Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer 6-gruppigen Kindertagesstätte und Familienzentrum in Michelstadt, Rudolf-Marburg-Straße

Preisträger

1. Preis: ARGE rüdenauer-architektur | fischer architekur, Stuttgart

10.500 € (netto)

Arne Rüdenauer, Oliver Fischer
Mitarbeit: Stefan Scheffler
Fachberater: Planungsgruppe Stahlecker-Landschaftsarchitektur, Stuttgart

2. Preis: Architekturbüro Klarmann, Metzingen

6.600 € (netto)

Jochen Klarmann
Mitarbeit: D. Reusch, S. Hennig, M. Rottmeier

3. Preis: ama_architekturbüro Miachael Auerbacher, Burghausen

4.000 € (netto)

Michael Auerbacher
Mitarbeit: Alisa Mozigemba

Anerkennung: Liebel Architekten, Aalen

2.650 € (netto)

Bernd Liebel
Mitarbeit: Helen Deli, Valentin Schmied
Fachberater: Markus Krauss (Transsolar), Hendrik Dörflinger

Anerkennung: nbundm* Architekten, Ingolstadt

2.650 € (netto)

Christian Neuburger
Mitarbeit: David Grodon, Cennet Bayraktar

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 29.11.2018
Ort Michelstadt
Auslober Stadt Michelstadt
Betreuung THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Prof. Thomas Zimmermann (Vorsitz), Dea Ecker, Prof. Gero Quasten, Michael Sonek, Sibylle Waechter, Gerd Beller, Stephan Kelbert, Stephanie Lang, Natalie Rauch

Quadratisch, einfach, gut
Neubau einer sechsgruppigen Kindertagesstätte mit Familienzentrum in Michelstadt

Um das Betreuungsangebot auszubauen, will die südhessische Stadt Michelstadt oberhalb ihres Stadthauses eine Kindertagesstätte für bis zu 124 Kinder bauen. Der Neubau soll die in die Jahre gekommene Betreuungsstätte „Bienenschwarm“ an der Heinrich-Keidel-Straße ersetzen, zusätzliche Kapazitäten schaffen und modernen pädagogischen Ansätzen Rechnung tragen. Außerdem soll die Kindertagesstätte ein Familienzentrum erhalten, welches insbesondere Kinder aus bildungsfernen Schichten und Flüchtlingsfamilien unterstützt und fördert.

Für die architektonische Gestaltung der sechsgruppigen Kindertagesstätte war ein nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt worden, der vom Darmstädter Büro THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN betreut wurde. Neben den Räumen für zwei Krippengruppen und vier Kindergartengruppen war auch eine Küche zur Frischkostbereitung mit Speisesaal gefordert. Gebaut wird auf einem städtischen Grundstück an der Rudolf-Marburg-Straße, das an das Stadthaus angrenzt und seit Jahrzehnten brachliegt. Das Preisgericht, dem der Darmstädter Architekt Prof. Thomas Zimmermann vorsaß, vergab unter den siebzehn eingereichten Arbeiten drei Preise und zwei Anerkennungen.

Als Sieger konnte sich die ARGE rüdenauer-architektur | fischer architekur aus Stuttgart durchsetzen. Die Verfasser präsentieren einen zweigeschossigen quadratischen Neubau, der als Atriumgebäude konzipiert ist und durch seine „sehr gute Positionierung“ überzeugte. „Herz“ der neuen Kindertagesstätte bildet der zentrale Marktplatz im Erdgeschoss. Hier sind auch der Essbereich, der Mehrzweckraum und der Krippenbereich verortet sowie das Familienzentrum, das einen separaten Zugang besitzt. Als besonders gelungen erachteten die Preisrichter das zentrale, lichtdurchflutete Atrium. Dieses öffnet sich sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss über Flure und Raumaufweitungen allseitig zu den Außenräumen und stellt so einen Bezug zur direkten Umgebung her. Im Obergeschoss sind die vier Ü3-Gruppenräume angeordnet. Alle Gruppenräume, die von den Galerien des zentralen Atriums erschlossen werden, haben direkten Außenbezug über die umlaufende Balkonloggia. „Insgesamt besticht der Entwurf durch seine ebenso einfache wie klare Grundriss- und Raumorganisation. Die Komposition der Raumzusammenhänge um das mittige Atrium und der allseitige Sichtbezug der Erschließungsräume nach draußen führt zu einer sehr guten Orientierung im Gebäude“, lautete das Fazit des Preisgerichts.

Der mit dem zweiten Preis bedachte Entwurf des Metzinger Architekturbüros Klarmann sieht einen überwiegend eingeschossigen Baukörper vor, der sich gut in die vorhandene Topografie einfüge. Erschlossen wird das Gebäude über eine in den Hang geschobene Ebene 0, in der die Krippe und das Familienzentrum untergebracht sind. Über einen weiteren Eingang im Osten der Rudolph-Marburg-Straße gelangt man in den Kindergarten (Ebene 1). Besonders positiv bewerten die Preisrichter die offene Raumfolge mit Garderobe, Lichthof – als räumliche Verbindung in die Ebene 0 – und Marktplatz. Diese könne als zentraler Treffpunkt und Erschließungszone für weitere Funktionen des Kindergartens wie Gruppenräume oder Speiseraum genutzt und erweitert werden. Auch der „unmittelbare Außenbezug“ sowie der „direkte Ausgang (der Gruppenräume) in die Außenbereiche“ wurden gelobt.

„Der Wettbewerbsbeitrag überzeugt durch seine präzise städtebauliche Setzung: Das Gebäude der neuen Kita behauptet sich als Solitär mit wohltuend maßstäblichem Volumen. Ganz selbstverständlich entstehen rund um das Gebäude gut nutzbare Freibereiche mit eigenständiger Qualität und Ausformung. Das Eingangsniveau liegt richtig im Gelände, und der Vorplatz mit der kleinen Laube verspricht eine klare Adressbildung, gepaart mit hoher Aufenthaltsqualität zu den Bring- und Holzeiten.“ So beschreibt das Preisgericht die drittplatzierte Arbeit des ama_architekturbüros Michael Auerbacher aus Burghausen. Des Weiteren wurden die „sehr guten freiräumlichen Qualitäten“ sowie die „logische innere Organisation“ gewürdigt, welche bei Bedarf flexible Nutzungen ermögliche.

Anerkennungen gingen an Liebel Architekten aus Aalen, die einen zweigeschossigen Bau am östlichen Grundstücksrand vorschlagen und dadurch vor allem im Westen Außenraumqualitäten schaffen würden, sowie an die nbundm* Architekten aus Ingolstadt. Sie organisieren die neue Kita ebenerdig in sechs giebelständigen Langhäusern.

Das Preisgericht empfahl einstimmig der Stadt Michelstadt, die weitere Planung auf Grundlage des ersten Preisträgers vorzunehmen.

 

Lena Pröhl