Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neues Wohnen in Frankfurt Eschersheim

Preisträger

1. Preis: tobeSTADT, Frankfurt/Main, mit WGF Objekt, Nürnberg

45.000 € (netto)

Torsten Becker, Michael Welter
Mitarbeit: Kerstin Formhals, Jonas Hölzel, Johanna Moraweg, Theresa Nitschke

2. Preis: bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau, Berlin

15.000 € (netto)

Dr. Cyrus Zahiri, Prof. Ulrike Böhm, Prof. Katja Benfer
Mitarbeit: Rita Saragga Leal, Georgios Anagnostopoulos, Camille Régimbart, Amadeus Theimer, Anton Fischer

2. Preis: schneider + schumacher Städtebau, Frankfurt/Main, mit Carla Lo Landschaftsarchitektur, Wien

15.000 € (netto)

Till Schneider, Carla Lo
Mitarbeit: Vivienne Zimmermann, Daniele Blasi, Kai Xun Wu, Samuel Bucher, Isabella Altreiter, Joachim Wendt, Gordan Dubokovic
Fachberater: R+T Ingenieure für Verkehrsplanung

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, zweiphasiger, kooperativer städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren 1. Phase: Anonym 2. Phase: Kooperativ (Aufhebung der Anonymität)
Preisgerichtssitzung 14.11.2018
Ort Frankfurt-Eschersheim
Auslober Stadt Frankfurt/Main, Stadtplanungsamt
Betreuung ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH, Haan
Preisrichter Prof. Christl Drey (Vorsitz), Martin Hunscher, Klaus Bierbaum, Regina Riedel, Prof. Martin Schirmer, Mike Josef, Friedrich Hesse

Kompakt und spannungsvoll
Neues Wohnen in Frankfurt Eschersheim

Das Rhein-Main-Gebiet gehört zu den rasant wachsenden Metropolen Deutschlands. Vor allem in Frankfurt wird dringend Wohnraum benötigt. In den nächsten Jahren sollen daher nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung am Ortsrand des Stadtteils Eschersheim rund 850 neue Wohneinheiten mit Anbindung an den vorhandenen Landschaftsraum entstehen.

Zu diesem Zweck hatte die Stadt Frankfurt einen nichtoffenen, zweiphasigen, kooperativen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb ausgelobt. Das Verfahren wurde von der ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH aus Haan betreut. Ziel war die Entwicklung eines durchgrünten, städtischen Wohngebiets mit hoher Lebensqualität für alle Alters- und Einkommensschichten. Im Sinne einer „doppelten Innenentwicklung“ sollten gleichzeitig mit der Ausweisung der Bauflächen auch neue Grünflächen entstehen und die bestehenden weiterentwickelt werden. Hierfür sollten sowohl Ideen für Erholungs-, Freizeit- wie auch landwirtschaftliche Nutzungen aufgezeigt werden. 15 Architektur- und Stadtplanungsbüros waren aufgefordert, Konzepte zu entwickeln, von denen das Preisgericht fünf auswählte. Zu Beginn der zweiten Phase hatten die Bürger Gelegenheit, mit den planenden Büros in einen direkten Dialog zu treten.

Die erstplatzierte Arbeit des Frankfurter Büros tobeSTADT in Zusammenarbeit mit WGF Objekt aus Nürnberg „überzeugt mit einer spannungsvollen, kompakten städtebaulichen Grundstruktur, die große, zusammenhängende Flächen unversiegelt lässt“, lobten die Preisrichter. Besonders angetan zeigten sie sich von der Freiraumgestaltung: Durch das Wegekonzept und den Umgang mit dem Bestand würden „abwechslungsreiche wohnungsnahe Freiräume“ geschaffen. Die Anbindung an den Bestand erfolgt über eine Quartiersstraße, an der sich die öffentlichen Nutzungen befinden. Auf diese Weise werde „der Bäckerplatz in einem neuen Kontext gesehen und als Teil der Gesamtstruktur aufgewertet“. Zudem erhalte das „Wäldchen eine Adresse“, indem es über einen Anger räumlich mit den neuen Wohnbauflächen verknüpft wird. Am Anger ist auch die Kita verortet. Die Haupterschließung erfolgt im Norden über eine oft abknickende Straße, durch die die Fahrgeschwindigkeit automatisch gedrosselt werde. Positiv wurde auch die Idee aufgenommen, die Innenhöfe gemeinsam mit den Baugruppen zu gestalten. „Insgesamt überzeugt der Entwurf durch seine robuste und auf die Besonderheiten des Ortes reagierende Grundstruktur und auch durch die Tatsache, dass er phasenweise gut umgesetzt werden kann“, hieß es in der Urteilsbegründung.

„Den Verfassern gelingt mit klar abgegrenzten Stadtfeldern und einer durchgehenden Blockstruktur als Bautypologie die Setzung einer prägnanten, einprägsamen Arrondierung des Stadtteils.“ So beschreibt das Preisgericht den zweitplatzierten Entwurf des Berliner Büros bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau. Die einzelnen Stadtfelder bilden eigene Quartiere mit überschaubaren Nachbarschaften. Durch unterschiedliche Höfe und abwechslungsreiche Raumfolgen entstünden „Wohnadressen mit eigener Identität“. In der Mitte eines jeden Quartiers ist ein kleiner Platzbereich als „Ort des sozialen Miteinanders“ vorgesehen. Die angrenzenden Freiraumkorridore ergänzen mit Freizeitnutzungen das Angebot an Aufenthalts- und Begegnungsräumen. Optimierungspotenzial sah das Preisgericht jedoch beim Verkehrskonzept. Nichtsdestotrotz honorierte es „das klare und konsequente Konzept als einen qualitativ hochwertigen Beitrag, und darin insbesondere die feinfühlig Herleitung einer Freiraumstruktur, die als Gerüst des neuen Stadtteils verstanden und überzeugend entworfen wurde.“

Ein weiterer zweiter Preis ging an schneider + schumacher Städtebau aus Frankfurt mit Carla Lo Landschaftsarchitektur aus Wien. Die Arbeit zeigt eine lockere dreigeschossige Struktur mit Winkel- und Zeilenbauten, die vielfach Höfe mit „offenen Ecken“ ausbilden. Herzstück des Entwurfs ist der Quartiersplatz, dessen Lage als „verbindendes Element“ am Berührungspunkt zwischen Alt- und Neubürgern gut gewählt sei. Die vorgeschlagenen großen Quartiersgaragen werden das Gebiet weitgehend verkehrsarm halten, waren sich die Preisrichter sicher. Ebenso konnte das Freiraumkonzept überzeugen, das die bestehenden Grünzüge im Wesentlichen beibehält und um weitere Grünverbindungen ergänzt.

Das Preisgericht, dem Prof. Christl Drey vorsaß, empfahl die erstplatzierte Arbeit zur Umsetzung.

Lena Pröhl