Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Lehr- und Lernzentrum, Hochschule RheinMain Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Burckhardt + Partner Reiner Becker GmbH, Berlin, mit GHP Landschaftsarchitekten Nikolaus Gurr, Christian Schierstadt GbR, Hamburg

73.333,34 € (brutto)

Reiner Becker, Nikolaus Gurr
Mitarbeit: Lukas Witalinski, Raphael Reuter, Per Köngeter, Nick Norten, Nadeen Shiqem, Philipp Ruschke

2. Preis: DFZ Architekten, Hamburg, mit G2 Landschaft, Hamburg

48.333,33 € (brutto)

Stephen Kausch, Gert Lübs
Mitarbeit: Yndi He, Christoph Peetz, Mathias Scheuren, Jennifer Zweibrot, Philipp Schwab, Alina Vogel

3. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel, mit GrünPlan Landschaftsarchitekten PartGmbB Jöris Krannich, Schulz, Hannover

36.333,33 € (brutto)

Thomas Fischer, Ole Creutzig, Walter Jöris
Mitarbeit: Yunus Coskun, Gani Ilijazi, Zaher Abou Alfadel, Inka Kothe, Evgenij Liebert, Ingo Schmidt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 20.01.2019
Ort Wiesbaden
Auslober Land Hessen
Betreuung scheuvens + wachten plus planungsgesellschaft mbh, Dortmund
Preisrichter Prof. Gesche Grabenhorst (Vorsitz), Prof. Stephan Birk, Karl Thomanek, Prof. Petra Vondenhof-Anderhalten, Prof. Volker Kleinekort, Thorsten Schmidt, Guido Brennert, Camillo Huber-Braun, Prof. Dr. Detlev Reymann, Dr. Marion Grabka, Costanze Gebhardt

Neues Zentrum für Studierende
Neubau eines Lehr- und Lernzentrums der Hochschule RheinMain in Wiesbaden

Die Hochschule Rhein-Main plant auf ihrem Campus am Kurt-Schumacher-Ring in Wiesbaden ein neues „Lehr- und Lernzentrum“. Die Erweiterung ist aufgrund der wachsenden Studierendenzahl, die sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt habe, dringend notwendig. Zugleich soll ein weiterer städtebaulicher Impuls für den gesamten Campus gesetzt werden

Für die Gestaltung hatte das Land Hessen einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, den scheuvens + wachten plus planungsgesellschaft mbh aus Dortmund betreute. In dem neuen „Arbeitshaus“ sollen auf 4.100 Quadratmeter studentische Arbeitsräume, aber auch Bibliotheksangebote, ein Café und Lehrflächen wie Seminarräume und ein Hörsaal Platz finden. Besonderes Augenmerk war auf die Gestaltung der Freiflächen, eines neuen Vorplatzes, der der großen Frequentierung des Gebäudes gerecht wird, sowie der neuen Zuwegung zu richten.

Aus acht eingereichten Beiträgen belegte das Berliner Büro Burckhardt + Partner Reiner Becker GmbH in Zusammenarbeit mit GHP Landschaftsarchitekten Nikolaus Gurr, Christian Schierstadt GbR aus Hamburg den ersten Platz. Die Architekten schlagen einen langgestreckten viergeschossigen Baukörper im Süden des Grundstücks vor, der die Fluchten der angrenzenden Bestandsbauten aufnimmt. Der südliche Zugang des Campus erfolgt über eine Allee, die nördlich den bestehenden Campus anbindet und im Bereich des Neubaus mit einem neu gestalteten Vorplatz räumlich aufgewertet wird. Es entsteht „eine klare Adresse, die Teil der übergeordneten Erschließungswege wird“, lobte die Jury. Das neue Lehr- und Lernzentrum präsentiert sich als funktionaler Bau mit Werkstattcharakter und ist dreibündig organisiert: Der mittlere Bund dient der Erschließung; die beiden äußeren werden asymmetrisch mit zwei verschiedenen Raumtiefen definiert. Eingangsbereich und Lehrräume befinden sich im Erd- und Hanggeschoss, Lern- und Bibliotheksflächen in den beiden Obergeschossen. Auch die vorgeschlagenen Materialien – außen Beton, innen Holz – konnten überzeugen. Der Entwurf wurde als „zeitgemäße und perspektivisch zukunftsfähige Antwort gewürdigt. Den Verfassern sei es gelungen, ein „sehr modernes, flexibles Lehr- und Lernzentrum" zu schaffen, das von den Studenten angenommenen und mit Leben gefüllt werde. Zudem unterstütze es die Kommunikation und biete mit „seiner `Transparenz´ eine ideale Plattform für bewegtes Studentenleben rund um die Uhr“, hieß es in der Urteilsbegründung. ­­

Den zweiten Platz belegten die Hamburger Büros DFZ Architekten und G2 Landschaft, deren Entwurf vor allem hinsichtlich seines Ausdruckes als Lernzentrum bestechen konnte. Der Baukörper wird durch großvolumige Strukturen geprägt und ist geschickt mit Abstand zur bestehenden Bebauung platziert. Der Eingang erfolgt über einen Vorplatz auf der Westseite. Von hier aus gelangt man in das Foyer mit angrenzendem Café und weiter über ein Treppenhaus in die Obergeschosse des Lernzentrums. Herzstück des Lernzentrums ist die Bibliothek, um die sich die anderen Bereiche wie Gruppen- und Einzelarbeitsplätze gruppieren. Besonders positiv wurde die flexible Lernlandschaft mit eingestreuten Lesehöfen und Rückzugsbereichen bewertet. Überarbeitungsbedarf sah das Preisgericht jedoch im Seminar- und Hörsaalbereich im Erd- bzw. Sockelgeschoss. Auch die Nutzung der vierseitig umlaufenden Laubengänge im Alltag wurde kritisch hinterfragt. Die vorgeschlagene Stahlbetonkonstruktion im Erd- und Sockelgeschoss überzeugte; die Holz-Beton-Verbundbauweise der Obergeschosse sei hingegen zu überdenken. Auch im Inneren dominieren die Materialien Holz und seidenglatter Sichtbeton und verleihen dem Neubau einen robusten Charakter eines öffentlichen Arbeitshauses für Studierende.

„Die Arbeit schafft durch die Differenzierung seines Gebäudevolumens in zwei verschiedene Höhen und der Ausbildung eines Kopfbereiches eine deutliche Adressbildung am Campus Boulevard,“ lobten die Preisrichter den drittplatzierten Entwurf der ATELIER 30 Architekten GmbH aus Kassel, mit GrünPlan Landschaftsarchitekten PartGmbB Jöris Krannich, Schulz aus Hannover. Der Eingang wird durch das zurückgesetzte Erdgeschoss und der großzügigeren, offeneren Fassadengliederung in diesem Bereich betont. Dem steht die strenge, kleinteiligere Gliederung in den beiden oberen Geschossen gegenüber. Die Ausbildung eines Lichthofs einerseits und die Horizontalverglasung über dem Eingangsatrium andererseits erzeugen atmosphärisch lichte Räume, die sich positiv auf ein Lernklima auswirken, so die Jury. Der Hörsaal ist dem Eingangsbereich zugeordnet, die publikumsintensiveren Seminarräume liegen eingangsnah im Sockel- und Erdgeschoss. Der Zugang zum Lernzentrum befindet sich im ersten Obergeschoss. Die räumliche Trennung von Bibliothek und Lernräumen wurde als unzeitgemäß empfunden; Flächenabweichungen vom geforderten Raumprogramm kritisiert. Nichtsdestotrotz stelle „die Arbeit mit ihrer kompakten und effizienten Nutzung des Baufeldes und der außen- und innenräumlichen Gestaltung einen wertvollen Beitrag dar“, so das Urteil der Jury unter Vorsitz der Architektin Prof. Gesche Grabenhorst aus Hannover.

Das anschließende Verhandlungsverfahren läuft. Bis 2022 soll das neue Lehr- und Lernzentrum mit Freianlagen realisiert sein.

Lena Pröhl