Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bürgerhaus Georgenhausen - Neubau eines Bürgerhaus in Reinheim

Preisträger

1. Preis: SWS ARCHITEKTEN, Karlsruhe

12.000 € (brutto)

Jürgen Strolz
Mitarbeit: Helen Bossmann, Annika Hartmann, Eugen Eck
Fachberater: Andreas Fofana (Modellbau)

2. Preis: Ackermann + Renner Architekten GmbH, Berlin

8.000 € (brutto)

Georg Ackermann
Mitarbeit: Olaf Kobiella, Sören Henssler, Anja Lunge
Fachplaner: w+p Landschaften, Hans-Jörg Wöhrle, Berlin

3. Preis: Neumahr Architekten, Sindelfingen, mit Prof. Ulrich Hamann, Darmstadt

6.000 € (brutto)

Stephan Neumahr, Prof. Ulrich Hamann
Mitarbeit: Jacqueline Gregorius

Anerkennung: ama_architekturbüro, Burghausen

4.000 € (brutto)

Michael Auerbacher
Mitarbeit: Alisa Mozigemba

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren
Preisgerichtssitzung 19.10.2018
Ort Reinheim
Auslober Magistrat der Stadt Reinheim
Betreuung goedeking architekten, Frankfurt/Main
Preisrichter Ulrike Pape (Vorsitz), Joachim Klie, Sybille Waechter, Markus Leben, Karl Hartmann, Manuel Feick, Michael Knapp

Identität, Zusammenhalt und Kommunikation stärken
Der Neubau des Bürgerhauses Georgenhausen-Zeilhard im südhessischen Reinheim

Die Reinheimer Stadtteile Georgenhausen und Zeilhard haben zusammen über 4.000 Einwohner. Viele davon engagieren sich in Vereinen. Für die zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen benötigen die Bürger eine neue Halle, die das Bürgerhaus an der Ohlebachstraße in Georgenhausen ersetzt. Denn das Gebäude aus den 1970er Jahren ist in schlechtem baulichen, energetischen und brandschutztechnischem Zustand; eine Sanierung erscheint jedoch unwirtschaftlich. Auch der Standort am Ortseingang von Georgenhausen ist für die gemeinsame Nutzung nicht ideal. Um die Identität, den Zusammenhalt und die Kommunikation zu stärken, soll nun an der Grenze der inzwischen zusammengewachsenen Stadtteile eine neue Veranstaltungs-, Trainings- und Versammlungsstätte entstehen.

Zu diesem Zweck hatte die Stadt Reinheim einen nicht offenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, den goedeking architekten aus Frankfurt/Main betreuten. Der Standort entlang der „Dilshofer Straße“ und der Straße „Am Mühlbach“ eigne sich besonders gut, da die direkte Umgebung bereits von städtischer und sportlicher Nutzung geprägt ist. Gewünscht war ein multifunktional nutzbares Bürgerhaus mit einer Gesamtnutzfläche von rund 1.000 Quadratmetern, das einerseits von den Gruppen und Vereinen vor Ort, andererseits aber auch für örtliche Großveranstaltungen mit bis zu 500 Personen genutzt werden kann. Das Raumprogramm sah neben einem großen, unterteilbaren Saal mit Bühne zwei Vereinsräume sowie Küche, Sanitäranlagen und Foyer vor. An dem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb nahmen 22 Architekturbüros teil. Das Preisgericht, dem die Kasseler Architektin Ulrike Pape vorsaß, vergab drei Preise sowie eine Anerkennung.

„Die architektonische Gestaltung folgt in der Anmutung und in den zurückhaltenden Baumassen den örtlichen Gegebenheiten und überzeugt durch eine einem Bürgerhaus angemessene Formensprache.“ So beschrieb das Preisgericht den Siegerentwurf des Karlsruher Büro SWS ARCHITEKTEN. Den Verfassern sei es gelungen, ein „schlüssiges bauliches Ensemble“ zu schaffen: Der westlich platzierte Baukörper setzt sich aus zwei miteinander verschränkten Bauvolumen zusammen, dem niedrigeren Volumen von Foyer und Nebenräumen und dem höheren Volumen von Saal und Bühne. Die vorgeschlagene gegenseitig geneigte Dachgestaltung nehme zudem einen „angenehmen Bezug auf die umgebende Hügellandschaft“. Als „besonders einladend“ bewerteten die Preisrichter den Eingangsbereich. Auch die Lage der Küche, die eine Saal- wie Außenbewirtschaftung ermögliche, wurde positiv bewertet; das zusätzliche Angebot einer Saalempore begrüßt.

Der Entwurf der zweitplatzierten Ackermann + Renner Architekten GmbH aus Berlin füge sich „in Gestalt und Kubatur angenehm in die städtebauliche Umgebung ein“, zumal der Standort „geschickt gewählt“ sei, urteilte das Preisgericht. Die glatte Fassade mit Holz- und Glaselementen verleihe dem kompakten, eingeschossigen Gebäude ein „gut gegliedertes, aber dennoch ruhig wirkendes Erscheinungsbild“. Als besonders gelungen erachteten die Preisrichter die geplante Zugangssituation: Über einen „angemessenen“ Vorplatz gelangt man in das Foyer und weiter in die einzelnen Nutzungsbereiche. Auch die separate Eingangslösung für die Vereinsräumlichkeiten wurde positiv hervorgehoben. Der Saal, das „Herzstück des Gebäudes“, öffnet sich nach Norden und Süden und schaffe dadurch „eine gelungene Symbiose von Innen und Außen“. „Der Entwurf“, so die Preisrichter, „weist ein hohes Weiterentwicklungspotenzial auf und stellt einen gelungenen Beitrag im Wettbewerbsverfahren dar.“

Der dritte Preis ging an Neumahr Architekten aus Sindelfingen in Zusammenarbeit mit Prof. Ulrich Hamann aus Darmstadt für ihren „sensiblen und sinnfälligen Entwurf eines Bürgerhauses im ländlichen Raum“. Die Verfasser schlagen „ein markantes und kompaktes Gebäude im Sinne einer Scheune vor, welches auf der westlichen Hälfte des Wettbewerbsgrundstücks (...) verortet ist.“ An der südöstlichen Ecke schiebt sich das in Holzrahmenbauweise geplante Gebäude in den Hang ein. Die Parkplätze sind gebündelt auf der westlichen Seite des Grundstücks platziert. Zwischen Parkplatz und Bürgerhaus wird ein Festplatz vorgeschlagen. Der Haupteingang erfolgt über ein Atrium von Norden, sei als solches aber noch stärker kenntlich zu machen. Angetan zeigte sich das Preisgericht insbesondere vom gut proportionierten Saal, der einen schönen Blick in die Landschaft biete.

Eine Anerkennung erhielt das ama_architekturbüro aus Burghausen für sein schlüssiges Gestaltungskonzept eines expressiven, monolithischen Baukörpers.

Das Preisgericht empfahl einstimmig dem Auslober, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit zu realisieren.

Lena Pröhl