Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau von zwei Kindergärten in Edermünde/Grifte + Besse

Preisträger

1. Preis (Grifte + Besse): Löser Lott Architekten GmbH mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten, beide Berlin

11.500 € + 11.000 € (netto)

Bild: Perspektive Kita Grifte
Verfasser: Johannes Lott, Katharina Löser, Stefan Bernard
Mitarbeit: Elena Masla, Carolin Eiden, Agata Waszczuk

2. Preis (Grifte + Besse): Walter Huber Architekten GmbH, Stuttgart

8.500 € + 8.000 € (netto)

Bild: Perspektive Kita Grifte
Verfasser: Walter Huber
Mitarbeit: Udo Kaiser, Anja Gassmann, Sofoklis Kontakis

3. Preis (Grifte + Besse): raum-z architekten GmbH, Frankfurt/Main

5.800 € + 5.000 € (netto)

Bild: Schnitt Kita Grifte
Verfasser: Prof. Thomas Zimmermann
Mitarbeit: Lukas Hundhausen, Dennis Nikolaisen, Katharina Grimm

Anerkennung (Grifte + Besse): schönherr + juli architekten.innenarchitekten, Fulda

3.200 € + 2.500 € (netto)

Bild: Ansicht Kita Grifte
Verfasser: Gabriele Schönherr, Jürgen Juli
Mitarbeit: Kerstin Heim

Anerkennung (Besse): MoRe Architekten mit Landschaftsarchitektur Felix Holzapfel-Herzinger, beide Hamburg

2.500 € (netto)

Bild: Perspektive Kita Besse
Verfasser: Fee Möhrle, Tobias Martin Reinhardt, Felix Holzapfel-Herzinger
Mitarbeit: Elisa De Stefano, Hang Zhou, Aiah Al' Jubeh, Xiao Zhang, Monika Forys

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 24.09.2018
Ort Edermünde
Auslober Gemeinde Edermünde
Betreuung roller architekten gmbh, Kassel
Preisrichter Prof. Felix Waechter (Vorsitz), Gerhard Greiner, Ulrike Pape, Günter Sandmann, Thomas Petrich, Jenny Kalden, Astrid Griesel

Gleich und doch anders  
Neubau von zwei Kindergärten in Edermünde

Um der steigenden Nachfrage an Betreuungsplätzen gerecht zu werden beabsichtigt die nordhessische Gemeinde Edermünde den Neubau von zwei Kindergärten in den Ortsteilen Grifte und Besse. Beide Kindergärten sollen mit einem identischen Raumprogramm als siebengruppige Tageseinrichtungen geplant werden.

Das voll erschlossene Wettbewerbsgrundstück in Grifte liegt in einem Einfamilienhausgebiet am nördlichen Ortsrand. Auf dem Grundstück soll künftig auch eine separate, öffentliche Freifläche mit Bolzplatz und Spielplatz entstehen. Das etwas kleinere, derzeit als Ackerfläche genutzte Grundstück in Besse befindet sich ebenfalls in Ortsrandlage. Für den gesamten Ackerstreifen einschließlich des Sportplatzes besteht eine übergeordnete Planung für die Nutzung als öffentliche Anlage mit Sportplatz, Bolzplatz, Mehrgenerationenspielplatz, Kindergarten und Wohngebiet. In den maximal zweigeschossigen Neubauten sollen jeweils bis zu 132 Kinder betreut werden: Vorgesehen sind zwei Krippengruppen (jeweils 10 Kinder), eine altersübergreifende Gruppe ab dem 1. Lebensjahr (12 Kinder) und vier altersübergreifende Gruppen ab dem 2. Lebensjahr (jeweils bis zu 25 Kinder). Neben den Gruppenräumen waren auf den rund 1.000 Quadratmetern auch Bildungs-, Differenzierungs- und Schlafräume sowie ergänzende Räume für das Team, Gespräche mit Eltern sowie Abstell- und Sanitärräume nachzuweisen. Zwar werden die Kitas zunächst per Catering beliefert. Die Küchen sollen aber so dimensioniert sein, dass hier perspektivisch auch das Mittagessen zubereitet werden kann. Der Mehrzweckraum soll als Bewegungsraum für die Kinder dienen, aber auch für externe Nutzungen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus waren für Grifte 20 PKW-Stellplätze nachzuweisen; für Besse können die vorhandenen Stellplätze der im Südwesten angrenzenden Mehrzweckhalle sowie die Stellplätze auf dem Parkplatz zwischen den beiden Sportplätzen genutzt werden. Besonderer Wert wurde auf Außenbezüge und Freiraumqualitäten sowie eine wirtschaftliche Bauweise gelegt.

Bei dem nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren hatten 18 Planer ihre Entwürfe eingereicht. Das Preisgericht, unter Vorsitz des Darmstädter Architekten Prof. Felix Waechter, vergab jeweils drei Preise und eine bzw. zwei Anerkennungen. Die Betreuung des Verfahrens gewährleistete die roller architekten gmbh aus Kassel.

„Die Arbeit lässt erkennen, dass die Verfasser-Innen das pädagogische Konzept sowohl städtebaulich, außenräumlich als auch funktional bis ins Detail sehr liebevoll, kindgerecht und mit viel Sachverstand umgesetzt haben“, lobten die Preisrichter den Siegerentwurf der Berliner Löser Lott Architekten GmbH mit Stefan Bernard Landschaftsarchitekten. Der Entwurf sieht ein kompaktes, zweigeschossiges Gebäude im nordwestlichen Grundstücksbereich vor, das mit Fassadenrücksprüngen und Satteldächern dreigegliedert ist. Bolz- und öffentlicher Spielplatz befinden sich auch für externe Nutzer „gut erreichbar“ an der südlichen Grundstücksgrenze. Der Haupteingang liegt von der Straße zurückgesetzt an der Gebäudesüdseite. Über eine einläufige Treppe in Verlängerung des Haupteingangs gelangt man in das Obergeschoss. Die Bereiche Ü3 (überwiegend Obergeschoss) und U3 mit Allgemeinräumen (EG) sind geschossweise getrennt. Besonders positiv bewertet wurden der direkte Zugang von den ebenerdigen Gruppenräumen zu den vorgelagerten Spielterrassen, der zentrale Zugang aus dem Flur zum Garten sowie die durch Aufweitung und Verengung abwechslungsreich gestaltete Erschließungszone. Auch die vorgeschlagene Trapezblechverkleidung für Dach und Fassade überzeugte.
Das gleiche zweigeschossige Gebäude wie für Grifte sehen die Verfasser im Südwesten des Wettbewerbsgrundstücks in Besse vor. Der kompakte Entwurf erlaube auch hier „großzügige Freiflächen, die in der Planung sehr gut differenziert durchdacht dargestellt sind“, so das Preisgericht, sich jedoch nach Nord-Osten zum Mehrgenerationenspielplatz hin orientierten. Um die natürliche Belichtung der Aufenthaltsräume zu verbessern, wurde eine Spiegelung und Drehung des Gebäudes empfohlen. Der Vorschlag, die farbige Gestaltung der Fassade und des Innenraums „invers“ zu Grifte vorzunehmen, um beiden Kindergärten trotz ihrer Gleichheit eine eigene Identität zu verleihen, wurde begrüßt.

Ein zweiter Preis ging an die Walter Huber Architekten GmbH aus Stuttgart. Die Verfasser präsentieren einen schlichten zweigeschossigen Gebäuderiegel, der als reiner Holzbau errichtet wird. Die Haupterschließung erfolgt über den Baunatalweg im Süden. Als besonders gelungen erachteten die Preisrichter die Verbindung aus Eingangshalle und Flurräumen, die unterschiedliche kommunikative Spielräume für die Kinder schaffe. Die Gruppen- und Bildungsräume sind zur Freifläche nach Osten ausgerichtet. Im Obergeschoss bietet eine Terrasse mit Außentreppe einen direkten Zugang zum Freiraum. Die Innengestaltung sei funktional richtig angeordnet; eine separate Nutzung des Mehrzweckraums möglich.
Für Besse wird ein identischer Neubau vorgeschlagen, dessen Gruppen- und Bildungsräume sich nach Norden zum Mehrgenerationenspielplatz hin orientieren. Das Preisgericht empfahl, wie schon bei der erstplatzierten Arbeit, eine Spiegelung des Gebäudes um 180 Grad.

„In städtebaulicher Hinsicht fügt sich das Gebäude trotz seines großen Fußabdrucks harmonisch in die Umgebung ein. Der Neubau ist auf dem Grundstück geschickt platziert, die Zugänglichkeit von Süden erscheint logisch (…).Eingestreute, gut proportionierte Atrien vermitteln dem Besucher ein Gefühl von Offenheit und Transparenz und schaffen ein hohes Maß an Übersichtlichkeit.“ So beschreiben die Preisrichter den drittplatzierten Entwurf der raum-z architekten GmbH aus Frankfurt. Zudem lobten sie die klare Zonierung sowie die konsequente Ausrichtung der Gruppenräume nach Osten, welche eine starke Verknüpfung zum „gut proportionierten Außenraum“ herstelle. Auch das vorgeschlagene Gründach bestach.
Sowohl im Hinblick auf die Ausrichtung als auch die funktionale Anordnung innerhalb des Gebäudes verhalte sich die KiTa in Besse analog zum Standort in Grifte; der Außenbereich sei folgerichtig nach Süd-Osten orientiert.

Mit einer Anerkennung wurden die schönherr + juli architekten.innenarchitekten aus Fulda bedacht, deren Entwurf sich an der ländlichen Bautypologie orientiert und drei parallele Dachkörper mit Holzfassade und Holzsatteldächern vorsieht. Die Hamburger Bewerbergemeinschaft MoRe Architekten und Landschaftsarchitektur Felix Holzapfel-Herzinger sicherte sich mit ihrem Entwurf für den Standort Besse ebenfalls eine Anerkennung.

Das Preisgericht empfahl dem Auslober einstimmig, die Verfasser der mit den beiden ersten Preisen ausgezeichneten Arbeiten für beide Standorte zu beauftragen.

 

Lena Pröhl