Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung Kreisverwaltung Marburg

Preisträger

1. Preis: artec architekten, Marburg

13.700 € (netto)

Gerd Kaut
Mitarbeit: Nils Torben Becker, Katharina Gänsler, Christine Kaut, Franziska Döls

2. Preis: Kohlmayer Oberst Architekten, Stuttgart

8.500 € (netto)

Regina Kohlmayer
Mitarbeiter: Alina Beck, Aaron Schneider

3. Preis: Schmidt & Strack Architekten, Alsfeld

5.000 € (netto)

Dr. Stefan Strack, Karsten Schmidt
Mitarbeit: Dominik Metz
Fachplaner: Thomas Nadler, Großenlüder (Modellbau und Visualisierung)

Anerkennung: Hetzel + Ortholf Architekten Freiburg

3.500 € (netto)

Gunther Hetzel, Stefan Reik
Mitarbeit: Nadine Fechti, Kati Schöne
Fachplaner: Weissenberger-Planungs GmbH, Husemann, Rottenburg (Küchenplanung), Jochen Zimmermann (Modellbau)

Anerkennung: schönherr + juli architekten innenarchitekten, Fulda

3.500 € (netto)

Gabriele Schönherr-Juli, Jürgen Juli
Mitarbeit: Kerstin Heim

Preisgerichtssitzung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 28.09.2018
Ort Marburg
Auslober Landkreis Marburg-Biedenkopf
Betreuung THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Kerstin Schultz (Vorsitz), Prof. Jürgen Hauck, Sybille Waechter, Kirsten Fründt, Marian Zachow

Ein gelungener Übergang zwischen Alt und Neu
Die Erweiterung der Kreisverwaltung in Marburg-Cappel

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf plant die Erweiterung des Kreisverwaltungsgebäudes Marburg-Cappel, denn es wird dringend mehr Platz benötigt. Zudem ist das Gebäude, das Anfang der 1970er Jahre bezogen wurde, sanierungsbedürftig.

 

Im Erweiterungsbau sollen auf rund 2.200 Quadratmetern Besprechungs-, Lager- und Archivräume, eine Kantine sowie Räume für die IT-Technik Platz finden. Die neue Kantine soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein und separat vermietet werden können. Der Anbau ist dort geplant, wo derzeit die Sparkassen-Filiale steht, und wird künftig einen SB-Bereich der Sparkasse mitaufnehmen. Auch die Neuplanung der Eingangssituation für das Gesamtgebäude sowie die Anbindung der verschiedenen Gebäudeteile waren Teil der Wettbewerbsaufgabe. Das Verfahren wurde vom Darmstädter Büro THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN betreut. Unter den vierzehn eingereichten Arbeiten aus ganz Deutschland vergab das Preisgericht einstimmig drei Preise sowie zwei Anerkennungen.  

 

Als Sieger setzte sich das ortsansässige Büro artec architekten durch. Ihr Entwurf zeige, „wie durch eine kluge städtebauliche Disposition und eine angemessene Gestaltung die Erweiterung der bestehenden Kreisverwaltung gelingen kann.“ Die Verfasser schlagen einen kompakten, dreigeschossigen Riegel vor, der auf einem winkelförmigen Sockelgeschoss fußt. Im Erdgeschoss wird der Erweiterungsbau über einen transparenten Erschließungs- und Besprechungstrakt an den Bestand angebunden. Hier liegt auch „gut auffindbar“ der Eingang. Der zentral gelegene Besprechungstrakt im Übergang zwischen Alt und Neu sei „ein Gewinn für beide Gebäude“, lobten die Preisrichter. Die „klar strukturiert(en)“, „flexibel“ nutzbaren Büroflächen überzeugten ebenso wie die Kantine im unteren Geschoss, die sich großzügig zur öffentlichen Straßenseite sowie zum ruhigeren Hof im Südwesten hin öffnet. Der Außenraum könne für eine Außenbestuhlung genutzt werden, zumal die Kantine durch ihre Lage auch „sehr gut fremd oder außerhalb der Öffnungszeiten nutzbar“ sei. Die vorgeschlagene skelettartige Fassade wirke offen und transparent und setzte das Erscheinungsbild des Bestandsgebäudes auf angemessene Weise fort, ohne sich diesem vollständig unterzuordnen, so das Fazit.

 

Die zweitplatzierten Kohlmayer Oberst Architekten aus Stuttgart präsentieren einen flachen, zweigeschossigen Erweiterungsbau, der durch seine Setzung in der nordwestlichen Ecke des Baufelds die Dominanz der Bestandsgebäude respektiere, so die Preisrichter. Sie lobten nicht nur die außenräumlichen Qualitäten des Entwurfs, sondern auch das kompakte Raumprogramm: Über ein kleines Foyer im Erdgeschoss gelangt man in die tagesbelichtete Kantine. Das Obergeschoss wird über eine innenliegende Treppe plus Aufzug erreicht. Die Büroflächen seien gut strukturiert um einen Innenhof organisiert; die öffentlich zugänglichen Besprechungsräume im Übergang zum Bestandsgebäude.

 

Ein dritter Preis ging an Schmidt & Strack Architekten aus Alsfeld. Die Preisrichter attestierten dem dreigeschossigen Anbau im Nordwesten des Baufeldes eine „offene und einladende Gestik“. Vor allem der Kantinenbereich im Erdgeschoss habe interessante räumliche Bezüge über zwei Ebenen und schaffe somit Offenheit und Durchblicke. Die Erschließungsachse aus dem Bestand wird übernommen und führt über eine großzügige Treppenanlage in die Kantine. Hier befinden sich auch flexibel schaltbare Besprechungsräume. Der an der Nordwestecke gelegene Zugang zur Kantine und  die Lage der SB-Zone der Sparkasse seien ebenfalls schlüssig angeordnet. Auch die Grundrissorganisation der Bürobereiche überzeugte. Besonders angetan zeigten sich die Preisrichter aber von dem offenen Atrium im Kern des Gebäudes, das als „grüne Lunge“ fungiere und optimale Belichtungsmöglichkeiten in allen Ebenen schaffe.

 

Anerkennungen gingen an Hetzel + Ortholf Architekten aus Freiburg sowie schönherr + juli architekten innenarchitekten aus Fulda.

 

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Kerstin Schultz empfahl die weitere Planung auf Grundlage des ersten Preisträgers vorzunehmen.

 

Lena Pröhl