbau erweitert. Neu- und Altbau sind durch einen „wohl proportionierten eingeschossigen Verbindungsbau“ miteinander verknüpft, in dem auch der neue Haupteingang verortet ist. Besonders angetan zeigte sich die Jury von der Freiraumgestaltung: „Durch den Höhensprung im Innenhof entsteht ein qualitätsvoller Außenraum, der sich in zwei Nutzungen, Schulgarten und Pausenhof, differenziert.“ Im Westen wird ein Laubengang angeboten, der den Innenhof begrenzt und das neue Ensemble durch einen Rundweg an den bestehenden Schulhof anbindet. Auch die flexible Grundstruktur sowie die verbesserte Parkplatzsituation und verkehrliche Erschließung konnten überzeugen, zumal die gewünschte Umsetzbarkeit im laufenden Schulbetrieb „gut möglich“ sei.

Eine Anerkennung erhielt das Kasseler Büro Schulze Schulze Berger für ihren „architektonisch anspruchsvollen Entwurf, der auf sehr eigenständige Art und Weise mit dem Ort umgeht und sich auf einen Dialog mit dem Wald einlässt“. Die vorgeschlagenen Baukörper bilden ein nahezu quadratisches Ensemble, wobei die bestehenden Ausgänge wie selbstverständlich über einen offenen Laubengang angebunden seien.

Das Preisgericht empfahl dem Landkreis Marburg-Biedenkopf einstimmig die Umsetzung des ersten Preises. Der Baubeginn ist für Ende 2019 geplant; die Fertigstellung soll im Laufe des Schuljahrs 2021/22 erfolgen.

Lena Pröhl