Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb "Blumenrod", Limburg

Preisträger

1. Preis: Studio Schultz Granberg GbR, Berlin mit häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh, Berlin

53.000 € (netto)

Joachim Schultz-Granberg, Thomas Jarosch
Mitarbeit: Tobias Birkefeld, Daniel Heuermann
Fachberater: Prof. Mathias Uhl, Regenwassermanagement; Stadtplanung Zimmermann GmbH, Köln

2. Preis: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf mit faktorgruen Landschaftsarchitekten, Freiburg

38.000 € (netto)

Thomas Schüler, Martin Schedlbauer
Mitarbeit: Danilo Meixner, Michal Herl, Vanja Deschler

Anerkennung: Dr. Hartmut Holl/Holl Wieden Partnerschaft, München mit [f] landschaftsarchitektur gmbh, Solingen

30.000 € (netto)

Dr. Hartmut Holl, Gunter Ulrichs-Fischer
Mitarbeit: Jan Lages, Violetta Sänger

Anerkennung: Erich W. Baier Architektur + Städtebau, Gauting mit hermanns landschaftsarchitektur/umweltplanung, Schwalmtal

30.000 € (netto)

Erich W. Baier, Andreas Hermanns
Mitarbeit: Doris Fabig

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Offener, einphasiger, städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 06.02.2019
Ort Limburg an der Lahn
Auslober Magistrat der Kreisstadt Limburg an der Lahn
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Rolf Egon Westerheide (Vorsitz), Torsten Becker, Prof. Andreas Fritzen, Prof. Ulrike Kirchner, Prof. Volker Kleinekort, Angela Bezzenberger, Frank Böhme, Dr. Marius Hahn, Peter Rompf, Alfred Wirth, Kai-Hagen Maiwald

„Vielfalt und Gemeinschaft“
Städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb "Blumenrod", Limburg

Vor über 50 Jahren entstand im Süden von Limburg mit dem Neubaugebiet Blumenrod ein neuer Stadtteil. Nun plant die Kreisstadt an der Lahn die noch unbebauten Flächen dort zu entwickeln, um die anhaltende Nachfrage nach Wohnbauland abdecken zu können. Auf dem 25 Hektar große Areal, das sich Richtung Mensfelder Kopf bis zur Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz erstreckt, soll ein attraktives Quartier mit eigener, unverkennbarer Identität und hoher städtebaulicher Qualität entstehen.

Gewünscht ist ein Mix aus Ein- und Zweifamilienhäusern und Geschosswohnungsbau für verschiedene Altersgruppen und Einkommensschichten. 20 bis 25 Prozent der Wohnbauflächen sind dabei für den geförderten Wohnungsbau reserviert. Auch Gewerbeflächen und eine bis zu viergruppige Kindertagesstätte sind vorgesehen. Die neue Quartiersmitte und Freiflächen sollen hohe Aufenthaltsqualität besitzen und Möglichkeiten zur Kommunikation und Nachbarschaftsbildung bieten. Auch dem Thema Mobilität wird großer Stellenwert eingeräumt: Neben einer guten Vernetzung des Gebietes für Fußgänger und Radfahrer sollen in dem künftigen Wohngebiet Plätze für Carsharing, ÖPNV und Ladestationen für die E-Mobilität zur Verfügung stehen. Der ruhende Verkehr soll quartiersverträglich untergebracht werden. Aufgrund der Größe des Areals ist eine Umsetzung der Bebauung in mehreren Abschnitten geplant.

Bei dem offenen, EU-weit ausgeschriebenen Realisierungswettbewerb, den die Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt betreute, setzte sich die Berliner Bewerbergemeinschaft Studio Schultz Granberg GbR mit häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh als Sieger durch. Angetan zeigten sich die Jury vor allem von der einfachen Struktur des fächerartig gegliederten Wohngebiets und seinem harmonischen Übergang zur Natur. Die Bebauung mit unterschiedlichen Haustypologien sieht bis zu 650 Wohneinheiten vor. Auch lobte sie das angenehme Wohnumfeld: „Die rückwärtigen internen kleineren Gemeinschaftsgrünflächen weisen mit den Höfen sehr schöne Situationen mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Bewohnergruppe auf.“ Sowohl die schmalen Verbindungswege und verschiedenen Plätze, als auch das gut positionierte Quartierszentrum versprechen „für den Ort angemessene“, urbane Treffpunkte, waren sich die Preisrichter sicher. Positiv bewerten sie zudem das Erschließungskonzept und die Lage der Kita. „Insgesamt stellt Arbeit einen sehr prägnanten Entwurf dar, der durch seine sorgfältige und feinfühlige Ausarbeitung auch im Detail überzeugt und eine hervorragende Grundlage für die Entwicklung eines sozial gemischten Wohnquartiers am Übergang zur Landschaft darstellt“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Das zweitplatzierte Büro Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf mit faktorgruen Landschaftsarchitekten aus Freiburg setzt dagegen auf eine kompakt angeordnete räumliche Struktur mit durchgrünten Freiräumen: Die vorgeschlagenen drei verdichteten Siedlungskörper „ordnen gekonnt die geforderte Mischung aus Ein-, Doppel- und Mehrfamiliengebäuden an, wobei das  Mischungsverhältnis variabel ausgeformt werden kann“, so die Jury. Überzeugend sei auch die Gliederung des öffentlichen Raums in Nachbarschaftsplätze und intimere Wohnhöfe. Erschlossen werden die drei Baugebiete über eine Gürtelstraße, an der auch die Quartiersplätze angeordnet sind. Die interne Erschließung erfolgt über eine Ringstraße; Kinder- und Jugendeinrichtungen liegen am zentralen Grünzug. „Insgesamt entsteht mit dem Entwurf ein neues Quartier, das mit einem differenzierten Wohnungsangebot für die verschiedenen Wohnnachfragen einen gelungenen Siedlungsabschluss für Blumenrod darstellt. Der signifikant gut gestaltete und hohe Freiraumanteil kann somit nicht nur für die neuen Bewohner des 5. Bauabschnitts, sondern auch für Blumenrod insgesamt eine Qualitätsverbesserung bewirken“, lautete das Fazit der Jury.

Anerkennungen ging an Dr. Hartmut Holl/Holl Wieden Partnerschaft aus München mit [f] landschaftsarchitektur gmbh aus Solingen, die zwei Teilquartiere in Ergänzung zu den nördlich angrenzenden Bestandsquartieren vorschlagen, sowie Erich W. Baier Architektur + Städtebau aus Gauting mit hermanns landschaftsarchitektur/umweltplanung aus Schwalmtal. Ihr städtebauliches Konzept setzt sich aus fünf Inselartigen Baufeldern zusammen.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Aachener Architekten und Stadtplaner Prof. Rolf Egon Westerheide empfahl einstimmig die Verfasser der erstplatzierten Arbeit mit den weiteren Planungen zu beauftragen.

Lena Pröhl