Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Institutsgebäude: Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH, München

40.000 € (netto)

Rüdiger Leo Fritsch, Aslan Tschaidse
Mitarbeiter: Florian Rödl, Tetiana Alert, Ka Xu, Moritz Fritsch
Fachplaner: Jens Gehrcken, Berlin (Visualisierung), Thomas Egger, München (Modellbau)

2. Preis: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

30.000 € (netto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeiter: Anna Piontek, Hojoong Chang
Fachplaner: Manfred Alois Mayr, Martin Trebo, Bozen (Künstlerische Beratung)

3. Preis: Auer Weber Assoziierte GmbH, München

20.000 € (netto)

Philipp Auer, Moritz Auer, Stephan Suxdorf
Mitarbeit: Markus Altmann. Hannes Ehrminger
Fachplaner: realgrün Landschaftsarchitekten, Mayr Ludescher Partner (Statik), Kersken + Kirchner GmbH Beratende Ingenieure (Brandschutz), alle drei in München, IB Hausladen, Kirchheim (Haustechnik), Bartscher Architekten, Alexander Bartscher, Aachen (Rendering)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 01.10.2018
Ort Frankfurt/Main
Auslober Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Generalverwaltung, München
Betreuung Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Generalverwaltung, München; Referat III pmo
Preisrichter Markus Hammes (Vorsitz), Markus Radermacher, Dieter Grömling, Prof. Ulf Hestermann, Prof. Dr. Melanie Wald-Fuhrmann, Dr. Ulrike Mattig, Mike Josef

Dialog von Alt und Neu
Neubau Institutsgebäude: Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt/Main

Wo Anfang des 19. Jahrhunderts noch die Schlote rauchten, entsteht nach und nach der Kulturcampus Bockenheim. Auch das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik soll hier schon bald ein modernes Labor- und Forschungsgebäude erhalten. Lösungsvorschläge lieferte nun ein nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren, an dem sich acht Büros aus ganz Deutschland beteiligten.

Für das interdisziplinär arbeitende Institut werden neben Seminarbereichen, Büro- und Laborflächen auch ein Magnet-Enzephalograph-Bereich (MEG) sowie ein Experimentallabor in Form eines Theaterraums, das für rund 100 bis 150 Probanden Platz bietet, benötigt. Gefordert waren zudem Labore mit visuell abgeschirmten Arbeitsplätzen und schallisolierenden Kabinen. Aufgrund der sehr heterogenen Standortstrukturen soll das neue Forschungsgebäude einen unverwechselbaren Charakter erhalten und eine eindeutige Adressbildung artikulieren - unter Berücksichtigung zu erhaltender Bausubstanz. Denn auf dem Wettbewerbsgrundstück befindet sich die ehemalige Dondorf´sche Druckerei, die als letztes Zeugnis der industriellen Vergangenheit des Stadtteils gilt und derzeit noch von der Goethe-Universität genutzt wird. Die viergeschossige Gebäudehülle aus 1873 soll erhalten und in die Planung integriert werden. Der Schornstein und alle sonstigen Nachkriegsbauten und Baracken auf dem Gelände werden abgerissen.

Der Siegerentwurf der Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH aus München überzeugte vor allem durch die "Verschmelzung von Alt- und Neubau", die Funktionalität der Büro- und Laborbereiche und die hohe Aufenthaltsqualität für Angestellte und Besucher. "Durch gleichhohe Baukörper für Alt- und Neubau sowie die gleichwertige Fassadenmaterialität verschmelzen beide Gebäudeteile zu einem Volumen", so die Preisrichter. Positiv hoben sie hervor, dass das Gebäude sowohl von Osten als auch von Westen zugänglich ist. Mit der Durchquerung entlang des Innenhofs bilde es zudem eine "überzeugende äußere Erschließung", zumal der Innenhof hohe Aufenthaltsqualität besitze. Gelobt wurde auch das "leicht erfassbare Wegesystem" mit "angemessene(n)Tageslichtbezügen, das in allen Ebenen verteilt Kommunikations- und Begegnungsbereiche ausbildet. Insgesamt überzeuge die Arbeit "durch ein gut funktionierendes Grundrisskonzept um den zentralen Innenhof orientiert, der für die Arbeitsplatzqualität aller Bereiche entscheidende Bedeutung erhält," lautete das Preisgerichtsurteil.

Mit dem zweiten Preis wurde die Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart ausgezeichnet, deren Arbeit vor allem in konzeptioneller Hinsicht überzeugte. Der Bestandskörper wird durch zwei ähnlich dimensionierte Neubauten in Richtung Osten ergänzt. "Zur Sophienstraße beziehungsweise Zeppelinallee entsteht damit ein städtebaulich markant gestaffeltes Ensemble", lobten die Preisrichter. Das Ensemble wird vom zukünftigen Campusplatz im Westen erschlossen. Im Erdgeschoss befinden sich die öffentlichen Bereiche wie Bibliothek und Artlab. Bestechen konnte insbesondere die Fassadenidee "als Sinnbild der ästhetischen Weiterentwicklung mit Bezug zu den Aufgaben des Instituts", die jedoch noch prägnanter ausformuliert werden könne.

Einen anderen Weg ging die drittplatzierte Auer Weber Assoziierte GmbH aus München: Als Einzige sah sie in ihrem Entwurf den Erhalt des Schornsteins der Dorndorf´schen Druckerei vor. "Als Symbol der alten Industriearchitektur (wird dieser) erhalten und in den Neubau als Markierung des östlichen Eingangs - sozusagen als `emotionale Adressbildung´ integriert", hieß es in der Beurteilung. Auch der beidseitige Zugang vom Kulturcampus im Westen und vom Palmengarten im Osten sowie die Anordnung des Artlabs im Erdgeschoss wurden positiv bewertet. Nachbesserungsbedarf sahen die Preisrichter allerdings bei der inneren Erschließung in den zwei- und dreibündigen Funktionszonen der Geschosse.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit der weiteren Bearbeitung zugrunde zu legen.

Lena Pröhl