Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Informatik/Mathematik der Goethe-Universität Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Auer Weber Assoziierte GmbH, Stuttgart

97.000 € (brutto)

Jörn Holz, Achim Söding
Mitarbeit: Robert Vöhringer, Maria Savva, Anja Seuchz-Wirth, Gergana Pantcheva
Fachberater: Pro Eleven, Ri Deng, Germering (Visualisierung),
Homolka, Leinfelden-Echterdingen (Modellbau)

3. Preis: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

48.250 € (brutto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Tilman Rösch, Heiko Grimm, Yong Liang, Jana Lang
Fachberater: renderbar, Jörg Röhrich, Stuttgart (Visualisierung), Boris Degen, Esslingen (Modellbau)

3. Preis: ATELIER 30 Architekten GmbH, Kassel

48.250 € (brutto)

Thomas Fischer, Ole Creutzig
Mitarbeit: Yunus Coskun, Zaher Abou Alfadel, Gani Ilijazi, Evgenij Liebert

Anerkennung: Hascher Jehle Design GmbH, Berlin

24.000 € (brutto)

Prof. Rainer Hascher, Prof. Sebastian Jehle
Mitarbeit: Aixin Xuan, Felix Römer, Julia Domanska

Anerkennung: SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN ZT GMBH, Wien

24.000 € (brutto)

Andres Schenker, Michael Salvi, Thomas Weber
Mitarbeit: Jarmilia Fucikova, Sophia Garner, Falk Lennart Kremzow, Arnaud Blaise Pasche, Slavomir Peterka, Jana Sack, Katharina Scheurich, Veronika Sevcikova, Katalin Tóth, Zsófia Varga
Fachberater: IBO GmbH (Bauphysik), IMS GmbH (Brandschutz),
teamgmi Ingenieurbüro GmbH (Gebäudetechnik)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb
Preisgerichtssitzung 16.11.2018
Ort Frankfurt/Main
Auslober Goethe-Universität Frankfurt/Main
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Ludwig Wappner (Vorsitz), Prof. Stephan Birk, Prof. Dr. Michael Koch, Prof. Anne Beer, Stefan Haub, Markus Radermacher, Thorsten Schmidt, Thomas Platte, Prof. Dr. Birgitta Wolff, Prof. Dr. Andreas Bernig, Florian Thommes

Der Campus Riedberg wächst weiter
Neubau Informatik/Mathematik der Goethe-Universität in Frankfurt/Main

Die Goethe-Universität in Frankfurt, eine der drei größten Universitäten Deutschlands, plant ihren Gründungsstandort Campus Bockenheim perspektivisch aufzugeben. Als einer der letzten Fachbereiche ist hier noch Mathematik und Informatik ansässig. Das soll sich schon bald ändern. Denn analog zum Neubau des Campus Westend für die Geistes-, Gesellschafts-, Kultur- und Sozialwissenschaften sollen auch die naturwissenschaftlichen Disziplinen an einem Standort, dem Campus Riedberg, zusammengeführt werden.

Für den Neubau des Fachbereichs Informatik und Mathematik war ein nichtoffener Realisierungswettbewerb ausgelobt worden, an dem sich neunzehn Büros beteiligten. Betreut wurde das Verfahren von der Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt. Das rund 10.000 Quadratmeter große Wettbewerbsgrundstück liegt am nördlichen Rand des Campus und wird derzeit als temporäre Parkfläche genutzt. Das viergeschossige Seminar- und Institutsgebäude soll als Tor zum Campus fungieren und sich in den heterogenen Kontext einfügen. Für die rund 3.300 Studierenden waren ausreichend Lehrveranstaltungsräume, Besprechungs- und Gruppenräume sowie Lernzonen nachzuweisen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf einer klugen Lenkung der Studierendenströme, sowohl zu den Veranstaltungen im Haus als auch zu Veranstaltungen im benachbarten Otto-Stern-Zentrum; der Haupteingang sollte eine hohe Nutzerfrequenz zu Stoßzeiten berücksichtigen. Für wartende und lernende Studierende waren zudem Aufenthaltsflächen vorzusehen. Darüber hinaus wurden in einem Ideenteil Vorschläge für die Entwicklung und Nutzung des Restgrundstücks gefordert.

Als Sieger setzte sich mit deutlichem Abstand die Auer Weber Assoziierte GmbH aus Stuttgart durch, die zwei mehrstöckige Gebäude entlang der Riedbergallee vorschlägt. „Die leicht gegeneinander verschobenen Gebäudeteile setzen (…) das Gebäude des Max-Plack-Instituts fort. Hierdurch wird die Campusallee räumlich gefasst und eine eindeutige Adressierung geschaffen“, lobten die Preisrichter. Der Entwurf besteche insbesondere durch seine „gelungene städtebauliche Setzung“, welche die Campusbebauung mit den angrenzenden Gebäuden des Max-Planck-Instituts und des Otto-Stern-Zentrums überzeugend integriere. Zugleich verleihe sie dem ersten Bauabschnitt „die notwendige Kraft und Eigenständigkeit“, zumal die verbleibende Fläche für den zweiten Bauabschnitt ausreichend dimensioniert sei. Zudem biete das Erdgeschoss mit gespiegelten Foyers und vielen Gängen „zahlreiche großzügige Aufenthaltsbereiche“. Hier sollen sich später Studenten und Mitarbeiter aufhalten können.

Auch ein dritter Preis ging nach Stuttgart an die Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH. Die Verfasser präsentieren einen Neubau im westlichen Teil des Grundstücks, der in Verbindung mit dem Otto-Stern-Zentrum einen Vorplatz ausbildet, vis-à-vis zum Riedbergplatz. Im Osten ist Raum für einen weiteren Baukörper. Das in der Höhe differenzierte Gebäude wird durch vier Innenhöfe gegliedert. Von Nordwesten gelangt man in das Foyer, an dem die stark frequentierten Bereiche wie Seminarräume und Lernzentrum „sinnfällig angeordnet“ sind. Die einzelnen Abteilungen gruppieren sich mit ihren Büros sowie den Nebenräumen um die Innenhöfe. Als besonders gelungen erachteten die Preisrichter die „Adressbildung der Institute“ sowie die „helle(n), angenehme(n) Kommunikationsbereiche für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“.

Ebenfalls mit einem dritten Preis wurde die Arbeit der ATELIER 30 Architekten GmbH aus Kassel prämiert, die „sich mit einem trapezförmigen Baukörper städtebaulich klar an der Riedbergallee (positioniert)“, so das Preisgericht. Vor allem der Haupteingang, der richtigerweise im Westen an der Nord-Süd-Erschließung des Campusareals sitze, wurde positiv beurteilt: Im Zusammenspiel mit der weiteren Bebauung definiere er nicht nur einen „angemessenen und wohlproportionierten Vorplatz“. Durch das zurückgezogene Erdgeschoss und die geschosshohe Verglasung zur Allee entstünde zugleich ein „attraktiver, überdachter Eingangsbereich“. Ein Nebeneingang befindet sich an der Alfred-Wegener-Straße im Osten. Zwischen beiden Zugängen erstreckt sich ein langgezogenes Foyer, an dem die hochfrequentierten Seminarräume liegen. Instituts- und Büroräume sind im Norden und Süden als Einbund, in Ost-Westrichtung als Zweibund organisiert. In den Obergeschossen ergeben sich „attraktive Kommunikationsräume“ zu den beiden Innenhöfen, so die Preisrichter.

Darüber hinaus würdigten sie die Arbeiten von Hascher Jehle Design GmbH aus Berlin und SCHENKER SALVI WEBER ARCHITEKTEN ZT GMBH aus Wien mit Anerkennungen.

Das Preisgericht, dem der Münchener Architekt Prof. Ludwig Wappner vorsaß, empfahl dem Auslober einstimmig, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit einer Realisierung zugrunde zu legen.

Lena Pröhl