Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die Kreisverwaltung, Homberg/Efze

Preisträger

1. Preis: Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbh, Berlin

14.000 € (netto)

Arthur Numrich, Tiemo Klumpp, Grant Kelly
Mitarbeiter: Matthias Gall, Lennart Beckebanze, Maria Pegelow
Fachberater: KMG Ingenieurgesellschaft mbH, Heiko Zimpel, Kubus Freiraumplanung GmbH + Co. KG, Rudolf Kaufmann, Berlin

2. Preis: MEURER GENERALPLANER GMBH, Frankfurt/Main

9.000 € (netto)

Prof. Thomas Meurer, Kristina Meurer
Mitarbeit: Fabian Fortmeier, Marco Fitzthum
Fachberater: GBM, Darmstadt (Modellbau), Sigrid Lippert, Frankfurt/Main (Visualisierung)

3. Preis: wittfoht architekten, Stuttgart

7.000 € (netto)

Prof. Jens Wittfoht
Mitarbeiter: Xiang Shi, Petra Stojanik, Cornelius Dormann, Xi Wu
Fachberater: Jörg Stötzer Landschaftsarchitektur, Prof. Jörg Stötzer, Stuttgart, Bobran Ingenieure, Ingrid Bobran, Stuttgart (Akustik und thermische Bauphysik)

Anerkennung: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten, Nürnberg

1.500 € (netto)

Friederich Bär, Bernd Stadelmann, Reiner Stöcker
Mitarbeiter: Anton Hahn, Patrick Werthner, Frank Riedel, Stephen Blamberger, Melek Sakanci

Anerkennung: puppendahlarchitektur, Olfen

1.500 € (netto)

Marius Puppendahl
Mitarbeit: Christian Vennemann, Kira Gondrum, Jana Fiedrich, Joana Nogueira

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 18.09.2018
Ort Homberg/Efze
Auslober Kreisausschuss des Schwalm-Eder-Kreises
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Joachim Klie, Prof. Alexander Reichel, Prof. Nikolaus Zieske, Winfried Becker, Jürgen Kaufmann, Doris Wudtke

Besucherfreundlich und zukunftsorientiert
Der Neubau eines Verwaltungsgebäudes für die Kreisverwaltung des Schwalm-Eder-Kreises in Homberg/Efze

Die Kreisverwaltung des Schwalm-Eder-Kreises platzt aus allen Nähten. Es fehlt vor allem an Räumen für neue Mitarbeiter, die für zusätzliche Aufgaben, etwa bei der Flüchtlingsbetreuung und im Sozialbereich, eingestellt wurden. Da am bisherigen Standort in der Parkstraße keine Erweiterungsmöglichkeiten gegeben sind, plant der Kreis auf dem Gelände der früheren Dörnbergkaserne den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes.

Ziel des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs war ein klar strukturiertes, besucherfreundliches und zukunftsorientiertes Gebäude, das sich optional in den städtebaulichen Kontext einfügt und unter Einbeziehung eines angrenzenden Grundstücks erweiterungsfähig ist. Neben einem ökologischen, am Passivhausstandard orientierten Energiekonzept war auch der Einsatz ressourceneffizienter Baustoffe gefordert. In dem Neubau sollen künftig auf rund 3.000 Quadratmeter über 100 Mitarbeiter Platz finden. Ein städtebaulicher Ideenteil sollte ergänzend Anregungen für die zukünftige Arrondierung der Liegenschaft geben. Das Verfahren wurde vom Kasseler Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH betreut. Über 60 Planungsbüros aus ganz Europa hatten sich um die Teilnahme am Wettbewerb beworben, von denen 20 ausgewählt und zur Abgabe aufgefordert worden waren. Das Preisgericht unter Vorsitz des Friedberger Architekten Michael Frielinghaus vergab unter allen Einreichungen drei Preise und zwei Anerkennungen.

Dem Siegerentwurf der Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbh aus Berlin sei es gelungen, "durch eine kompakte Gebäudeform, die im Endausbau zwei gut proportionierte, in sich verschränkende Blöcke mit je einem Atrium bilden, (...) einen neuen städtebaulichen Ansatz in das bestehende ehemalige Kasernengelände einzubringen", so die Preisrichter. Die "einladenden Eingangsbereiche" würden folgerichtig den Haupteingang der Hans-Scholl-Straße und die Anlieferung der Friedrich-Kramer-Straße zuordnen. Die Fassade aus hellem Mauerwerk und eingefärbtem Sichtbeton wurde als "angenehm und passend" für ein Jugend- und Sozialamt angesehen; die "klar und gut zoniert(en)" Grundrisse gelobt. Der Entwurf erfülle nicht nur das geforderte Raumprogramm, sondern führe auch "zu schönen Innenräumen mit integrierten Wartezonen und Ausblicken". Zusammenfassend handele es sich um einen "angemessenen Entwurf (...), der flexibel auf zukünftige Änderungen reagieren kann, gut proportionierte städtebauliche Räume bildet und in seiner Gestaltung und Anmutung einen sehr gelungenen Beitrag zum Behördenzentrum Homberg bildet."

Auf dem zweiten Platz landete die Arbeit der MEURER GENERALPLANER GMBH aus Frankfurt. Sie zeichnet sich ebenfalls durch eine atriumartige Blockbebauung aus, die "eine neue Mitte für die Kreisverwaltung" an diesem Standort bildet. Die Haupterschließung erfolgt von der Hans-Scholl-Straße, die Andienung von der Friedrich-Kramer-Straße. Die architektonische Gestaltung sei "ruhig" und "der Bauaufgabe angemessen", das Raumprogramm in wesentlichen Teilen erfüllt. Als besonders gelungen aber erachtete das Preisgericht die vorgeschlagene Stahlbetonkonstruktion mit zweischaliger vorgehängter Klinkerfassade, massiver Brüstung und Dreifachverglasung. Auch das "schlüssig(e)" Energiekonzept wurde gewürdigt. "Insgesamt stellt die Arbeit einen gelungenen Beitrag dar, der sich trotz hoher Eigenständigkeit gelungen in sein Umfeld einfügt. Mit seinem lichten, zum Vorplatz geöffneten Innenhof und der großzügigen Eingangssituation signalisiert er eine offene Verwaltung, die ihre Besucher willkommen heißt", so das Fazit der Preisrichter.

Der drittplatzierten Arbeit der wittfoht architekten aus Stuttgart attestierten die Preisrichter "eine hohe Qualität, die sich insbesondere aus der Fassadengestaltung und den innenräumlichen Angeboten herleitet". Die Verfasser greifen die für das Areal der Dörnbergkaserne charakteristische städtebauliche Struktur in der Positionierung und den Gebäudevolumen auf. Durch die andere Materialität und den großzügigen Vorplatz würden sie aber dennoch einen "eindeutigen neuen Mittelpunkt des Verwaltungszentrums" schaffen, zeigte sich das Preisgericht überzeugt. Mit der vorgeschlagenen transparenten Glasfassade im Erdgeschoss und der Holzfassade in den Obergeschossen werde zudem ein "offenes und besucherfreundliches Gesamterscheinungsbild für dieses Verwaltungsgebäude vermittelt". Auch die gute Orientierung im zentralen Eingangsbereich sowie die "einladende(n) Wartezonen" im Erdgeschoss, aber auch in den Obergeschossen, wurden gelobt.

Anerkennungen gingen an Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten aus Nürnberg, die einen als Dreibund organisierten, langestreckten Gebäudeblock vorschlagen und puppendahlarchitektur aus Olfen, deren Entwurf die vorhandene Zeilenstruktur aufnimmt und weiterentwickelt.

Lena Pröhl