Architekten- und Stadtplankammer Hessen

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Neubau "Adorno Gymnasium" mit Sporthallen und Grundschule, Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh, Frankfurt/Main, mit Mijaa Raummanufaktur, Darmstadt und TOPOTEK 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

86.750 € (netto)

Petra Wörner, Edin Saronjic, Alexander Scholtysek, Jan Kucera, Martin Rein-Cano
Mitarbeit: Sebastian Pfau, Alexander Hubl, Karolina Yaroshenko, Konstantin Kirstein, Marie Luise Brand, Francesca Venier
Fachberater: Brückner Dietz GmbH (Tragwerk), ina Planungsgesellschaft mbH (Energiekonzept)

2. Preis: h4a Gessert + Randecker Architekten GmbH, mit Glück Landschaftsarchitektur GmbH, beide Stuttgart

86.750 € (netto)

Martin Gessert, Albrecht Randecker, Michael Glück
Mitarbeit: Andrea Baumann, Johannes Krüger, Philipp Dornhof, Lisa Diliberto, Valentin Weißbarth

3. Preis: Hess / Talhof / Kusmierz Architekten und Stadtplaner, mit Burger Landschaftsarchitekten Susanne Burger und Peter Kühn Partnerschaft, beide München

47.400 € (netto)

Johannes Talhof, Thomas Hess, Fedor Kusmierz, Peter Kühn, Susanne Burger
Mitarbeit: Heike Unger, Ana Fischer, Mario Torres, Lauriane Marty, Mascha Zach, Laura Engel, Julian Numberger, Alexandra Bauer, Tobias Hoffmann
Fachberater: Modellbau Egger München, 3DWAY architectural graphics, Edgardo Martinez Noel

4. Preis: Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Wien, mit HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt/Main

31.500 € (netto)

Much Untertrifaller, Johannes Cox
Mitarbeit: Christina Kimmerle, Gordon Selbach, Spela Zupan-Podbregar, Katharina Makoru, Luciano Espinoza, Annina Kreißl, Martin Köth, Elisa Reuter, Nina Cielen

Anerkennung: karlundp, München, mit lab landschaftsarchitektur brenner Partnerschaft mbB, Landshut

21.200 € (netto)

Ludwig Karl, Hermann Brenner
Mitarbeit: Luis Gutiérrez Sagüillo, Martina Sauerer, Simon Hanen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 17.12.2018
Ort Frankfurt am Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main
Betreuung THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN, Darmstadt
Preisrichter Prof. Fritz Auer (Vorsitz), Roland Effgen, Barbara Ettinger-Brinckmann, Jochen Klie, Prof. Anett-Maud Joppien, Moritz Kölling, Prof. Dr. Constanze Petrow, Prof. Zvonko Turkali, Prof. Felix Waechter, Susanne Wartzeck, Michael Palm, Mathias Koepsell, Ute Sauer, Jan Schneider, Sylvia Weber, Birgit Puttendörfer, Michael zu Löwenstein

Moderner Schulcampus in zentraler Lage
Neubau des Adorno-Gymnasiums mit Sporthallen und Grundschule in Frankfurt/Main

Entlang der Miquelallee im Frankfurter Westend wird ein Lernort für rund 2.000 Schülerinnen und Schüler entstehen. Denn die Stadt Frankfurt plant, hier den Neubau für das sechszügige Adorno-Gymnasium mit Sportkomplex sowie eine vierzügige Grundschule zu errichten.

Gestaltungsvorschläge lieferte nun ein nichtoffener Realisierungswettbewerb, den THOMASGRÜNINGERARCHITEKTEN aus Darmstadt betreute. Aufgrund der begrenzten Grundstücksfläche hatte vor allem die Schaffung von qualitativ hochwertigen Aufenthaltszonen auf dem Schulhof, den Zwischengeschossen und Dachflächen Priorität. Die Freiflächen sollen zum Spielen und Toben einladen, aber auch Ruhezonen vorsehen. Darüber hinaus war jeweils ein Schulhof für das Gymnasium und die Grundschule gewünscht. Der Sportkomplex wird künftig nicht nur von den beiden Schulen, sondern auch von der benachbarten Holzhausenschule genutzt und soll zudem Vereinen zur Verfügung stehen. Mensa und Aula sollen sich zum Stadtteil öffnen, um auch als Veranstaltungsorte genutzt werden zu können. Die Entwürfe sollten modernen pädagogischen Konzepten genügen und die Anforderungen einer zukunftsfähigen Ganztagsschule erfüllen. Das Raumprogramm für das Adorno-Gymnasium, das den multifunktionalen Klassenraum in den Mittelpunkt stellt, war im Vorfeld gemeinsam mit der Schulgemeinde erarbeitet worden.

Neunzehn Entwürfe standen zur Auswahl, einen klaren Sieger gibt es jedoch nicht. Denn das Preisgericht vergab zwei gleichberechtigte Preise. Diese gingen an das Frankfurter Büro wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh mit Mijaa Raummanufaktur (Darmstadt) und TOPOTEK 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH (Berlin) sowie an die Stuttgarter Büros h4a Gessert + Randecker Architekten GmbH mit Glück Landschaftsarchitektur GmbH.

Die wörner traxler richter planungsgesellschaft mbh schlägt ein „kraftvolles und gleichermaßen unverwechselbares Gebäudevolumen“ vor, das sich gut in den städtischen Kontext einfüge: „Während auf der Nordseite ein im Maßstab angemessener, sechsgeschossiger Riegel den großstädtischen Raum entlang der stark befahrenen Miquelallee stärkt, zeigt die Südseite ein zweigeschossiges Gebäudevolumen, mit dem ein behutsamer Übergang zur kleinmaßstäblichen Wohnbebauung gelingt,“ lobten die Preisrichter. Prägendes Element des Adorno-Gymnasiums ist die freigestellte, auch von außen ablesbare Kaskadentreppe. Sie unterstütze nicht nur die Orientierung im Haus, sondern biete auch eine „abwechslungsreiche Erschließung“. Mensa und Aula sind direkt neben dem Eingang positioniert und zusammenschaltbar. Die Unterrichtsräume sind nach Süden, der vom Straßenlärm abgewandten Seite, orientiert. Ebenso positiv bewertet wurden die Lage der Mediothek in der nordwestlichen Ecke mit „Blickbezug zum Campus der Universität“ sowie die jeweils um einen Innenhof gruppierten Fachräume. Besonders gut gelöst sei die Zusammenlegung der Küchenbereiche des Gymnasiums und der Grundschule, durch die „wertvolle Synergien generiert werden“. Insgesamt würdigte das Preisgericht „die Eigenständigkeit des Beitrags sowie dessen hohe innenräumliche Qualität“; das freiraumplanerische Konzept hingegen bedürfe einer Überarbeitung.

Der Entwurf der h4a Gessert + Randecker Architekten GmbH mit Glück Landschaftsarchitektur GmbH sieht zwei „eigenständige und differenziert ablesbare Baukörper“ vor: Der sechsgeschossige Gymnasiumstrakt entlang der Miquelallee wirke „städtebaulich als Hochpunkt“ und werde durch den Sporttrakt und den Grundschulbaukörper gut in die Nachbarschaftsbebauung eingebunden. Auch die Fassadengestaltung trage zur Identitätsbildung beider Schulen bei: Während die Fassade der Grundschule „ruhig und monolithisch“ wirke, besitze die des Gymnasiums eine „prägnante und belebte Wirkung.“ Das Preisgericht würdigte insbesondere die städtebauliche Lösung im Nordwesten: „Es entsteht ein dem Schulbau vorgelagerter Stadtplatz. Die Geste gegenüber der Stadt ist freundlich und einladend.“ Das Gymnasium wird über einen ebenerdigen Pausenbereich erschlossen, der an Mensa und Aula anschließt; die Unterrichtsbereiche über ein zentrales Treppenhaus. Von hier aus führt eine offene Freitreppe mit Sitzstufen zur Lernebene im ersten Obergeschoss. Diese werde zum „kommunikative(n) Herz der Schule“ avancieren, waren sich die Preisrichter sicher. Auch die Grundschule bilde „die geforderten Jahrgangscluster mit der Lernmitte vorbildlich ab“. Der Freiraum konnte nicht zuletzt durch seinen „großzügigen, ebenerdigen Schulhof für beide Schultypen“ überzeugen. „Gebäude und Freiraum bilden eine schlüssige Einheit“, lautete denn auch das Fazit.

Mit einem dritten Preis wurde der „innovative und außergewöhnliche Beitrag“ der Münchener Bewerbergemeinschaft Hess / Talhof / Kusmierz Architekten und Stadtplaner, mit Burger Landschaftsarchitekten Susanne Burger und Peter Kühn Partnerschaft prämiert. Die Verfasser regen eine terrassierte Gesamtanlage entlang der Miquelallee an, die vor allem durch ihre „ablesbare Adressbildung“ bestach. „Die architektonische Ausformulierung der gegenläufig ausgebildeten Terrassierung mit umlaufenden Fluchtbalkonen schafft einen unverwechselbaren Gesamteidruck und für den Schulstandort eine eigenen Identität, deren besonderes räumliches Merkmal Offenheit und Transparenz sind,“ so die Preisrichter. Das Gymnasium ist im Westen, die Grundschule im Osten und die Sportbereiche sind mittig angeordnet, was eine einfache Orientierung im Gesamtkomplex unterstütze.

Die vierplatzierte Arbeit der Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH aus Wien mit HKK Landschaftsarchitektur GmbH aus Frankfurt/Main überzeugte durch ihre „Stringenz und Einfachheit“. Der Entwurf sieht einen längsgerichteten Baukörper für das Gymnasium und einen punktförmigen Baukörper für die Grundschule vor, die eine klare Raumkante zur Miquellallee bilden. Beide Schulen werden über ein zweigeschossiges Sockelgeschoss miteinander verbunden, das als Pausen- und Spielbereich dient. Die Preisrichter lobten die „sehr gut nutzbare(n) Lernzonen“, die „einfach(e) und selbstverständliche“ Orientierung, die gute Belichtung sowie die gelungene Stadtteilöffnung und die „eindeutig(e)“ Adressbildung.

Mit Anerkennungen würdigten die Preisrichter außerdem die Arbeiten von karlundp (München), mit lab landschaftsarchitektur brenner Partnerschaft mbB (Landshut); Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten (Nürnberg), mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner GmbH (München) sowie von der Münchener Bewerbergemeinschaft Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten GmbH.

Das Preisgericht, dem der Stuttgarter Architekt Prof. Fritz Auer vorsaß, empfahl, das anschließende Verhandlungsverfahren zunächst mit den beiden zweiten Preisträgern zu führen.

Das Adorno-Gymnasium bezieht im Sommer 2019 ein provisorisches Quartier auf dem Campus Westend. Während die Schüler dort bis zu fünf Jahre in Holzmodulen lernen, soll an der Miquelallee der Neubau für sie entstehen.

 

Lena Pröhl